Midland wagen auch "Stages" keine Experimente und das soll so bleiben
Das von Trent Wilmon produzierte Album "Stages" der Neo-Traditionalisten eröffnet uns eine Sammlung wunderbarer Storytellerkunst, wie wir sie von Midland kennen. Bewusst hat die Band nicht versucht, nach 10 Jahren jetzt mit Veränderungen daher zu kommen. Ihr Southwest-verwurzelter Einfluss, ihre Mischung aus modernem Country und den herrlich leicht vergilbten Bildern haben Midland dorthin bewegt, wo sie heute sind. All die Stopps, die sie auf dem Weg dorthin eingelegt haben, reflektieren sie in den 10 Songs musikalisch auf "Stages".
Auf was dürfen wir uns auf "Stages" freuen?
"Ob Nashville, Texas oder Kalifornien, überall, wo wir waren, ob in einem Pick-Up, einem Van oder schließlich in einem Bus – all das steckt in diesen Songs", so Sänger und Gitarrist Jess Carson.
Bereits vorveröffentlicht hatten Midland einige Teaser für "Stages", unter anderem "Marlboro Man" oder "Drinkin' Dark Whiskey", geschrieben von Chris Stapleton.
Außerdem enthält "Stages" mit "I Wish You Would" mit Mackenzie Carpenter eines der gelungensten Duette jüngerer Geschichte. Der Song versetzt zurück in die Zeit die klassische Country-Zeit der 70er Jahre, als eine Frau und ein Mann noch in einer Bar geflirtet haben und keiner der beiden traut sich so wirklich, den nächsten Schritt zu gehen.
"Up In Texas" mit Gast Clint Black
Gerade zeichnet sich ein Trend ab, bei dem sich "junge" Country-Künstler Stars der 80er oder 90er Jahre als Partner für Alben oder Auftritte dazu holen. Dem ist nichts entgegenzusprechen, vor allem, wenn es sich wie in diesem Fall um den legendären Clint Black handelt, dem wir unvergessliche Hits wie "A Better Man" oder "Killin' Time" zu verdanken haben. Mit ihm haben Midland ihren Song "Up In Texas" aus dem Jahr 2023 für "Stages" in einer gelungenen Version neu aufgenommen.
Der nächste Schritt von Midland nach "Barely Blue"
Jeder einzelne Song auf "Stages" ist ein Lichtblick für sich. Midland weichen auch weiter vom Mainstream ab und bleiben bei ihrem Hauch von Eagles, bei dem manche Lieder klingen, als wären sie von dieser Band irgendwie aussortiert und von ihnen mit neuem Glanz wieder aufgegriffen worden.
Je mehr man in den Country-Wurzeln grabe, je mehr könne man damit arbeiten, so Frontmann Mark Wystrach. Sie hätten großen Respekt vor der Original Texas- und Kalifornien Country Music. So sei man in diesem Album noch einmal durch alle Songs gegangen und habe den Focus auf das gelegt, was in den Jahren passiert sei.
Man spürt auf "Stages" sicher die Zusammenfassung des Wirkens von Midland. Das Album ist weniger romantisch und pastellfarben als auf "Barely Blue", die Atmosphäre insgesamt nicht so umgreifend kompakt. Es ist in diesem Fall auch nicht das Ziel, eine einzige bestimmte Stimmung zu erzeugen. Die Herangehensweise ist die, eingehende Melodien, wie "Shooting Memories With Tequila" einzubauen, Hörmomente, die man nicht mehr los wird.
Einige Zweifler gab es ja schon, die Midland am Anfang nicht so wirklich viel zugetraut hatten. Zu schrill, zu bunt, zu alternativ. Doch diesen haben die drei Musiker inzwischen hoffentlich gezeigt, dass immer mehr Fans die Voraussetzungen der Authentizität erkannt haben und auf die Seite des "guten Geschmacks" gewechselt sind. Mit "Stages" dürften möglicherweise noch weitere folgen.
Fazit: Von dieser Band kann es keine kalte Enttäuschung geben. Midland liefern nach "Barely Blue" mit "Stages" erneut ein ausgezeichnetes Album mit verträumt-nostalgischem Honky-Tonk Charme ab.










