Midland
fallen aus dem Rahmen und das in der wundervollsten Weise, die man sich vorstellen kann
Recht spontan trat noch vor Midland ein zuvor nicht angekündigter Opener auf, der das Publikum im Backstage Werk mit der ersten Sekunde in seinen Bann zog. Nicht sehr verwunderlich, denn Douwe Bob besitzt doch schon einige Bühnenerfahrung. Seine niederländische Heimat vertrat er 2016 beim Eurovision Song Contest 2016. Die Menge in München sang auch sofort sogar die eigenen Lieder des Songschreibers, wie "Ice Cold Beer" oder "Mexican Sun" mit und spätestens beim Garth Brooks-Cover "If Tomorrow Never Comes" war ihm der jubelnde Applaus sicher. Das ist es mal, was man unter "anheizen" versteht!
ESC-Teilnehmer Douwe Bob brach als Opener sofort das Eis
Etwas unangenehm war dann die doch längere Umbaupause. Nach einer halben Stunde hatte sich in der heißen Halle noch immer nichts bewegt. Doch was man dann dafür bekam, ließ alles Warten und auch die langen Schlangen an dem nur einen geöffneten Getränkeausschank vergessen.
Das wahrscheinlich nicht überbietbare Konzert des Sommers
Als die acht Musiker von Midland die Bühne betraten, wurden sie vom ersten Ton an bejubelt. Ihr einziges Deutschland-Konzert dieser Tournee in (im Anschluss geht es in die Schweiz zum Country- und Trucker-Festival nach Interlaken) eröffneten sie mit "Glass Half Empty", "Drinkin' Dark Whiskey","I Wish You Would", bei dem der Bandpianist herrlich Mackenzie Carpenter "ersetzte", und "Shooting Memories With Tequila" vom aktuellen Album "Stages". Ein Start, der schon mal einfach nur glücklich machte und ein Publikum, das dieses dankte.
Die romantischen Klänge, die Mitsing-Harmonien wie bei "Burn Out", der Midland-typische, leidenschaftliche Retro-Sound. Ihre Fans, die "Midlanderos" fühlten sich zu Hause.
Das schönste Kompliment, das je eine Band dem deutschen Publikum gab
Genau dies hatte Mark Wystrach CountryMusicNews.de vor der Show auch im Interview bestätigt. Wir trafen ihn, Jess Carson und Cameron Duddy im Biergarten des Backstages und fragten unter anderem, wie sich ihrer Empfindung nach der Spirit des amerikanischen Westens und der texanischen Dance Halls nach Europa transportieren lässt. Sie hätten ja inzwischen Erfahrung auch mit dem deutschen Publikum, wie nehmen sie dieses wahr? Darauf antwortete Mark Wystrach, dieses hätte "seine Hausaufgabe gemacht" und er empfinde es immer wieder so, dass man ihnen hier aufmerksamer zuhöre. Man würde die Alben kennen, die Texte. Es sei ausgesprochen angenehm, für solche Menschen Musik zu machen.
Was Midland sonst noch so vorhaben
Angenommen, Midland würden morgen eine Honky-Tonk Bar eröffnen, wer von ihnen würde welchen Job übernehmen? Er würde alles allein machen, scherzte Jess Carson. Nein, natürlich nicht. Mark würde die Bands buchen und wäre der Security, so der Beschluss. Cameron könnte die Buchhaltung machen. Über eins ist man sich auf jeden Fall einig. Es wäre keine Einheits-Bar auf den Nashville-Boulevard, wie die der anderen Stars. Eine Tiki-Bar vielleicht, in die man nur als Member reinkommt. Wer weiß, weiß, vielleicht haben wir sie auf eine Idee gebracht.
Wir erfuhren außerdem, dass Midland gern auch Clint Black mitgebracht hätten, mit dem sie für das aktuelle Album "Up In Texas" neu aufgenommen hatten. Dieser sei jedoch aktuell unter anderem mit Riley Green zu Hause in den USA auf Tournee.
Wie es weitergeht nach dieser Tournee? Auch mal ein bisschen Zeit mit der Familie verbringen. Etwas Balance finden, wäre schön, so Cameron. Doch im Grunde weitermachen..
Die Reflektion der besonderen Bandgeschichte
Mit dem kürzlich veröffentlichten neuen Album "Stages" hatten Midland Bilanz über die letzten 10 Jahre ihrer Bandgeschichte gezogen. Diese reflektierten sie auch an diesem Abend auf die Bühne. Neben den eigenen Songs bauten sie einige ausgewählte Cover ein, wie "Boot Scootin' Boogie" von Brooks & Dunn und Jess Carson sang "Should Have Been A Cowboy" von Toby Keith. Hätte es einen Tisch oder eine Bar gegeben, die Menschen, junge, ältere, ein großer Teil mit Cowboyhüten, sie hätten auf dieser getanzt.
"Good times never seemed so good…" - hätte es doch nie geendet
Das Konzert makellos. Nach einer Stunde Licht aus, Bühne leer, doch natürlich kamen sie wieder und das "Ende" war erst der Anfang.
Midland gingen auf die Menschen ein, fragt immer wieder, ob sie sich wohl fühlen. Man glaubt an alle, die gekommen waren, niemand war hier ohne Grund. Ein euphorisches Gefühl. Für alle. Vor allem Frontmann Mark Wystrach hat die Lässigkeit, mit der er jeden erreicht. Natürlich hatten alle auf "Drinkin' Problem" gewartet. Cameron Duddy tauschte mit dem Drummer die Instrumente, die Band wurde vorgestellt, es war klar, es geht nichts ohne den Einsatz jedes einzelnen.
Und dann? Wir kennen sie, die Konzerte, bei denen das Licht ausgeknipst wird und in dem Moment die Musiker "fluchtartig" die Bühne verlassen. Mit diesem Gefühl möchten Midland ihre Fans wohl nicht gehen lassen. Selbst nicht gehen. Sie blieben und nahmen die Stimmung auf, die sie erzeugt hatten. Es ertönte "Sweet Caroline" von Neil Diamond und die Dynamik, als Band und Fans gemeinsam sangen war unbegreifbar großartig. Dies kann wohl nur von Künstlern ausgelöst werden, die mit Leidenschaft für ihre Musik leben. Midland sind gradlinig, verzichten auf abgedroschene Showklischees. Ein bisschen Kitsch ist erlaubt. Denn am Ende gingen alle mit der Tatsache, ihren vielleicht besten Abend erlebt zu haben.
Wie bereits oben erwähnt, reisen Midland, allerdings ohne Douwe Bob, am Wochenende zum Country- und Trucker-Festival nach Interlaken. Dieser Termin viele Konzerte weiterer Künstler findet man in unseren Terminkalender.









