Eddington

Eddington

"Eddington" ist ein US-amerikanischer Neo-Western-Thriller aus dem Jahr 2025, geschrieben und inszeniert von Ari Aster, mit Joaquin Phoenix, Pedro Pascal, Luke Grimes, Deirdre O'Connell, Micheal Ward, Austin Butler und Emma Stone in den Hauptrollen. Der Film spielt im Jahr 2020 während der COVID-19-Pandemie in New Mexico und untersucht die politischen und sozialen Unruhen, die durch die umkämpfte Bürgermeisterwahl zwischen Sheriff Joe Cross und Bürgermeister Ted Garcia ausgelöst wurden.

Der Film feierte seine Weltpremiere am 16. Mai 2025 im Hauptwettbewerb der Filmfestspiele von Cannes 2025.

"Eddington" – Ein moderner Western mit Joaquín Phoenix

Einen Ort namens Eddington gibt es in den Vereinigten Staaten wirklich, befindet sich aber im Bundesstaat Maine und nicht in New Mexico, wie uns der Film "Eddington" weismachen will. Insofern ist der Schauplatz fiktiv. Das Szenario allerdings spielt vor einem realistischen Hintergrund, der die ganze Welt vor nunmehr fünf Jahren fest im Griff hatte. Es geht um die Corona-Pandemie und wie sie die Gesellschaft spaltete.

Eine übersichtliche Kleinstadt ist daher ideal gewählt, um die beginnende Zerrissenheit der Bewohner aufzuzeigen. Mitunter erinnert Eddington dabei sogar an eine Westernstadt, in der zwar längst Recht und Ordnung herrschen. Aber ist die noch gesichert, wenn selbst der von Joaquín Phoenix ("Walk the Line") gespielte Sheriff sich in einer Pandemie nicht danach richten will?

Ein Sheriff ohne Maske

Im Frühjahr 2020 beobachtet Sheriff Joe Cross (Joaquín Phoenix), wie ein älterer Herr aus dem Supermarkt geworfen wird, weil er keine Maske trägt, die ihn und vor allem andere vor dem Coronavirus schützen soll. Sofort schreitet er ein und versorgt den Alten mit den notwendigen Lebensmitteln. Denn Cross weigert sich selbst, eine Maske zu tragen, weil er asthmakrank ist. Das bringt ihn in einen offenen Konflikt mit dem Bürgermeister von Eddington, denn Ted Garcia (Pedro Pascal) hat angeordnet, dass für alle überall Maskenzwang herrscht.

Cross nimmt das zum Anlass, selbst für die bevorstehende Bürgermeisterwahl zu kandidieren. Garcia ist ihm schon lange ein Dorn im Auge, denn er hatte mal was mit Louise (Emma Stone), der Ehefrau von Cross. Louises Mutter Dawn (Deirdre O'Connell) ist eine glühende Verschwörungstheoretikerin, die von Vernon Jefferson Peak (Austin Butler) in den Sozialen Medien beeinflusst wird. Als dieser nach Eddington kommt, eskalieren die Konflikte und führen zu Chaos und Mord.

"Eddington" - Amerika in Angst

Der eigentlich auf Horror spezialisierte Regisseur Ari Aster ("Midsommar") bedient diesmal andere Genres und vermischt gekonnt Satire mit Thriller und Western.

Der COVID-9-Virus bildet dabei als Auslöser, um eine bereits unterschwellig vorhandene Spaltung weiter auseinander zu brechen.

Gewiss geht es hier nicht um eine Aufarbeitung jener Zeit. Vielmehr wirkt der Virus wie ein Fremder, der Law & Order einer Gemeinde auf den Prüfstand stellt. Ein typisches Motiv vieler Western, um Spannungen auszulösen. Dabei symbolisiert Pedro Pascal ("Massive Talent") als etablierter Bürgermeister die bestehende Ordnung, während Joaquín Phoenix ("The Sisters Brothers") als unberechenbarer Sheriff auf Freiheit und Selbstbestimmtheit pocht.

Joaquín Phoenix bietet einmal mehr eine explosive Performance und ist hier die interessanteste Figur, der man folgt, um Verschwörungsideologien durchdringen zu wollen, Wahrheiten zu finden und das Richtige zu tun. Doch dieser Sheriff sitzt auf einem Pulverfass und ist letztlich derjenige, der zum Brandbeschleuniger wird und wie in einem echten Western seinen Showdown auf offener Straße bekommt.

Eine weitere interessante Rolle spielt Luke Grimes ("Yellowstone"), als der Deputy von Sheriff Joe Cross. Sein Rollenname ist schlicht Guy. Gewiss ein bewusst gewählter Name, denn Guy ist ein Durchschnittstyp, ein Mitläufer, einer, der sich unterordnen kann. Grimes spielt Guy dementsprechend naiv und gehemmt. Anfangs hilft er den Sheriff noch bei seiner Wahlkampagne, schlicht weil sein Vorgesetzter das von ihm erwartet. Zunehmend erkennt er aber dessen Brüche, ist aber nicht in der Lage, daraus eigene Konsequenzen zu ziehen. Grimes, der 2024 als Country-Sänger sein erstes Album "Luke Grimes" herausbrachte, beeindruckt durch seine zurückhaltende Darstellung, um somit möglichst wenig aufzufallen. Damit verkörpert er Angst und Unsicherheit von Menschen, die sich lieber mitreißen lassen, anstatt durch eine eigene Haltung oder durch eigenes Handeln aufzufallen. Das muss man erst mal schaffen.

Country Music beim Autofahren

Der Sheriff wird zum nostalgischen Sinnbild mit idealisierten Vorstellungen für ein Amerika, in dem sich niemand in seiner Freiheit einschränken lässt und mitunter das Gesetz radikal selbst in die Hand nimmt. Auch ein beliebtes Motiv vieler Western.

Wenn Joe Cross in seinem Polizeiauto über Highways fegt und weitläufige Landschaften an ihm vorbei rauschen, fühlt man sich ebenso an einem Cowboy auf seinem Pferd erinnert. Joe Cross hört dabei Musik, am liebsten alte Country Songs. Allerdings sind sie akustisch nie dominant und sollen ironisch nur darauf hinweisen, dass Cross, der auch nie ohne seinen Cowboy-Hut aus dem Haus geht, sich weiterhin an alte (Western)-Werte klammern will.

Der eigentliche Score wurde von Bobby Krlic ("Triple 9") geschrieben, der mit bizarren Gitarren- und Banjo-Klängen Country-Anleihen nutzt. Jedoch sehr gebrochen und recht unmelodisch, als wäre ein Widerhall aus einer längst vergangenen Epoche zu hören. Eine stimmungsvolle Filmmusik, die Melancholie und Entfremdung ausdrückt.

Fazit: Mit "Eddington" ist Regisseur Ari Aster ein wilder Ritt gelungen, der sich vor allem aus den Genreregeln des Westerns bedient, um sie zu brechen und symbolisch zu nutzen. Freiheitsdrang contra Law & Order, und mittendrin ein Virus, der diesen Konflikt zum Brodeln bringt. Daraus entsteht ein unbequemer, aber auch spannender Film, der wie eine Allegorie auf den Zustand unserer westlichen Welt wirkt.

 
vgw
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