Klassiker im Vintage-Gewand: "Winter Wonderland" von Scooter Lee
Kaum eine Kombi passt besser zusammen als Country Music und Weihnachten. Da ist es kein Wunder, dass – von Garth Brooks bis Brad Paisley – nahezu jedes Country-Schwergewicht irgendwann ein Weihnachtsalbum aufgenommen hat. Im Laufe der Jahre wurden das so viele, dass Country Christmas längst als eigenes Genre gilt. Die attraktive Nische ist aber noch nicht ausgereizt, wie das neue Album von Scooter Lee "Winter Wonderland" zeigt.
Wer Scooter Lee nicht auf dem Schirm haben sollte: die 1957 in New Orleans geborene Sängerin hat mit – mehr oder weniger – dem Who-is-Who der Rock 'n' Roll- und Country-Szene zusammengearbeitet. Darunter mit Jerry Lee Lewis, Bruce Springsteen, Linda Ronstadt, Kris Kristofferson und Johnny Cash. Zu ihrem Markenzeichen wurden tanzbare Songs (speziell für die Line-Dance-Szene), sowie ein Country-Sound, den sie häufig mit Blues- und Gospel-Klängen veredelt. Ständig auf Tournee, gilt die mittlerweile in Atlanta, Georgia, lebende Scooter Lee als einer der "hardest working artists on the road".
Scooter Lee: Country-Act mit Gospel- und Blues-Faible
Zwischen ihren vielen Tourneen fand sie wieder mal Zeit, um im Studio das Weihnachtsalbum "Winter Wonderland" aufzunehmen. Wie die meisten ihrer Nashville-Kollegen und -Kolleginnen, serviert auch die Rock 'n' Roll-gestählte Stimme von Scooter Lee einige unverzichtbare "Season"-Songs. Titel etwa wie "Rocking Around the Christmas Tree". Der Opener stammt aus der Feder von Johnny Marks, Brenda Lee hat den fetzigen Song erstmals in die Charts gesungen, viele weitere Interpretationen folgten. Laut Spotify ist der Track seit 2021 sogar der "most-played Christmas song" des Streaming-Dienstes. Kann man nachvollziehen. Auch Scooter Lees gleichzeitig nostalgisch-gefühlvolle und kräftig-zupackende Version sorgt binnen zwei, drei Takte für beste Winter-Vibes.
Das gilt freilich auch für den nachfolgenden Titeltrack: "Winter Wonderland" hat – unglaublich, aber wahr – bereits über 90 Jahre auf den Rillen. Ein zeitlos schöner Evergreen, auch in Scooter Lees kraftvoller, im rockigen Shuffle-Groove angelegter Version. Nach dem temperamentvollen Beginn schaltet das Album mit "Silver Bells" ein paar Gänge zurück. Der mit 75 Jahren ebenfalls höchst betagte Track wurde einst für die gleichnamige Bob Hope-Kino-Komödie (von Jay Livingston) komponiert und zeichnet sich durch eine ungemein einschmeichelnde Melodie aus. Kein Wunder, dass sich von Elvis über Dean Martin bis hin zu den meisten Nashville-Granden alle an diesem Track versuchten.
Mit "I'll Be Home for Christmas" bleibt Scooter Lee in melancholischen Gefilden. Der tieftraurige Song wurde schließlich auch inmitten des zweiten Weltkriegs geschrieben und veröffentlicht. Mit berührenden Textzeilen artikuliert er berührend die Wünsche und Sehnsüchte der damaligen Kriegsteilnehmer. Scooter Lee hat sich bei ihrer Version – im Gegensatz zu beispielsweise Brooks & Dunn – zu einer flotten, munteren Gangart entschieden. Ein nostalgisches Sound-Outfit (mit Fiddle, Klimper-Piano und Pedal-Steel) sorgt für herrliche Vintage-Romantik.
Scooter Lee komplementiert die Weihnachtsplaylist
Ebenfalls ein Klassiker: "A Marshmallow World". In den 1960er Jahren schmachtete ihn Honigstimme Dean Martin in die Charts, 2016 nahmen sich den Track Garth Brooks und Trisha Yearwood für ihr gemeinsames Weihnachtsalbum "Christmas Together" vor. Dass in Scooter Lees Brust das Herz einer echten Rock 'n' Rollerin pocht, beweist sie in ihrer hemdsärmeligen Version von "Christmas Comes But One a Year", erneut ein nahezu 90 Jahre Oldie.
Natürlich darf bei einem Scooter Lee-Album ein Gospel-Track nicht fehlen: Mit "Jesus, a Wonderful Child" versprüht sie spirituelle Hingabe inklusive bluesiger Gitarren-Licks, souligen Grooves und schmissigen Bläsersätzen. Stark! Bevor das Album mit dem souligen Klassiker "Merry Christmas" (unter anderem Otis Redding) und dem mit Folk- und Bluegrass-Elementen ausgestatteten "Christmas Card" gefühlvoll ausklingt, drückt Scooter Lee mit dem opulent arrangierten "Jingle Bells Rock" nochmals kräftig auf die Tube. Hosianna! Das Christkind kann kommen!
Fazit: Scooter Lee gelingt mit "Winter Wonderland" eine hübsche Country-Christmas-Zusammenstellung aus Klassikern und weniger gehörten Tracks. Stimmlich kann die Sängerin aus New Orleans erneut überzeugen.

















