Colbie Caillat aktualisiert und entwickelt sich auf ihrem neuen Album "This Time Around" weiter
Im Laufe der Jahre hat sich Colbie Caillat sowohl künstlerisch als auch persönlich weiterentwickelt, indem sie mit verschiedenen Stilen experimentierte (von intimem Folk-Pop bis hin zu ausgefeilterem, radiofreundlichem Pop) und sich in jüngerer Zeit sogar an Country Music wagte, insbesondere seit ihrem Umzug nach Nashville. Ihre Alben, von "Gypsy Heart" bis hin zu "Along the Way", zeigen eine Person, die tiefgründig reflektiert - ohne Scheu, alte Songs mit einem neuen Blickwinkel wieder aufzugreifen oder neue Klänge auszuprobieren. Sie hat Millionen von Platten verkauft, weltweit Milliarden von Streams gesammelt und einen Katalog von Songs aufgebaut, die sowohl persönlich als auch allgemein nachvollziehbar sind. All das macht ihr neues Duett-Album "This Time Around" zu einem Meilenstein: eine Wiedervereinigung mit älteren Werken, die sie geprägt haben, neben neuem Material, das zeigt, wie weit sie gekommen ist.
"The Time Around" bringt einige der größten Stimmen der Country- und Popmusik zusammen
Von Anfang an ist klar, dass "This Time Around" mehr ist als nur eine nostalgische Wiederaufnahme ihres Backkatalogs - es ist eine Neuinterpretation, die zeigt, wie weit sie als Künstlerin gekommen ist, während sie gleichzeitig die Wärme und Zugänglichkeit beibehält, die sie überhaupt erst bekannt gemacht haben. Das Projekt bringt sie mit einigen der größten Stimmen der Country- und Popmusik zusammen, die ihre legendären Hits mit reichhaltigeren Instrumentierungen neu interpretieren und sie fest in einem eher rootsorientierten, countrylastigen Sound verankern. Es ist ein mutiger Schritt, der sich jedoch wunderbar auszahlt, indem er Songs, die wir bereits zu kennen glaubten, neues Leben einhaucht und gleichzeitig neue Titel vorstellt, die ihren Klassikern in nichts nachstehen.
Eines der besten Beispiele für diese Entwicklung ist "Fallin' For You", ursprünglich ein luftiger, akustischer Pop-Liebes-Song aus dem Album "Breakthrough" von 2009. Mit Maren Morris als Partnerin verleiht Caillat dem Track mehr Gewicht, indem sie ihm einen kräftigeren Bass und reichhaltigere Texturen hinzufügt, ohne dabei seinen eingängigen, sonnigen Charme zu verlieren. Morris' Gesang im zweiten Vers bildet einen willkommenen Kontrapunkt, und gemeinsam heben sie den Song von süß und unschuldig zu selbstbewusst und reif. Ebenso findet "Brighter Than the Sun” aus dem Album "All of You" von 2011 mit Walker Hayes einen neuen Ansatzpunkt. Einst eine mit Steel Drum untermalte Strandhymne, pulsiert der Song nun mit Banjo und geerdeten Percussions und wurde zu einem Front-Porch-Singalong umgestaltet, der genauso viel Spaß macht, aber weitaus substanzieller ist.
Die Neuinterpretation ihres Durchbruch-Hits "Bubbly" mit Amos Lee ist ein weiteres Highlight. Was einst eine luftige, fast kindliche Ode an die Verliebtheit war, wirkt nun dank des langsameren Tempos, der Banjo-Akzente und Lees rauer Stimme wärmer und erdiger. Der Song behält seine Fröhlichkeit und romantische Ausstrahlung, trägt aber nun die Last gelebter Erfahrung - erwachsene Anziehungskraft statt unschuldiger Tagträumereien. Ähnlich verhält es sich mit "Realize", das erstmals 2007 auf "Coco" zu hören war und in der Duett-Version mit Mitchell Tenpenny eine unermessliche Tiefe gewinnt. E-Gitarren-Licks und ein langsameres Tempo verwandeln es in eine bluesigere Ballade, und Tenpennys Wechselgesang mit Caillat macht diese Version wohl stärker als das Original - gehaltvoller, üppiger und emotionaler.
