Dale Watson beweist auf "Unwanted", dass weitehrin der Meister des Hony Tonk ist
Umso verwunderlicher ist es, wie sich Dale Watson gegenüber seinen deutschen Fans verhält. Sein neues Album "Unwanted" hat er unter Ausschluss der Öffentlichkeit hier erhältlich gemacht. Die CD und die Vinyl stehen im Laden und die Songs sind auf den digitalen Plattformen zu hören, aber seine hiesige Plattenfirma hatte keinen Auftrag Promotion für das Album zu machen. Die Frage ist dann, wie sollen die Menschen davon erfahren, dass es das Album gibt. Online-Magazine wie CountryMusicNews.de berichten natürlich darüber, aber genreübergreifende Musikmagazine haben keine Chance.
Das Vorgehen ist verwunderlich, denn wohl niemand in der Geschichte der Country Music hat mehr für das Genre getan als Dale Watson. Er hat es vielleicht nie auf den "Mount Rushmore" der Country-Legenden geschafft oder von Küste zu Küste ausverkaufte Konzerthallen gefüllt. Aber wenn man ihn dort oben auf der Bühne in der örtlichen Honky-Tonk-Bar sieht – mit seiner Tolle, dem hochgeschlagenen Kragen –, wie er wie ein Profi zwischen den Lone-Star-Jingles hin und her wechselt, könnte man schwören, dass er den alten Größen in nichts nachsteht.
Dale Watson ist kein Album- oder Single-Künstler und das war er auch nie wirklich. Das soll nicht heißen, dass er keine großartigen Alben und Songs hätte. Die hat er durchaus. Aber im Four Corners in Untermeitingen oder im Hamburger Nochtspeicher ist Dale Watson in seinem Element. Er ist ein Kind der Honky-Tonks. Genau wie der Unterschied zwischen einem Bären hinter Glas im Zoo und einem Bären in seiner ganzen Pracht in freier Wildbahn ist es ein unvergesslicher Anblick, Dale Watson in einem Honky-Tonk zu erleben.
"Unwanted" ist wie eine Erkundung von Dale Watsons Liebe zu seiner Frau Celine Lee
Zwei der Titel aus seinem neuen Album "Unwanted" verkörpern wirklich die Essenz von Dale Watson, dem Honky-Tonk-Helden. "Don't Let The Honky Tonks Go" ist ein exzellenter Boot-Shuffler und verkörpert Dale Watsons konservativen Geist. Das Gleiche gilt für den Song "Never Mend The Broken Spoke", der dazu bestimmt ist, eine Hymne der Trunkenheit zu werden, die auf der South Lamar in Austin unter diesen niedrigen Decken hoffentlich noch Jahrhunderte lang gesungen wird.
Doch weder diese Honky-Tonk-Songs noch der überaus unterhaltsame, wenn auch ein wenig alberne Titel "Willie Waylon and Whiskey", mit dem das Album beginnt, erzählen wirklich die Geschichte von "Unwanted". Auch wenn es unterwegs einige Umwege gibt, wirkt "Unwanted" doch sehr wie eine Erkundung von Dale Watsons Liebe zu seiner Frau und Mitmusikerin Celine Lee. In den bewegendsten und einprägsamsten Momenten des Albums ist es ihre Liebe, die die Inspiration beflügelt.
"Unwanted" wurde vollständig von Watson selbst geschrieben und produziert. Er legt sein ganzes Herz in einen Song wie "If You Really Love Me (Outlive Me)" und drückt damit aus, was alle wahren Liebenden empfinden. "Just Yesterday" bedient sich einer sehr eigenwilligen, aber letztlich sehr berührenden Form musikalischer Poesie, um zu vermitteln, wie wahre Liebe erst mit der Zeit wächst. Dann hebt "If I Can" die Gefühle mit seinen geisterhaften Anspielungen auf eine ganz andere Ebene. Durch diese Songs und sein Duett mit Celine Lee in "You've Got My Heart" vermittelt Dale Watson die wahre Bedeutung hinter "Liebe ist für immer".
Wie schon das Albumcover vermuten lässt, auf dem Dale, Celine und ihr Hund als Bleistiftskizze zu sehen sind, entfaltet sich "Unwanted" mit einem sehr filmischen Charakter. Tatsächlich gibt es einen Kurzilm mit dem Titel "If You Really Love Me, Outlive Me" unter der Regie von Alejandro Ruax und Saskia d'Altena, der Anfang April in Florida Premiere feierte. Man spürt, wie diese großartige Vision in der Art und Weise, wie sich "Unwanted" entfaltet, zum Leben erwacht. Auch wenn Dale Watson vielleicht nicht als Meister-Songschreiber gilt, brilliert er auf diesem Album wirklich und zeigt in "Life is Like a Song" eine sanftere Seite.
Aber keine Sorge, dieses Album besteht nicht nur aus warmen Umarmungen und sanftem Gurren. Es ist ein Dale-Watson-Album, das heißt, es ist ein Honky-Tonk-Album mit vielen kraftvollen, druckvollen Momenten, von denen vielleicht keiner so kraftvoll ist wie sein "What The Hell Happened to The Cadillac". Obwohl der Song erstmals auf seinem 2023er Album "Starvation Box" (unter einem leicht abgewandelten Titel) erschien, fühlt sich diese neue Version wie die definitive an. Die Botschaft des Songs ist so verdammt wichtig, dass niemand es hinterfragen wird, dass er zweimal darauf zu finden ist.
Fazit: Man bekommt auf "Unwanted" das, was man von Dale Watson erwartet: Ehrliche Musik, die man am besten in einem Honky Tonk und nicht in einem Stadion live erlebt.












