Chris Young - I'm Comin' Over

CD Cover: Chris Young - I'm Coming Over

Während seiner Europa-Tour im September 2015, im Rahmen welcher Chris Young auch die gleichnamige Single dieses nun erscheinenden Albums vorstellte, machte der smarte Country-Sänger klar, dass er längst nicht mehr nur "irgendwer" aus Nashville ist, sondern hohe Maßstäbe setzt. Seinem eigenen Stil, den sein Publikum in den Konzerten liebt - modern, smoothy, etwas romantisch und leicht soft-rockig - bleibt er treu. Allerdings hat er sich diesmal noch ein weiteres Stück von Country Music entfernt. "Hat er dies nicht ohnehin?", werden die Kritiker fragen. Vermutlich, doch wird dies nun auf seinem fünften Studioalbum richtig bewusst.

Wie in einem Interview mitteilte, setzte er wie schon zuvor, wieder auf einen hohen Anteil an Liebesliedern. Für ihn ein verlässliches Mittel, das bei den Leuten ankommt. Etwas flotter geht es bei "You Do The Talkin'" und richtig rockig bei "Underdogs" zu.

Mit Co-Produzent Corey Crowder schien er den richtigen Mann an seiner Seite zu haben. Mit ihm "fummelte" Chris Young bis zum Ende an jeder einzelnen Note, bis beide mit dem Endergebnis hundertprozentig zufrieden waren. Gemeinsam (plus Josh Hoge) schrieben sie auch die Single "I'm Coming Over", die sich direkt in die Top 20 der Billboard Charts platzierte und somit sein bisher schnellster Charteinstieg in die Top 20 ist. Herzschmerz, leicht autobiographisch, wie Chris Young zugibt, ein wirklich einfach wunderschöner Song, in dem sich wohl viele wiedererkennen.

Erstmals entschied sich Chris Young auch für ein Duett mit einer weiblichen Kollegin. Mit Cassadee Pope, die er für eine wunderbare Sängerin hält, nahm er "Think of You" auf, die Geschichte einer Beziehung aus Sicht eines Paares und seiner Umwelt, verpackt in einen etwas anstrengendes, leicht überladen wirkendes Ansingen beider Stimmen.

Eine andere Größe der Country Music, die Chris Young als Co-Musiker gewinnen konnte (für den Song "Sober Saturday Night"), ist Vince Gill. Dass ausgerechnet dieser Künstler, den er selbst immer verehrte, der der erste gewesen sei, dessen Konzert er selbst als Fan besucht hatte, ihm diese Ehre erweisen würde, zeigt den Stellenwert, den der 30-jährige mittlerweile genießt. Dennoch ist auch hier selbst unter Berücksichtigung der Unterstützung eines Weltklassemusikers und der Übereinstimmung beider Harmonien das Endergebnis keine übermäßige Aufmerksamkeit wert.

Fast schon zum Standard eines jeden Sängers gehört anscheinend mittlerweile ein Sommer-Spaß-Song, bei dem man zwangsweise irgendwelche Bikini-Girls, junge Männer oben ohne mit Six Pack und Bierdose in der Hand feiernd auf einem Boot im Kopf hat. Video gibt es zu "Sunshine Overtime" (noch) keins, vermutlich wäre es aber wohl auf dieser Grundlage basierend gedreht. Zugegeben, das Lied setzt wirklich Sommerlaune frei.

Erstmals ist Chris Young diesmal nicht nur Sänger und Co-Autor, sondern auch Produzent. Das komplette Konzept wurde abgestimmt, die Promo-Tour durch Europa im Vorfeld, das Album sowie die nun startende Tour durch 14 US-Städte liefen bewusst unter dem Namen "I'm Coming Over", um das Werk als Gesamtes zu präsentieren. Chris Young hat die grundlegende Bestandseinheit seiner Musik gefestigt, sie jedoch nicht revolutioniert. War vermutlich auch gar nicht nötig, denn sie ist gut so, wie sie ist.

Fazit: Chris Young hielt definitiv an seinem Format fest und entwickelte ein weiteres Album nach bekanntem Konzept - übertreffen konnte er es nicht.

Label: RCA Nashville (Sony) VÖ: 13. November 2015
01 Heartbeat
02 I'm Comin' Over
03 Think of You (mit Cassadee Pope)
04 You Do the Talkin'
05 I Know a Guy
06 Alone Tonight
07 Sunshine Overtime
08 Sober Saturday Night (mit Vince Gill)
09 Underdogs
10 Callin' My Name
11 What If I Stay

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