Caillat greift auch eine ihrer beliebtesten Kollaborationen wieder auf, "Lucky", zusammen mit Jason Mraz. Auch nach fünfzehn Jahren verschmelzen ihre Stimmen noch immer mühelos miteinander, doch die Produktion tendiert diesmal mit mehrschichtigen Fiddle- und Banjo-Klängen eher zur Country Music. So entsteht eine Phil-Spector-artige "Wall of Sound", ohne dass der intime Charme verloren geht, der den Song zeitlos gemacht hat. Im Gegensatz dazu bleibt "Try", ihre Empowerment-Ballade aus dem Jahr 2014 aus "Gypsy Heart", näher am Original, profitiert jedoch von der Mitwirkung von Hillary Scott von Lady A und einem herzschlagartigen elektronischen Drum-Puls. Mit Fiedeln, die den emotionalen Kern unterstreichen, wirkt der Song im Jahr 2025 noch dringlicher, seine Botschaft von Authentizität und Selbstakzeptanz trifft härter denn je.
Das neue Material ist ebenso überzeugend. "Kinda Single", gemeinsam mit Lee Brice geschrieben und mit ihm als Gastmusiker, ist ein cleverer, von Banjo getriebener Midtempo-Track, der Humor und Herzschmerz verbindet. Der Stich kommt im Refrain, in dem Caillat zugibt, dass sie ihren neuen Liebhaber für ihren Ex verlassen würde. Brice spiegelt in seinen Strophen ihre Gefühle wider, wodurch das Duett verspielt und doch bittersüß wirkt. Auf "Live Without" gesellen sich Maddie & Tae zu Caillat für eine raffinierte Country-Pop-Hymne, die gemeinsam mit Liz Rose und Jimmy Robbins geschrieben wurde. Fiddle-Klänge und ein mitreißender Refrain machen den Song zu einem unbestreitbaren Mitsing-Hit, dessen Botschaft - "Es stellt sich heraus, dass du etwas bist, ohne das ich leben kann" - von allen drei Sängerinnen mit Charme und Selbstbewusstsein vorgetragen wird.
Colbie Caillat scheut nicht neue Wege zu gehen
Caillat scheut sich auch nicht, neue Wege zu gehen. Ihr Duett mit Gavin DeGraw auf Post Malones "Circles" verlangsamt den Track und hüllt ihn in Pedal-Steel-Klänge, sodass er eher wie ein verlorener Patsy-Cline-Juwel als wie ein moderner Pop-Hit wirkt. "I Never Told You" aus "Breakthrough" hingegen erhält in seiner neuen Form mit Chris Young eine galoppierende Western-Energie, komplett mit dröhnenden Banjo-Klängen und fiddle-getriebenen Refrains. Es ist eine der radikalsten - und erfolgreichsten - Neuerfindungen auf dem Album, eine kühne Transformation, die den Song so klingen lässt, als wäre er schon immer für die Country-Charts bestimmt gewesen.
Die Kollaborationen setzen sich fort mit Ryan Hurd in "Can't Say No”, einer sanften Country-Ballade, die an die Duette von Brad Paisley und Carrie Underwood aus den frühen 2010er Jahren erinnert, voller Sehnsucht und unwiderstehlichen Harmonien. Dann kommt Russell Dickerson in "If You Love Me Let Me Go", das die elektronischen Laser-Soundeffekte aus seiner Inkarnation in "Gypsy Heart” gegen ein warmes, weitläufiges Pop-Country-Arrangement eintauscht. Dickersons charakteristische Energie belebt den Refrain und verleiht dem Song eine frische Dringlichkeit, während er gleichzeitig seinen bittersüßen Kern behält. Beide Songs fügen sich nahtlos in die Mischung aus überarbeiteten Klassikern und frischen Originalsongs des Albums ein und zeigen Caillats Anpassungsfähigkeit in der Zusammenarbeit.
Fazit: Bei "This Time Around" wird klar, dass Colbie Caillat etwas Seltenes erreicht hat: Sie hat ihre Vergangenheit gewürdigt, ohne sich davon einschränken zu lassen. Jeder neu interpretierte Titel gewinnt an Gewicht und Tiefe, während das Originalmaterial beweist, dass sie noch viele Geschichten zu erzählen hat.









