
"Butcher's Crossing" ist ein US-amerikanischer Westernfilm aus dem Jahr 2023 unter der Regie von Gabe Polsky, der damit sein Debüt als Spielfilmregisseur gibt. Der Film basiert auf dem Roman von John Edward Williams aus dem Jahr 1960. Die Hauptrollen spielen Nicolas Cage, Fred Hechinger, Xander Berkeley, Rachel Keller, Jeremy Bobb und Paul Raci.
Die Weltpremiere fand am 9. September 2022 auf dem Toronto International Film Festival statt.
Bereits 1960 veröffentlichte John Williams (1922-1994) seinen Roman "Butcher's Crossing". Ins Deutsche wurde er aber erst 2015 übersetzt, nachdem 2013 bereits sein Roman "Stoner" in der deutschen Übersetzung guten Anklang fand. Selbst in den USA wurde der Hochschullehrer aus Denver erst posthum als Autor bekannt und gefeiert.
Diesem Umstand ist es gewiss zu verdanken, dass "Butcher's Crossing" 2022 mit Nicolas Cage ("The Old Way") verfilmt wurde. Er spielt aber nicht den heroischen Westernhelden, sondern einen abgehalfterten Büffeljäger, der von seiner Gier ergriffen wird und massenhaft majestätische Tiere abknallt und letztlich gegen Naturgewalten ankämpfen muss. Meist spielt die Geschichte in einer rauen Wildnis. Doch alles beginnt in einer staubigen Grenzstadt in Kansas jenseits der Zivilisation mit dem Namen "Butcher's Crossing".
Hierhin verschlägt es 1874 den jungen Harvard-Studenten Will Andrews (Fred Hechinger), der alles abbricht, weil er von seiner Abenteuerlust gepackt wird. In einer Spelunke begegnet ihm Miller (Nicolas Cage), der mit Büffel-Häuten handelt und von einer fernen Gegend in Colorado erzählt, in der noch massenhaft Büffel leben sollen. Will ist sofort Feuer und Flamme. Er gibt sogar sein gesamtes Erspartes her, um das Unternehmen zu finanzieren. Miller kauft davon Vorräte und Ausrüstung, heuert erfahrene Männer an und nimmt natürlich Will in sein Team auf.
Nach anstrengender Reise erreichen sie endlich ihr Ziel, wo Tausende von Büffel grasen. Miller beginnt sofort mit dem Abschlachten der Tiere. Täglich erlegt er Hunderte von ihnen. Die anderen müssen die Kadaver häuten und die Felle für den Abtransport herrichten. Obwohl die Zeit bereits überschritten ist und sich ein Schneesturm ankündigt, kann Miller nicht genug kriegen. Will indes stumpft bei dem Gemetzel innerlich immer mehr ab. Als der Winter einbricht, müssen sie monatelang ausharren. Eine Tortur, die einigen das Leben kosten wird.
Absolut schonungslos inszeniert Gabe Polsky ("Red Army - Legenden auf dem Eis") seinen Film über die Ausrottung der Büffel auf dem nordamerikanischen Kontinent im 18. Jahrhundert.
Was als großes Abenteuer beginnt, endet in einem Blutbad, bei dem keiner der Protagonisten heroisch wegkommt. Nicht einmal Fred Hechinger ("Thelma"), das jüngste Mitglied der Schlächter, kriegt unsere Sympathien, obwohl in ihm der größte Wandel stattfindet. Anfänglich blickt er auf Nicolas Cage noch auf, doch mehr und mehr ist in seinem Gesicht das pure Entsetzen abzulesen, aber um nicht wahnsinnig zu werden, stumpft dieser Will ab und wird quasi zum Mitläufer.
Insofern ist "Butcher's Crossing" vor allem ein psychologischer Western, der den menschlichen Zerfall widerspiegelt, der bei allen Figuren der Jagdgesellschaft deutlich wird. Geschossen wird hier vor allem auf die Büffel und das zeigt die Kamera ebenso deutlich wie das Häuten der Tiere. Das ist nichts für schwache Nerven, lässt aber jeden Zuschauer, der noch einen Funken Empfindsamkeit in sich trägt, verstörend zurück.
Nicolas Cage ließ sich für diese Rolle den Kopf kahl rasieren, um noch brutaler zu wirken. Als Schurke kann man ihn dennoch nicht abstempeln, denn das Handeln seiner Figur war zu jener Zeit nicht unbedingt verwerflich. Er ist kein Krimineller, der irgendjemand etwas wegnehmen will, sondern der mit Büffel-Fellen seinen Lebensunterhalt verdient.
Dann wird er Opfer seiner eigenen Gier, was dann auch zu einer moralischen Frage wird. "Butcher's Crossing" - was man übrigens mit "Übergang des Metzgers" übersetzen könnte - prangert damit nicht nur die Ausrottung des amerikanischen Bisons an, sondern kann ebenso als Anklage auf den frühen Kapitalismus im Land der unbegrenzten Möglichkeiten verstanden werden.
Nicolas Cages Spiel wirkt unheimlich, er lässt die Bestie in sich erwachen und gleichzeitig tut einem dieser Miller auch leid, weil auch er nur den großen Traum geträumt hat, der einst Millionen nach Amerika auswandern ließ, die auf ein besseres Leben hofften. Ein zweifelnder Mann, dem schließlich nur noch die Verzweiflung bleibt.
Für die bedrohliche Stimmung des Films sorgen auch die rauen Landschaftsbilder und es ist die Natur selbst, die Rache verübt. Ein Schneesturm ist mächtiger als die erbarmungslosen Wildtöter und zwingt sie, sich in Kälte und Nässe wieder ganz klein und ausgeliefert zu fühlen. Ein Western im Schnee ist indes für Fans dieses Genres immer eine Augenweide.
Fazit: Die Dezimierung von Büffel-Herden, die fast zu ihrer Ausrottung führte, wurde in einem Western noch nie so ausführlich thematisiert wie in "Butcher's Crossing". Zugleich wird damit die menschliche Natur zerpflückt, die all zu oft von Macht, Geld und Gier geleitet wird. Eine tragisch-spannende Auseinandersetzung und eine wichtige Bereicherung für das Wild-West-Genre.