Ray 'n' Kai - KellerCountry

CD Cover: Ray 'n' Kai - KellerCountry
 

Sie waren eines der heimlichen Highlights der diesjährigen Country Messe in Erfurt: Das Duo Ray 'n' Kai aus Offenbach. Lediglich ein einziger Act traute sich dort, die Fahne für Country Music in deutscher Sprache hochzuhalten und begeisterte das Konzertpublikum, welches in Wohlfühlatmosphäre den Texten lauschen wollte.

Mit ihrem Debüt-Album "KellerCountry" beweisen Ray 'n' Kai, dass Deutsch-Country durchaus einen berechtigten Platz hat

Seit 2021 schon treten Harry Ray und Cyrus Kai, wie die beiden sich nennen, gemeinsam als Duo Ray 'n' Kai auf. Von Anfang an war es ihre Vorgabe, etwas zu schaffen, womit sie die Zuhörer unterhalten können, "den Nerv treffen". Den Maßnahmenkatalog hierfür schufen sie selbst und das Gelingen von der Bühne weg kam bei jedem ihrer Auftritte. So dass irgendwann der Gedanke entstand, dieses Gefühl den Gästen gern auch mit nach Hause geben zu wollen. In Form einer CD, die man noch in die Hand drückt und am besten im Auto abspielt. "Denn dort kommt Musik noch immer am perfektesten", so Kay. Recht hat er. Nichts ist besser, als eine Fahrt auf der Landstraße oder der Autobahn und dabei laut aufgedrehte Country Music. Die bekommen die Fans der beiden mit dem ersten Album "KellerCountry".

Warum "KellerCountry"?

Leicht erklärt. Denn neben ihrem eigenen Projekt haben es sich Cyrus Kai und Harry Ray noch zur Aufgabe gemacht, Musikerkolleginnen und -kollegen, zu unterstützen, die sich ebenso wie sie selbst der Kleinkunst verschrieben haben. So gründeten sie vor drei Jahren im Keller des Wohnhauses von Kai in Offenbach den "Country-Keller", eine Location, in der sie alle paar Monate Wohnzimmerkonzerte veranstalten, zu denen sie ausschließlich privat einladen. Nach diesem Lokal wollten sie nun eben auch ihr erstes Album benennen, bei welchem auch nur Musiker mitwirkten, die dort schon aufgetreten waren.

Am Bass beispielsweise hören wir auf "KellerCountry" Barry Beard aus Köln, unter anderem bekannt aus der Danny Myler Band. An den Drums kam aus Frankfurt am Main Christian Schüssler dazu, der sonst unter anderem mit der Texas House Band tourt. Die E-Gitarre spielte Chris Kaufmann ein. Mit der Pedal Steel bereicherte die Songs auf "KellerCountry" der Amerikaner Jason Dunkle und Robin Mühlich, der für die Tontechnik verantwortlich war, steuerte einige Trompetensoli bei.

Love, Peace & Happiness auf "KellerCountry"

Wer bei "KellerCountry" nun düsteren Gruft-Sound erwartet, liegt weit daneben. Im Gegenteil. Mit ihrem Album holen die beiden Songschreiber mit wenigen Ausnahmen ("20 Jahre - Workin' on the Chain") die Leichtigkeit des Sommers zurück und laden zum Zurücklehnen und Mitwippen ein.

Als stärkstes Stück auf "KellerCountry" muss man "Mädchen von der Autobahn" bewerten, der das Hippie-Feeling der 70er Jahre einfängt und so authentisch mitnimmt, dass man sich direkt selbst irgendwo am Straßenrand stehen sieht und der direkt das Gefühl der Gemeinschaft auslöst. Wer würde nicht bei Danny Myler in einen alten Bully einsteigen? Den nämlich fährt sie im dazu gehörigen Video, das demnächst veröffentlicht werden wird und gleich noch mehr Laune auf "Mädchen von der Autobahn" macht.

