Justin Moore - Live at the Ryman

CD Cover: Justin Moore - Live at the Ryman

Justin Moore präsentiert den 2018 aufgezeichneten Mitschnitt "Live at the Ryman".

Vor zwei Jahren war Justin Moore das erste Mal als Headliner in Nashvilles ehrwürdigem Ryman zu Gast. Die ehemalige Kirche im Herzen der Music City USA verfügt über eine exzellente Raumakustik. Wohl auch deshalb ließ der aus Arkansas stammende Country-Rocker mit dem Outlaw-Image die Bandmaschine mitlaufen. Man weiß ja nie. Eine schöne Erinnerung an diesen besonderen Auftritt ist das allemal - und nach ausgiebigem Touren waren Band und Frontman in bestechender Form. Trotzdem hat Moore das Ton-Dokument erst mal wieder vergessen...

Tja, und so hat der Coronavirus doch immer auch etwas Gutes. Denn "Live at the Ryman" ist tatsächlich ein Album geworden, das sich die Veröffentlichung allemal verdient. Der Sound ist druckvoll, superb ausgewogen; die Band spielt wie aus einem Guss, hingebungsvoll und trotzdem zu Jederzeit diszipliniert. Und Justin Moore? Der genießt die Show im Country-Tempel hörbar zu jeder Sekunde. Er ist zu Späßen aufgelegt, kommuniziert launig mit seinem Publikum (das textsicher jede Zeile seiner Songs auswendig kennt) und er beweist, dass er das Zeug zum Top-Star hat: Er ist zu jederzeit Dreh- und Angelpunkt des Spektakels.

Justin Moore nutzt die auftrittslose Zeit perfekt

Ein Spektakel und Hit-Feuerwerk, in dessen Verlauf er natürlich alle seine Song-Volltreffer abfeuert. Das sind mittlerweile eine ganze Reihe, seit der heute 36-Jährige im Jahr 2009 mit seinem gleichnamigen Debüt-Album die Country-Bühne betrat. Er hat das breitbeinig gemacht. Sogar etwas großspurig: "I Could Kick Your Ass" hieß seine erste Single-Auskopplung. Für einen Newcomer ist das freilich gewagt, aber es war auch eine Ansage: Hallo, Leute, hier bin ich! Nun, die Rechnung ist, wie sich gezeigt hat, nicht aufgegangen. Die Single floppte phänomenal, was Moore nicht daran hindert, den Track jetzt beim "Live at the Ryman"-Konzert wieder zu präsentieren: Als letzten Song des Sets, vor der Zugabe "Point at You". Und was soll man sagen: Die Menschen im Ryman lieben heute den Song. Sie singen mit, klatschen frenetisch Beifall und sie amüsieren sich heute über diesen Flegel, der - wenn es sein musst - dem einen oder anderen schon mal in den Allerwertesten tritt.

Eine ganze Reihe von Single-Hits, drei Alben, die jeweils auf Platz eins der Country-Charts (und dazu in den Top-Fünf der Pop-Bestenliste) landeten und eine stattliche Anzahl begehrter Preise und Awards haben aus dem kecken Neuling einen arrivierten Entertainment-Star gemacht. Verdientermaßen muss man sagen. So souverän und stimmgewaltig wie Justin Moore hier seine exzellente Backing-Band durch die 17 Tracks seine Best-Of seiner ersten vier Alben führt - Album Nummer fünf, "Late Night And Longnecks" kam erst 2019 und damit nach der Ryman-Show heraus - ist aller Ehren wert und Beleg seiner Klasse.

Mit "Hank It" aus seinem ersten Album steigt er in die Show ein. Ein ruhiger, erdiger, mit Honky-Tonk-Feeling ausgestatteter Country-Song. Ein Titel ohne großen Schnick-Schnack, ohne hochtrabende Ansprüche, dafür aber mit diesem besonderen Gefühl für die Roots-Musik. Dass er gleich mit dem Auftakt an Country-Übervater Hank Williams erinnert, ist natürlich kein Zufall, sondern klare Ansage und dazu eine Respekterweisung vor den Wurzeln des Genres. Davon entfernt er sich ohnehin nur immer in Nuancen. Sowohl auf seinen Alben, als auch bei diesem Live-Mitschnitt.

Wenn Live Life ist, dann ist "Live at the Ryman" ein Lebenselixier

Als hemdsärmeliger Typ mit übergroßem Selbstbewusstsein ist er natürlich der Richtige für knalligen Country-Rock. Den serviert er ausgiebig und gekonnt - in Kracher wie dem wuchtigen, bluesig dahinrollenden "Kinda Don't Care" (hier erinnert er an Travis Tritt), im flotten "Bait a Hook", dem düsteren, mit einem synkopierten Groove angelegten "Somebody Else Will", im köstlich getexteten "You Look Like I Need A Drink" oder beim trägen Country-Blues "Country State of Mind" - bei dem er Chris Janson als Gaststar und Duett-Partner begrüßt. Nicht schlecht dieser zweier. Das gilt natürlich für "I Ain't Living Long Like This": Beim Waylon Jennings-Klassiker teilt sich Moore das Mikro mit David Lee Murphy und - damit hat es sich dann auch mit den Special-Guests - beim nachfolgenden Honky-Tonk "Honey (Open That Door") machen ihm Bluegrass-Legende Ricky Skaggs und The Whites die Ehre. Tja, man wäre bei dem Abend gerne dabei gewesen…

