Brantley Gilbert - Just As I Am

CD Cover: Brantley Gilbert - Just As I Am

Spätestens seit seinem mit Platin ausgezeichneten zweiten Album "Halfway to Heaven" wird Brantley Gilbert als der nächste große Stern am Country-Rock-Himmel gehandelt. Der Grund: Gilberts letzter Longplayer ging in den USA über eine Millionen Mal über die Ladentheke, gleichzeitig stammen Hits wie Country-Star Jason Aldeans "My Kinda Party" and "Dirt Road Anthem" aus der Feder des 29-Jährigen. Wenig verwunderlich also, dass Gilberts drittes, 13 Titel umfassendes Werk mit Spannung erwartet wurde. "Just As I Am" soll die bisherige Bilanz noch weiter verbessern - wobei die Käufer mit Country gar nichts mehr am Hut haben müssen. Dafür könnte auch Dann Huff verantwortlich sein. Der Studiomusiker, der in der Vergangenheit unter anderem für Michael Jackson, Kenny Rogers und Reba McEntire im Studio stand, ist auch als Produzent aktiv. Huff war in seiner langen Karriere unter anderem für den Sound von hartgesottenen Bands wie den Metal Superstars Megadeth zuständig.

Wie auf seinen Vorgänger-Alben steht Anno 2014, mehr oder weniger, für lupenreinen Mainstream-Rock. OK, hier und da zirpt eine Dobro, wimmert eine Steel Guitar oder klimpert ein Banjo. Doch letztendlich sind diese Zugeständnisse an das Country-Genre bestenfalls noch Klangtupfer. Pretiosen, die man gerne zur Kenntnis nimmt, die aber Randerscheinungen bleiben. Titel wie "If You Want A Bad Boy", "My Baby's Guns N' Roses", "Lights of My Hometown" rocken stramm und erinnern in ihrer Machart an Bon Jovi. Dieser Vergleich mit den amerikanischen Mainstream-Rockern drängt sich noch bei weiteren Titeln auf. Sogar wenn es wie bei "Let It Ride" in mollgefärbte Balladen-Gefilde geht, glaubt man Jon Bon Jovi, Richie & Co zu hören.

Wie Bon Jovi hat auch Brantley Gilbert eine Ader fürs Pathetische, fürs Bombastische. Was darunter zu verstehen ist, lässt sich beim finalen "My Faith In You" nachprüfen: über fünf Minuten schwerblütiger, irgendwie natürlich auch braver Mainstream-Rock, langes Gitarren-Solo inklusive.

Das ist alles nicht schlecht. Aber eben auch nicht überragend. Vor allem, weil den Songs das bestimmte Etwas, die berührende Hookline fehlt. Das gilt vor allem für "17 Again", bei dem Rhett Akins mitgeschrieben hat. Besser fällt da schon das melodiöse, im Balladenfach angesiedelte "Bottoms Up" aus, bei dem Songwriter-Ass Brett James mitwirkte. Als erste Singleauskopplung des Albums wurde der Track allein in den USA über eine Millionen Mal verkauft. Für weitere Pluspunkte im meist zu beliebigen Songreigen sorgen das von Brett James mitkomponierte und dann doch noch im Country-Rock verortete "I’m Gone" und das forsche, mit Justin Moore und Thomas Rhett eingesungene "Small Town Throwdown". Hier erinnern die drei Schwiergermütter-Träume immerhin an Bon Jovis rabiatere Kollegen von Aerosmith.

Fazit: Brantley Gilbert folgt der Blaupause für modernen Country-Erfolg, klanglich spult er in den Rock der 80er Jahre. Die Folge: zu viel Bon Jovi, zu wenig Country-Rock.

Label: Valory (Universal) VÖ: 30. Mai 2014
01 If You Want A Bad Boy
02 17 Again
03 Bottoms Up
04 That Was Us
05 I'm Gone
06 My Baby's Guns N' Roses
07 Lights of My Hometown
08 One Hell of An Amen
09 Small Town Throwdown (mit Justin Morre & Thomas Rhett)
10 Let It Ride
11 My Faith In You

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