In der Neuverfilmung von "Footloose" übernehmen Kenny Wormald und Julianne Hough die Hauptrollen
Wenn Hollywood die Ideen ausgehen, geht's ans muntere Recyclen: Ob Actionfilm, Drama oder Tanzfilm - eine Neuauflage kommt immer gut. Zumindest an der Kinokasse. Jüngstes Beispiel dieses kreativen Offenbarungseides bildet "Footloose".
Footloose? Wer sich an den 1984 erschienenen Films erinnert, dem fallen eigentlich nur zwei, drei markante Dinge ein: Der in einem Lagerhausekstatisch tanzende Kevin Bacon (beziehungsweise das tänzerisch talentiertere Double) und der bis heute als Evergreen geltende Titeltrack, gesungen von Kenny Loggins. Und sonst? Fehlanzeige.
Das aber hinderte Drehbuchautor und Regisseur Craig Brewer ("Hustle & Flow", "Black Snake Moan") nicht, die Story sozusagen Eins zu Eins im Hier und Heute nachzubauen. Im Mittelpunkt des Films steht Ren MacCormack (gespielt von Tänzer Kenny Wormald). Ein Heißfuss (diesmal) aus Bosten, der in die Kleinstadt Bomont (diesmal) in Georgia zieht. Unglücklicherweise ist Tanzen in dem Kaff für Jugendliche dank Pfarrer Shaw Moore (Dennis Quaid) verboten. Denn: Dieser hatte drei Jahre zuvor seinen einzigen Sohn bei einem Autounfall verloren. Sie waren auf der Heimfahrt von einer Tanzveranstaltung, Sie verstehen ...
Ren aber liebt es nun mal zu tanzen und beschließt, nach einigen Begegnungen mit der harten Hand des Gesetzes, das Tanzverbot abzuschaffen. Ein echter Rebell! Dabei verliebt sich der smarte, dennoch aber irgendwie hüftsteife Knabe in Pfarrerstochter Ariel (Country-Sängerin Julianne Hough). Die hat zwar gerade noch ein Techtelmechtel mit dem wilden Rennfahrer Chuck Cranston (Patrick John Flueger) am Laufen, aber man muss kein Prophet sein, um zu ahnen wie es weiter geht. Ihre Tanzerfahrung, auch aus "Dancing with the Stars", kann Hough gut einbringen. - Sie tanzt sehr, sehr gut. Als Schauspielerin fällt sie in diesem wenig ambitionierten Ensemble und Film nicht unbedingt negativ auf. Aber ein mimisches Glanzlicht kann sie auch nicht setzen. Sie gibt das Püppchen, aber das recht gut.
Akribisch hat sich Craig Brewer an die Vorlage gehalten. So sehr, dass er den Ruhm in den Credits mit Dean Pitchford, Drehbuchautor des Originalfilms, teilt. Würde in dem an Handlung armen Streifen nicht ab und an ein iPod oder Handy ins Bild kommen, würde man den Film jederzeit in die 80er Jahre verorten. Dass in der Neuauflage sogar manche Dialoge wortgetreu übernommen werden, spricht auch nicht gerade für kreativen Eifer. Egal, es ist ein Tanzfilm. Und: die Tanzszenen sind noch mit das Beste. Das Beste aber ist eindeutig die Musik. Gleich zum Einstieg des Films schmettert erneut Kenny Loggins seine Version von "Footloose". Immer noch ein Knaller, keine Frage.
Aber auch Country-Star Blake Shelton macht bei dem Song eine gute Figur. Ein bisschen mehr Country-Tupfer hätten dem Track allerdings keinesfalls geschadet. Dem Film auch nicht. Auch wenn die eine oder andere Szene in Tennessee in einem Country-Club spielt.
Etwas irritierend ist- wieder einmal- die Besetzung des Films. Denn hier spielen offensichtlich Menschen, die jenseits der Mitte-Zwanzig Jahre alt sind, Teenager. Mag ja sein, dass der Reifeprozess in der amerikanischen Provinz schneller voranschreitet, aber normalerweise doch eher in Puncto Taillenumfang. Wer noch nach weiteren Pluspunkten des Footloose-Neuaufgusses sucht, wird genau hingucken und hinhören müssen. Klar, Dennis Quaid macht seine Sache als knorriger, verbitterter Priester gut. Die schnuckelige Andie McDowell ("Und täglich grüßt das Murmeltier") ist allerdings eine glatte Fehlbesetzung in dem an Flachheit und Klischeehaftigkeit kaum zu unterbietenden Remake.
Wer schon vor dem Original nicht besonders angetan war, wird- nach Footloose 2- die Bacon-Version in einem anderen Licht sehen: Als cineastische Offenbarung. Für Kids der High-School-Musical-Generation wird der Film dennoch etliche Schmelz-Momente bereithalten. Alle ohne Zahnspange kann man aber nur vor diesem Kino-Ticket warnen.
Fazit: Nach "Dirty Dancing"jetzt also das Remake eines weiteren Tanzfilm-Klassikers. Es ist so erfreulich und notwendig wie ein Pickel am Allerwertesten.