Mit "Margarita" erinnern Ray 'n' Kai sicher nicht unbeabsichtigt an den Klassiker und angeblich erfolgreichsten Song der Welt von Jimmy Buffet und schaffen es, die gleiche sorglose Atmosphäre zu erzeugen, die einem oft im Alltag so fehlt. Doch nicht nur dem exotischen Cocktail, sondern auch dem beliebtesten Getränk der Deutschen setzen die Künstler mit "Biermann" ein Denkmal. Hier durfte auch die gesamte Crew der Studiomusiker als Backgroundchor mitwirken.

Überhaupt war es Ray 'n' Kai wichtig, das gesamte Team einzubeziehen. Wie Kai erzählt, kamen sie am ersten Tag im Studio von Marburg Records (Weimar an der Lahn) an und die Heizung war noch nicht in Betrieb. Was sie nicht von der Arbeit abhielt und so legten sie trotz anfänglicher Kälte los und vertieften sich immer mehr, bis die ersten Rohfassungen standen. Jeder brachte seine Ideen ein und sie spürten, wie sie sich immer wohler fühlten, weil am Ende des Prozesses etwas herauskam, mit dem sie begeistern konnten.

Nichts anderes möchten Ray 'n' Kai mit ihren Songs, die in ganzer Bandbreite aus dem Leben gegriffen sind. Mit Themen, wie sie jeder nachempfinden kann oder wer hat ihn (hoffentlich) nicht, den "Kumpel(s) für die Ewigkeit", das Kai für eine Freundin aus der Jugendzeit geschrieben hat. Dabei möchten sie nicht radikal die Welt verbessern, lediglich Konventionen darstellen und vielleicht zeigen, dass es uns allen in schwierigen politischen und gesellschaftlichen Zeiten oftmals am Ende des Tages gleich geht ("P. L. E. I. T. E." oder "Nur mal eben schnell") und ein wenig Gemeinschaftsgeist wecken.

Ray 'n' Kai reihen sich in eine Songschreiber-Elite ein, die sich vor niemandem verstecken braucht

Den so genannte "Fernfahrer-Country" gab es in Deutschland ja irgendwie schon immer. Es war wohl irgendwann in den 70ern, als der Trend ganz stark wurde, Original-Songs zu übersetzen und Künstler, wie Bruce Low, Jonny Hill oder Michael Holm davon profitierten. Später waren Sänger, wie Tom Astor, Gunter Gabriel und natürlich der unvergessene Larry Schuba die vielleicht größten Stars dieses Genres, doch sie haben diese Welt entweder bereits verlassen oder ihr Glanz ist am Verblassen.

Allen voran sind mit Sicherheit Truck Stop zu nennen, die Country Music in Deutschland einfach populär gemacht haben. Diese Behauptung darf man aufstellen. Doch dass sich eben auch hier inzwischen ein Generationswechsel vollzieht, ist unübersehbar. Die deutsche Country-Szene verändert sich und wir nehmen mit Freude wahr, dass eben auch die muttersprachlichen Songs sich hier anpassen und neue Künstler nachrücken, die mit "KellerCountry" mutig ein Album "raushauen", das mit all den hier genannten mithalten kann. Ray 'n' Kai reihen sich mal ganz locker ein in eine Songschreiber-Elite, die sich vor niemandem verstecken braucht. Beweis liefern sie auf dem aktuellen Album in dieser Kategorie mit "Fahr'n, fahr'n, fahr'n" sowie "Familie oder Autobahn".

Fazit: Ray 'n' Kai haben mit diesem Album eine griffige Formel für Erfolg gefunden, der ursprünglich nicht mal ihr Ziel war. Doch wahrscheinlich ist die Zeit einfach reif dafür. Die beiden Songschreiber könnten mit "KellerCountry" deutschsprachige Country Music endlich wieder etablieren und ihr den verdienten Status (zurück) geben.

vgw
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