George Strait - Cold Beer Conversation

CD Cover: George Strait - Cold Beer Conversation

Was soll man über eine neue George Strait-CD sagen? Sie ist: ein George Strait-Album. Das heißt: bodenständiger, roots-betonter, zeitloser Country; immer lässig und stark gesungen, immer astrein instrumentiert, immer qualitativ hochwertig. George Strait versteht es wie kaum ein anderer, alles so locker und leicht klingen zu lassen. Dass das aber ungeheuer schwer ist, weiß jeder, der sich etwas intensiver mit Musik beschäftigt. Dazu kommt bei ihm eine spezielle Note: vier, fünf Takte, und man fühlt sich bei seiner Musik gleich um einen Tick besser drauf. Seine Songs sind musikalische Endorphine - das gilt auch für 13 Tracks seines neuen, von Chuck Ainley und ihm selbst produzierten Albums "Cold Beer Conservation".

Natürlich steht "King George", wie längst in Nashville genannt wird, eine beachtliche Riege anerkannter Songwriter zur Seite. Von den Melodien und Texten von Keith Gattis scheint Strait gerade besonders angetan zu sein: Neben dem von ihm im Alleindurchgang komponierten Opener, dem solide rockenden "It Was Love", war er auch als Co-Komponist bei einigen Tracks beteiligt. Darunter auch bei dem im Reggae-Groove gehaltenen, tiefenentspannten "Let It Go", bei dem sich Gattis die Credits mit George und dessen Sohnemann Bubba Strait teilt. Ergebnis: ein typischer Strait-Song – Motto: alles halb so schlimm, nimm's leicht, wird schon.

Genauso typisch für die Musik, die Karriere von George Strait ist "Everything I See". Bei der recht hoffnungslosen Liebes-Ballade holten sich die drei Songwriter noch das Talent von Dean Dillon ins Studio. Herauskam ein Song, der recht unverblümt an Straits "I Hate Everything" erinnert. Wenn man glauben möchte, dass Nashvilles Nummer-Eins-Countrystar längst den abgeklärten, altersmilden Cowboy gibt, sieht sich beim nachfolgenden "Rockpaper Scissors" getäuscht. Hier zieht der 63-jährige Texaner alle Register seines Temperaments - und zeigt Beachtliches. Der von Casey Beathard, Monty Criswess und Bubba Strait komponierte Country-Rocker gehört zweifellos zu den härtesten Songs des Routiniers in den letzten Jahren. Trotzdem macht Strait auch hier eine höchst überzeugende Figur.

Dennoch: Rockende Beats und scharfe Gitarrenriffs sind nicht unbedingt die artgerechte Umgebung für die singende Legende. Das sind schon weitaus eher Songs wie das nostalgische, mit einem Akkordeon unterlegte "Wish You Well", die tränenreiche Ballade "Even When I Can’t Feel It" oder der herrlich groovende Texas-Swing "It Takes All Kinds". Dass der Altmeister aber nicht den Bezug zu neuen Strömungen und jungen Talenten verloren hat, zeigt er in "Something Going Down" und "Cheaper Than A Shrink". Für beide Titel ist Nashvilles düsterster, vielleicht aber auch talentiertester Outlaw (mit)verantwortlich - Jamey Johnson. Der bärbeißige Songschmied schrieb der Country-Ikone zwei herrlich emotionale Titel auf den Leib. Wie bei Johnson üblich, ohne den Einsatz von Plastiktränen und Retorten-Kitsch.

Fazit: Wo George Strait drauf steht, ist zu 100 Prozent Country drin. Das war so, das bleibt so. "Cold Beer Conversation" macht da - zum Glück ¬- keine Ausnahme.

Label: MCA Nashville (Universal) VÖ: 30. Oktober 2015
01 It Was Love
02 Cold Beer Conversation
03 Let It Go
04 Goin' Goin' Gone
05 Something Going Down
06 Take Me to Texas
07 It Takes All Kinds
08 Stop And Drink
09 Everything I See
10 Rock Paper Scissors
11 Wish You Well
12 Cheaper Than A Shrink
13 Even When I Can't Feel It

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