Badland

Badland

"Badland" - Country-Sänger Trace Adkins in einer weiteren Schurkenrolle

Manchmal braucht es nur eine erste starke Szene, um ein Publikum so in den Bann zu schlagen, damit es sich auch den Rest des Films nicht entgehen lassen will. Eine Herangehensweise, die auch US-Regisseur Justin Lee ("Vergeltung") für seinen bereits 2019 gedrehten Western "Badland" nutzt, wenn er seinen Helden gleich zu Beginn in eine brisante Situation um Leben und Tod reiten lässt. In einem Western kann das nur auf ein Schießduell hinauslaufen, und dem kühnen Helden muss ein ebenso hartgesottener Schurke gegenübergestellt werden.

Filmplakat: Badlands

Der Held ist in diesem Fall ein Kopfgeldjäger, gespielt von dem relativ unbekannten Kevin Makely ("Young Rock"), sein Gegner indes wird von Country-Sänger verkörpert. Justin Lee war von dessen kurzen, aber dominanten Auftritt in "Badland" dann doch so begeistert, dass er Adkins anschließend auch noch für seinen nächsten Western "Apache Junction - Stadt der Gesetzlosen" (2021) in einer größeren Rolle verpflichtete.

Verbrecherjagd nach dem Bürgerkrieg

Ein Jahrzehnt nach dem Bürgerkrieg gehört Benjamin Burke (Tony Todd) zu den ersten afroamerikanischen Senatoren. Er beauftragt Matthias Breecher (Kevin Makely), drei der ärgsten Kriegsverbrecher der Konföderierten ausfindig zu machen und das Todesurteil sofort zu vollstrecken.

So reitet Breecher durch die Wildnis und stößt als erstes auf den sogenannten General (Trace Adkins), der sich den Strick natürlich nicht freiwillig um den Hals legen lassen will. Seinem Vollstrecker stellt er sich nicht allein gegenüber. Doch Breecher ist schneller und knallt den General und seine Gefolgsleute gnadenlos ab. Seine zweite Spur führt ihn zu Reginald Cooke () - ein alter, sterbenskranker Mann, der von seiner Tochter Sarah (Mira Sorvino) gepflegt wird. Breecher weigert sich, ihn zu hängen, will aber so lange auf der Farm bleiben, bis Cooke eines natürlichen Todes stirbt. Sarah und er kommen sich dabei näher, doch sein Auftrag ist noch nicht vorbei. Auf seiner Liste steht noch Huxley Wainwright (Jeff Fahey), mittlerweile Sheriff einer kleinen Stadt, die von ihm terrorisiert wird. Diesmal ist aber zunächst Breecher der Unterlegene.

"Badland" - Schmutziger Western mit weißer Weste

Lee Justin ist mit "Badland" ein recht stimmungsvoller Western gelungen. Schon der Titel lässt verlauten, dass wir es hier garantiert nicht mit einem Edelwestern zu tun haben. Es herrscht eine melancholische Grundstimmung vor rauer Wild-West-Kulisse und mit düsteren Kerlen.

Einziger Lichtblick scheint Kevin Makely als grundanständiger Vertreter des Gesetzes zu sein, der aber gleichzeitig wie ein Fremdkörper in dieser glanzlosen Welt wirkt. Mitunter ist seine Weste sogar so weiß, dass er eindimensional bleibt. Erotik kommt zustande, wenn er von Sarah eingeladen wird, in die Badewanne zu steigen. Sie säubert ihn mit dem Waschlappen, ein Kuss darf sein, mehr aber dann nicht. Ein Dilemma für jeden Schauspieler, der den Helden mimen muss. Weshalb die meisten dann auch den Schurken bevorzugen, der einfach vielmehr auftrumpfen darf. In "Badland" sind es gleich drei. Wobei Tryce Adkins als General eigentlich viel zu schnell ausgeschaltet wird, Hollywoodlegende Bruce Dern ("Die Cowboys") mit seinen 86 Jahren Einsicht zeigt und damit zahnlos bleibt, sodass dann nur noch Jeff Fahey ("Wyatt Earp") übrigbleibt, der letztlich alle Widerwärtigkeiten ausspielen darf, wenn er Prostituierte erschießt und Breecher in die Zange nimmt.

Nur ein Kurzauftritt für Trace Adkins

Nach Kevin Makely und Bruce Dern wird an dritter Stelle aber nicht Jeff Fahey genannt, sondern Trace Adkins. Das ist dann doch der größere Name, obwohl Adkins schon nach sieben Minuten aus dem Film scheidet. Aber der Star der Country Music hat sich längst einen Namen als Schauspieler gemacht, spielte auch schon Hauptrollen ("Stagecoach: The Texas Jack Story") und hat mittlerweile das richtige Alter und auch die passende Leibesfülle, um vermehrt als Bösewicht gecastet zu werden.

Der 62-Jährige weiß auch in "Badland" worauf es ankommt und nutzt die wenigen Minuten seines Auftritts, um Eindruck zu hinterlassen.

Sein General ist ein rüder Zeitgenosse, der lieber Waffen statt Worte sprechen lässt. Das Zusammentreffen mit Kevin Makely beginnt trotzdem erst einmal mit einer deftigen Dialogszene mit Drohgebärden. Adkins wirkt mit seiner Augenklappe (gewiss als Referenz an John Wayne in "Der Marshal" gedacht) ziemlich bedrohlich, wenn er aus dem Schatten tritt und sein Gegenüber damit einschüchtern will, dass dieser gleich die Würmer kennenlernen wird. Stattdessen ist er es, der im nächsten Augenblick ins Gras beißt. Des Kriegsverbrechens angeklagt, wird im Film aber nie geklärt, welche Gräueltaten tatsächlich begangen worden sind. Das ist schade, weil es dem Film eine weitere Dimension hätte geben können. So aber bleiben die Schurken dann doch nur Abziehbilder in einem etwas klischeehaften Western.

Fazit: Hierzulande erlebte "Badland" mit zweijähriger Verspätung erst 2021 seine DVD-, Blu-ray- und VoD-Premiere. Auch wenn der Western erzählerisch vorhersehbar ist, wird eine düstere Stimmung geschaffen, die Lust macht, bis zum Schluss dranzubleiben.

 
Regie     Darsteller   Rolle  
Justin Lee     Kevin Makely ... Mathias Breecher  
      Trace Adkins ... General Corbin Dandridge  
      Mira Sorvino ... Sarah Cooke  
      Bruce Dern ... Reginald Cooke  
      Matthew James McCarthy ... Big John  
      Jeff Fahey ... Huxley Wainwright  
Original-Titel: Badland
Studio: Papa Octopus / Construction Film (Lighthouse)
Land: USA 2019
FSK: frei ab 16 Jahre
Laufzeit: 114 Minuten
Kino: ./.
DVD/Blu-ray: 27. August 2021
Stream: 27. August 2021
Free-TV: ./.
Anmelden