Dass Justin Moore nicht nur Country-Rock und -Blues drauf hat, zeigt er im Verlauf der Show in ruhigeren und balladesken Songs. In Titel wie "Flyin' Down A Back Road", "Bed of my Chevy" (beide von seinem zweiten Album "Outlaws Like Me") und natürlich, der Mann ist überzeugter Patriot, im Liebesbekenntnis an seine Heimat: "Small Town USA". Hier ziehen Moore und Band alle Register: zweistimmiges Gitarrensolo, Pathos satt und gesanglich wächst der drahtige Kerl über sich hinaus.

Fazit: Wer unter Konzert-Entzugserscheinungen leidet, kann sich "Live at the Ryman" trösten: Justin Moore präsentiert in blendender Form alle seine Hits - plus drei Stargäste. Stimmt schon: Live is Life.

Label: The Valory Music Co. (Universal) VÖ: 25. September 2020
01 Hank It
02 Backwoods
03 Flyin’ Down a Back Road
04 You Look Like I Need A Drink
05 Somebody Else Will
06 Bait A Hook
07 Kinda Don't Care
08 Til My Last Day
09 If Heaven Wasn't So Far Away
10 Lettin' The Night Roll
11 Bed of my Chevy
12 Country State of Mind (mit Chris Janson)
13 I Ain't Living Long Like This (mit David Lee Murphy)
14 Honey (Open That Door) (mit Ricky Skaggs and The Whites)
15 Small Town USA
16 I Could Kick Your Ass
17 Point At You
vgw
Anmelden
Weitere Musik von und mit Justin Moore
Billboard Jahres End Charts 2020: Country-Songs
Jahres End Charts
Das Konzept der Country Music Association (CMA), Frauen mehr in den Vordergrund zu puschen, scheint 2020 aufzugehen. Den erfolgreichsten Song in diesem Jahr kann Newcomerin Gabby Barrett für sich...
Billboard Jahres End Charts 2020: Country-Künstler
Jahres End Charts
Bei den Erfolgen, die Luke Combs in diesem Jahr feiern konnte, ist es kein Wunder, dass er auch der erfolgreichste Country-Künstler des Jahres 2020 ist. Bereits 2019 war er der erfolgreichste Country-...
Billboard Jahres End Charts 2019: Country-Songs
Jahres End Charts
Der erfolgreichste Country-Song ist "Whiskey Glasses" von Morgan Wallen. Während andere Songs sich länger auf Platz 1 der Billboard Hot Country Songs halten konnte, hat sich "Whiskey Glasses" länger...
Billboard Jahres End Charts 2019: Country-Künstler
Jahres End Charts
Bei den Erfolgen, die Luke Combs in diesem Jahr feiern konnte, ist es kein Wunder, dass er auch der erfolgreichste Country-Künstler des Jahres 2019. Dies sind die Jahres End-Charts, die Luke Combs...
Billboard Jahres End Charts 2018: Country-Songs
Jahres End Charts
49 Wochen, also fast ein ganzes Jahr, standen Bebe Rexha und Florida Georgia Line mit "Meant to Be" an der Spitze der Billboard Hot Country Songs Charts und haben damit einen neuen Rekord aufgestellt...
Billboard Jahres End Charts 2017: Country-Künstler
Jahres End Charts
2016 führte Chris Stapleton die Billboard Jahres End Charts 2016: Country-Künstler an. Wird er in diesem Jahr der erfolgreichste Country-Künstler sein? Nein, durch seine Rekorde in den Billboard Hot...
Billboard Jahres End Charts 2017: Country-Songs
Jahres End Charts
Wenn ein Künstler, wie Sam Hunt, einen Rekord nach dem anderen aufstellt und mittlerweile die erfolgreichste Single aller Zeiten in den Billboard Hot Country Songs Charts hatte, dann ist es klar dass...
Billboard Jahres End Charts 2016: Country-Alben
Jahres End Charts
Hatte irgendjemand wirklich Zweifel, dass das erfolgreichste Country-Album 2016 "Traveller" von Chris Stapleton sein würde? Kurz nach seinem Auftritt bei den CMA Awards 2015, im November 2015, setzte...
Aus BMLG Records wird Nashville Harbor Records & Entertainment​
Aktuelle Nachrichten
Das Label der Big Machine Label Group, BMLG Records, wird in Nashville Harbor Records & Entertainment umbenannt. Ursprünglich als Joint Venture im Jahr 2009 unter dem Namen Republic Nashville...
Justin Moore - This is my Dirt
Kolumnen & Reportagen
Justin Moores aktuelle Single "This Is My Dirt" ist eine dreieinhalbminütige musikalische Entwicklung. Es beginnt mit akustischen Gitarren, die mit dem Finger gepickt werden, als Quasi-Folk-Song,...