Das neue Charley Crocket Album ist benannt nach seinem Aufnahmeort: Norman Petty Recording Studios in Clovis, New Mexico
Es ist weniger als ein Jahr und drei Alben her, dass Charley Crockett sich mit Joe Rogan zusammensetzte, über seine früheren "miserablen Deals" klagte und begeistert davon erzählte, dass er nun bei einem Major-Label, nämlich Island Records, unter Vertrag stand. Aus dieser Verbindung ging seine "Sagebrush-Trilogie" ("Lonesome Drifter", "Dollar a Day", "Age of the Ram") hervor. Doch er lud "Clovis" an einem beliebigen Dienstag über sein iPhone hoch, um das letzte Album, das erst drei Wochen zuvor erschienen war und sich derzeit noch in der Werbephase befindet, bewusst zu untergraben.
"Jedes Mal, wenn ich merke, dass ich einen Vertrag unterschrieben habe, der mir nicht gefällt, und ich zu diesen verdammten Geschäftsleuten gehe und ihnen sage, dass mir der Vertrag nicht gefällt, dass ich ihn nicht fair finde, sagen sie: 'Pech gehabt, Junge, du hättest ihn verdammt noch mal nicht unterschreiben sollen'", sagt Charley Crockett. "Sobald ich sie an denselben Maßstab halte, bin ich der verdammte Bösewicht".
Das Überraschungsalbum "Clovis" ist nicht nur ein Meilenstein - es ist ein Akt der Rebellion
Wenn man im trockenen Südwesten die Grenze zu New Mexico überquert, gelangt man in die Stadt Clovis. Da findet man auch das Norman Petty Studio, in dem Buddy Holly in den 1950er Jahren all seine größten Songs aufnahm und Waylon Jennings seine ersten Aufnahmen machte.
Geografie ist immer ein wichtiger Bestandteil der Country Music und war schon immer ein wichtiges Element in Charley Crocketts Musik. Er nutzt die Kulisse von Clovis genauso gut oder sogar besser als auf jedem seiner bisherigen Alben. Er versetzt einen direkt in die Stadt, wo man sehen kann, wie der Staub in der Dämmerung und im Morgengrauen den Himmel wie gemalt erscheinen lässt und wo Zeit und Prioritäten ihre Grundstücke und Menschen vergessen haben.
Die Überraschung ist Charley Crockett gelungen
Auf den ersten Blick wirkt "Clovis" wie eine lose Sammlung von Songs, doch bei genauerem Hinhören zeigt sich ein roter Faden, der die Stücke verbindet und auf dem Album findet sich die wohl ehrlichste und persönlichste Sammlung von Songs, die Crockett bisher veröffentlicht hat. Es spielt keine Rolle, dass einige dieser Songtitel auch in alten Western vorkommen, wie "One Eyed Jack" oder "Last Night at the Alamo", denn es ist schwer, nicht zu hören, wie Crockett in Zeilen wie "Er hat nie behauptet, ein Cowboy zu sein, aber er konnte die Lieder sicher singen … Er hat nie gesagt, er sei ein Outlaw, obwohl er es manchmal war. Er war nicht wegen des Geldes dabei, er tat es nur aus Liebe."
"Clovis" bietet zudem einige der stärksten Instrumental- und Songwriting-Leistungen in Crocketts Karriere. Es fühlt sich an wie ein Album, das völlig neu belebt wurde und noch einiges mehr. Man nehme zum Beispiel die sinnlichen Blues-Improvisationen auf "One Eyed Jack", in denen Crockett unzuverlässige Menschen beklagt, die lockeren Retro-Synthesizer auf "Image of a Woman", den barroom-artigen Twang von "Honky Tonk Philosophy" oder den stampfenden Country-Rock von "Eagle and the Crow". Auch die Texte dieser Songs wirken sehr persönlich, als hätte Crockett den Schutzschild seiner Figuren fallen lassen und dem Zuhörer stattdessen einen ungefilterten Einblick in seine Seele gewährt. Es ist die perfekte Verbindung seines tiefen Wissens über amerikanische Musik mit seinem aufrichtigen Herzen.
Fazit: Mit "Clovis" beweist Charley Crockett, dass er nicht nur einer der produktivsten, sondern auch einer der unberechenbarsten und ikonoklastischsten Künstler der Country Music ist.












