Lindsay Ell - Heart Theory

CD Cover: Lindsay Ell - Heart Theory

Es geht ums Herz und ins Herz: "Heart Theory", das zweite Album von Lindsay Ell.

Kaum eine andere Künstlerin hat in den letzten Jahren für mehr Aufsehen in und um Nashville gesorgt, als die aus dem kanadischen Calgary stammende Lindsay Ell. Sie ist hochtalentiert, musikalisch vielfältig und dazu inhaltlich anspruchsvoll. Dazu kommt, dass sie auch stimmlich unwiderstehlich ist, wie die zwei aktuellen ACM-Awards-Nominierungen "New Female Artist of the Year" und "Vocal Event of the Year" belegen.

Mit 15 Jahren wurde sie von Rockstar Randy Bachmann entdeckt, für das "Forbes"-Magazin ist sie "eine der aufregendsten und talentiertesten jungen Künstlerinnen" und Top-Stars wie Keith Urban, Brad Paisley, The Band Perry und Blues-Legende Buddy Guy nahmen sie mit auf Tour. Obwohl auch im Rock und Pop bewandert, schlägt das Herz der 31-Jährigen vor allem für Country, aber natürlich nicht ausschließlich. Und natürlich für die zeitgemäße Auslegung des traditionsreichen Genres.

Lindsay Ell - das Country-Ausnahmetalent aus Kanada

Mit ihrem ersten, wie es so schön heißt, "Full-Length-Album" "The Project" aus dem Jahr 2017 eroberte die zierliche Künstlerin auf Anhieb die Country-Charts. Für das Branchenblatt "Billboard" war es gleich mal das beste Country-Album des Jahres. Geht’s besser? Wohl kaum. Doch eine Musikerin wie Lindsay Ell wird man damit langfristig nicht zufriedenstellen können. Sie ist so anspruchsvoll wie kreativ und ehrgeizig. Die Messlatte dürfte sie für "Heart Theory" deshalb wohl noch um ein Stück weiter nach oben gelegt haben - und: sie wird sie nehmen, davon darf man ausgehen.

Auch wenn Konzept-Alben seit "Tommy" von The Who eigentlich eher aus der Mode geraten sind. Im Gegensatz zur bombastischen Rock-Oper Jahrgang 1969 wird hier aber nicht die eine große Geschichte erzählt. Die zwölf Songs von "Heart Theory" sind autark, bauen nicht zwangsweise aufeinander auf, sondern stehen für sich - und haben dennoch eine gemeinsame Klammer. Es geht um Trauer. Genauer gesagt, um die sieben Phasen der Trauer. Gemäß der "Heart Theory" von Lindsay Ell heißen sie Schock, Leugnung, Wut, Verhandeln, Depression, Austesten und Akzeptanz. "Ich hoffe, dieses Album kann ein Trost sein, wenn man ihn braucht", sagt Ell über ihre neue CD. Sowohl die Covergestaltung mit den jeweiligen Farben der Trauerstufen sowie die vermeintlich zufällige Klein- und Großschreibung der Tracks ist dem Gesamtkonzept der CD unterworfen. Ambitioniert? Aber Hallo!

Zu dem ehrgeizigen Vorhaben passt auch Meister-Produzent Dann Huff. Mit dem Perfektionisten bildete Ell, so heißt es, ein großartig harmonierendes Team. Auf Grund der Corona-Pandemie musste die Zusammenarbeit allerdings räumlich getrennt vollendet werden, was heutzutage keine technische Herausforderung mehr ist.

"Heart Theory" lässt Country-Herzen höher schlagen

Mit "Hits me" und damit mit der Beschreibung der Schock-Phase steigt Lindsay Ell in "Heart Theory" ein. Ein perfekter Opener, ein perfekter Country-Pop-Song. Keine Frage, so lässt man sich den Schock-Zustand gerne gefallen. Aus ähnlichem Noten-Holz ist auch das nachfolgende "how good" geschnitzt. Mit dem anschließenden Song-Trio "i don't lovE you", "wAnt me back" und "get oveR you" schaltet Ell zwei Gänge zurück, um balladeske Country-Pop-Töne anzuschlagen. Für instrumentale Highlights sorgt immer wieder Produzent Dann Huff mit eleganten Gitarren-Fills und Soli.

Im Mittelteil der CD behandelt sie die Themen "wrong girl" und "body language of a breakup" - flotte, rockige Tracks, bei denen sie vor allem für die Refrains grandiose Melodiebögen gefunden hat. Trotzdem: Das Filet-Stück der CD bilden "good on you" und "The oTHEr side" - zwei nostalgische Songs, die in ihrer klassischen Machart glatt an Songwriter-Genie Burt Bacharach erinnern. Vor allem das so soulige wie anspruchsvolle "The oTHEr side" ist mit exzellenten Harmonie-Einfällen bestückt und belegt damit eindrucksvoll die Meisterschaft der Künstlerin.

Verglichen damit fallen die nachfolgenden Songs "gO to" und "make you" etwas ab, obwohl sie immer noch Country-Pop der Premium-Klasse bieten. Das gilt natürlich auch für den Abschluss der Exkursion in die Herzens-Theorie "ReadY to love". In dem Song, den sie gemeinsam mit Jessie Jo Dillon, Joey Hyde und Matt McGinn schrieb, beschreibt sie schließlich den Zustand der "Akzeptanz". Motto: Das Herz mag gebrochen sein - doch die heilenden Kräfte haben vieles bewirkt. So viel, dass sie wieder bereit für eine neue Liebe ist…

Fazit: So lässt man sich eine Therapie gerne gefallen: Mit den zwölf Songs von "Heart Theory" beschreibt Lindsay Ell großartig die verschiedenen Phasen der Trauer – und findet dafür perfekte Country-Pop-Melodien.

Label: Stoney Creek / BMG (Warner) VÖ: 14. August 2020
01 Hits me
02 how good
03 i don't lovE you
04 wAnt me back
05 get oveR you
06 wrong girl
07 body language of a breakup
08 good on you
09 The oTHEr side
10 gO to
11 make you
12 ReadY to love

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