Brokeback Mountain

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Redaktionswertung Film nicht bewertet
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Liebe ist eine Naturgewalt
In Wyoming macht man nicht viele Worte. So karg und verwittert wie das Land ist, so verschlossen sind die Menschen, die dort leben. Einer von ihnen, der introvertierte Rancher Ennis Del Mar (Heath Ledger), wird 1963 gemeinsam mit dem eher umgänglichen Rodeoreiter Jack Twist (Jake Gyllenhaal) angeheuert. Sie sollen auf Brokeback Mountain eine Schafherde hüten. Eine Begegnung mit Folgen: In der Einsamkeit und Unwirtlichkeit der Berge fallen sie während einer regnerischen Nacht leidenschaftlich übereinander her und werden für den Sommer ein Paar. Diese Erfahrung macht vor allem Ennis Angst. Er kann mit seinen Gefühlen nicht umgehen und weiß, dass Männerromanzen in Wyoming lebensgefährlich sein können. Deshalb beschließen Jack und er, nach dem Job getrennte Wege zu gehen - was nicht lange klappt, denn Liebe ist eine unzähmbare Naturgewalt. Obwohl sie beide Familien gründen, kommen sie nicht voneinander los und unternehmen einmal im Jahr eine gemeinsame "Angeltour". Während die Jahre ins Land ziehen, wird Jacks Wunsch nach mehr immer größer, nach einer Ranch, die er mit Ennis bewirtschaften möchte. Für Ennis eine undenkbare Vorstellung: Niemand darf Verdacht schöfen, doch dafür ist es bereits zu spät...

Ein stilles Meisterwerk
So wie Oliver Hirschbiegels "Der Untergang" generell als "der Hitler-Film" galt, haftet "Brokeback Mountain" von Ang Lee ("Tiger & Dragon") das Etikett "Gay-Western" an. Doch diese flapsige Eingrenzung trifft den tiefen, emotionalen Kern des Dramas nicht einmal ansatzweise. Sie klingt, als ginge es darum, knackigen Kerlen in arschfreien Chaps bei Cowboyspielchen zuzusehen. Aber das stille Meisterwerk will etwas ganz anderes. Ohne Voyeurismus erzählt Lee unaufdringlich von verdrängten Gefühlen, und wie sie sich auf das gesamte Umfeld auswirken. Neben Jack und Ennis sind beispielsweise auch ihre Frauen Leidtragende. Als Alma (Michelle Williams) zufällig sieht, wie Jack ihren Mann abknutscht, ist sie nicht nur wie versteinert, weil sie die Situation nicht einordnen kann. Sie muss auch erkennen, dass zwischen den beiden Männern eine Zuneigung herrscht, die sie in ihrer Ehe nie erlebt hat. Eine großartige Szene - der Film ist voll davon. Es ist schon eine Klasse für sich, wie es Lee gelingt, mit Bildern auszudrücken, was die Figuren mit Worten nicht sagen können. Schlichte, klare und ungemein berührende Bilder. "Brokeback Mountain" vibriert förmlich vor unterdrückter Leidenschaft und betretendem Schweigen, der Angst vor dem Anderssein und dem Pech, als "Misfit" ins wertkonservative, ländliche Amerika hineingeboren worden zu sein.

Der Berg ruft...
...und das Echo ist nicht mehr überhörbar. "Brokeback Mountain" ist der momentane Liebling der Kinobranche: Goldener Löwe der Filmfestspiele von Venedig, sieben Golden-Globe-Nominierungen, alle wichtigen Kritikerpreise quer durch die USA von Los Angeles bis New York, und bei den Oscars wird der Film auch eine große Rolle spielen. Hier hat ein hochklassiges Team um Ang Lee einen echten Ausnahme-Film geschaffen: Heath Ledger und Jake Gyllenhaal geben den Figuren mit minimalsten Mitteln eine große Tragik. Die Nebenrollen sind phantastisch besetzt (u. a. Randy Quaid als engstirniger Rancher). Pulitzerpreisträgerin E. Annie Proulx ("Schiffsmeldungen"), die Wyoming mit "Weit draußen" ("Close Range: Wyoming Stories", 1999) und "Hinterland" ("Bad Dirt: Wyoming Stories 2", 2005) ein Denkmal gesetzt hat, lieferte mit der gleichnamigen Kurgeschichte (ist in Band 1 enthalten) die Vorlage. Larry McMurtry ("Weg in die Wildnis", "Die letzte Vorstellung"), wenn man so will der "Johnny Cash der amerikanischen Gegenwartsliteratur", hat das Drehbuch geschrieben. Und auf dem Soundtrack, der zwar vorrangig aus Score besteht, befinden sich u. a. Emmylou Harris, Willie Nelson, Steve Earle und eine "King of the Road"-Coverversion von Rufus Wainwright und Teddy Thompson. Wer die wunderschönen Drehorte besuchen möchte, kann sich den Weg nach Wyoming allerdings sparen. Da gibt es zwar auch jede Menge atemberaubender Landschaften, aber der Film entstand aus Kostengründen in Alberta, Kanada.

Fazit: Eine tragische Männerliebe im rauhen Wyoming. So sehen Filme aus, die Klassiker werden. Hut ab!

  • Regie und Schauspieler

  • Produktionsinfos

  • Starttermine

  • Soundtrack

Regie Schauspieler Rolle
Ang Lee Jake Gyllenhaal ... Jack Twist
Heath Ledger ... Ennis del Mar
Randy Quaid ... Joe Aguirre
Anne Hathaway ... Lureen Newsome
Michelle Williams ... Alma del Mar
Graham Beckel ... L.D. Newsome
David Harbour Randall Malone

Studio: Focus Features / River Road Entertainment (Tobis)

Land: USA, 2005

FSK: frei ab 12 Jahre

Laufzeit: 134 Minuten

Kino:9. März 2006
DVD: 16. Oktober 2006
Pay-TV: 25. März 2006
Free-TV:


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