Justin Moore - Stray Dog

CD Cover: Justin Moore - Stray Dog

Justin Moore bleibt sich auch auf seinem neuen Album "Stray Dog" treu

Andere Country-Stars mögen den Stetson an der Garderobe abgegeben haben. Nicht jedoch Justin Moore. Im Gegenteil. Er zieht ihn sich tief ins Gesicht, um cool darunter hervorzublicken und er sagt: "Vor langer Zeit habe ich beschlossen, keine Spielchen zu spielen und nichts zu machen, das mich nicht glücklich macht. Ich bleibe mir selbst treu." Das habe ihn in der Branche vielleicht zu einem Außenseiter gemacht, aber er könne morgens problemlos in den Spiegel gucken.

Das klingt nach Charakterstärke. Nach einem Mann mit Überzeugung. Und ja, gefestigte Einstellungen können bei der Karriereplanung tatsächlich hinderlich sein. Sie machen einen Künstler weniger flexibel und deutlich weniger anpassungsfähig - doch genau das ist es, was die echten, authentischen Stars auszeichnet: Ein scharf umrissenes Profil.

Er bleibt sich treu: Justin Moore

Eine Persönlichkeit, die - neben dem nötigen Talent - im Falle von Justin Moore auch auf einen starken Willen fußt. Er war gerade mal 18, als er Poyen, ein 300-Seelen-Kaff in Arkansas, verließ, um es in Nashville als Country-Sänger zu versuchen. Gemeinsam mit Songschreiber Jeremy Stover, bis heute sein kreativer Counterpart, weckte er bereits in den frühen 2000er Jahren das Interesse von Top-Produzent Keith Steigall (Alan Jackson). Dennoch dauerte es bis zum Jahr 2009 für sein gleichnamiges Debüt - das aber wie die sprichwörtliche Bombe in der Music Row einschlug: Platz drei in den Country- und, das war noch erstaunlicher, Platz zehn in den amerikanischen Pop-Charts. A Star was born...

Und Justin Moore blieb ein Star. Zumindest über einen langen Zeitraum hinweg. "Outlaws Like Me" (2011), "Off The Beaten Path" (2013), "Kinda Don't Care" (2016) landeten jeweils auf Platz eins in der Country-Bestenliste und allesamt in den Top Five der Pop-Charts. Das 2019 erschienene "Late Nights and Longnecks" deutete dezent einen Sinkflug mit dem zweiten Platz in der Country- und dem 22. Rang in der Pop-Liste an; das 2021 veröffentlichte "Straight Outta The Country" enttäuschte mit Platz 38 in der Country-Hitparade. Nun, das muss für die ehemalige Sports-Kanone eine Enttäuschung gewesen sein. Seine Aussagen über "Spielchen spielen" und "sich treu bleiben" dürften hier ihren Ursprung haben - und klingen damit aber auch leicht beleidigt.

Doch eine beleidigte Leberwurst hat es noch nie besonders weit gebracht. Das weiß sicher auch Justin Moore und deshalb verkneift er sich bei den lediglich acht Songs von "Stray Dog" auch jede weinerliche, selbstmitleidige Note. Ganz im Gegenteil. Er trumpft auf. Er rockt, er zelebriert das Country-Feeling. Er serviert Songs, die für einen Ride auf dem Highway wie gemacht sind und die gelegentlich der würzige Duft eines Bourbons umweht.

Robust, ehrlich und ohne Schnickschnack: die acht Songs von "Stray Dog"

Für den Einstand, dem grundsoliden Country-Rocker "Everybody Get Along", hat er sich mit Riley Green gleich mal Verstärkung ins Studio geholt. Die beiden geben in der Moore-David Lee Murphy-Jeremy Stover-Komposition ein köstliches Doppel ab. Inhaltlich servieren sie die üblichen Klischees, aber: herzerfrischend aufbereitet! Ein Opener, der Lust auf mehr macht. Auf Tracks wie beispielsweise das in der Strophe mehr im Pop angesiedelte, im Refrain aber wieder ganz im Country-Rock verortete "That Wasn't Jake", das sehnsüchtige, mit Southern-Rock-Anleihen versüßte "With a Woman You Love" oder das gefühlvolle, mit hochprozentigem Country-Stoff betankte "Better Slow" (Co-Autor u.a. Randy Montana).

So beherzt geht es auch in die zweite CD-Hälfte. Der Titeltrack bedient erneut klassische Country-Rock-Schlüsselreize, "Country On It" gefällt als partytaugliche Hymne, "You Me And Whiskey" als etwas düsterer Drinkin'-Liebeskummer-Song (mit Priscilla Block als Duett-Partnerin) und beim finalen, von Casey Beathard mitkomponierten, fast fünfeinhalbminütigen "Get Rich or Drunk Trying" umreißt der 39-Jährige seine klare Lebensphilosophie: hop oder top. Ein bärenstarker CD-Rausschmeißer mit reichlich Platz für solistische Meisterleistungen seiner Mitmusiker. Ein Merkmal, das früher Standard war und heute nur noch gelegentlich eingestreut wird. Leider.

Fazit: Justin Moore gibt den streunenden Hund: "Stray Dog" bietet (leider) nur acht herzerfrischend schnörkellose Country-Rock-Songs. So retro wie überzeugend.

Label: The Valory Music Co. (Universal) VÖ: 5. Mai 2023
Disk 1
01 Everybody Get Along (mit Riley Green)
02 That Wasn't Jack
03 With a Woman You Love
04 Better Slow
05 Stray Dogs
06 Country on It
07 You, Me, and Whiskey (mit Priscilla Block)
08 Get Rich or Drunk Trying
vgw
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