Luke Combs legt mit "The Way I am" sein sechstes Studio-Album vor
Wenn Luke Combs eine neue Platte ankündigt, horcht Nashville auf. Der Mann mit der unverwechselbar rauen Stimme und dem bodenständigen Image hat sich binnen weniger Jahre vom aufstrebenden Neo-Traditionalisten zum unumstrittenen Superstar des modernen Country hochgesungen: Fünf Studioalben, zahllose Awards und Rekorde später folgt nun mit "The Way I Am" sein sechstes Werk, produziert einmal mehr von den bewährten Partnern Chip Matthews und Jonathan Singleton.
"The Way I Am" zeigt, dass sich Luke Combs dieses Mal hörbar breiter aufstellt: musikalisch noch reifer, mutiger und zugleich tief verwurzelt in den Sounds, die ihn geprägt haben – dem ehrlichen, staubigen, den Traditionen verbundenen Country-Rock der frühen 1990er Jahre.
Luke Combs schlüpft auf "The Way I Am" in verschiedene Rollen
Bereits die ersten beiden Songs, "Back in the Saddle" und "My Kinda Saturday Night", hinterlassen keinen Zweifel daran, dass Combs auf "The Way I Am" keine Scheu vor Stromgitarren hat. Beide Songs sind kernige Country-Rocker mit bissigen Riffs, die einen an die härteren Songs der frühen Brooks & Dunn oder auch Travis Tritt denken lassen. "Back in the Saddle", geschrieben von Combs, Singleton und Dan Isbell, ist zugleich Single und Statement: Der Mann ist zurück. Und wie! "My Kinda Saturday Night", gemeinsam mit Singleton und Randy Montana verfasst, schließt direkt an – lockerer, bluesiger, aber ebenso druckvoll. Beide Stücke dürften live prächtig zünden. Nicht umsonst steht auch seine kommende Stadiontour unter dem Motto: "My Kinda Saturday Night".
Doch Combs wäre nicht Combs, wenn er sich nur auf die harte Gangart beschränken würde. Schon mit "Days Like These" – einer akustischen, von Brent Cobb und Aaron Raitiere mitgeschriebenen Ballade – drosselt er das Tempo beträchtlich: Ein entspannter, fast hymnischer Song über Dankbarkeit im Alltäglichen. Das Leben im Kleinen feiern, während es doch groß ist – Luke Combs in Reinform.
Danach folgt mit "15 Minutes" eine Klavierballade, deren warme Töne und feinsinniger Text (unter anderem Trey Pendley und Grant Vogel) beweisen, dass Combs' Handschrift auch in stilleren Momenten unverkennbar bleibt. Er braucht kein Pathos, nur eine schlichte Melodie und seine Stimme und schon klingt selbst ein Lied über die Flüchtigkeit von Ruhm und Liebe ehrlich und menschlich.
Mit "Alcohol of Fame" zieht der 34-Jährige wieder alle Register des countryfizierten Gute-Laune-Genres. Der Song verbindet Rock 'n' Roll-Attitüde à la Huey Lewis & The News mit Combs’ typischem Augenzwinkern und dürfte schnell zum Partyhit avancieren. Anders, aber ebenso radiotauglich, klingt "Daytona 499" – eine nostalgische Ballade rund um dröhnende Motoren und verflossene Erinnerungen. Hier zeigt Combs, dass Motorsport und Melancholie sehr wohl zusammenpassen. Eine starke Nummer!
Dann kommt das emotionale Herzstück des Albums: "The Way I Am", die titelgebende Klavierballade aus der Feder von Chris Gelbuda und Rob Snyder. Hier lässt Combs die Rüstung fallen: er bittet um Verständnis, vielleicht sogar um Vergebung, und offenbart eine Verletzlichkeit, die ihm gut zu Gesicht steht. Keine großen Gesten, keine Effekte, nur eine Stimme, ein Piano, ein ehrlicher Sänger, der sich zeigt, "wie er ist".
Ähnlich gut gelingt die Power-Ballade "Wish Upon A Whiskey", in der Combs mit einem großartigen Hook und lyrischen Bildern überzeugt. Hier gelingt ihm das Kunststück "Jack Daniels" und "Jesus" in einem Atemzug zu nennen – das können nicht viele so glaubwürdig singen. Ein starker Song zwischen Verzweiflung und Trost, Barhocker und Beichte. So geht moderner Country-Soul.
"The Way I Am": mutig, vielschichtig, glaubwürdig – Luke Combs pur
Die zweite Albumhälfte überrascht mit mehreren stilistischen Ausflügen. Da wäre etwa "Rethink Some Things", das sich im Grenzgebiet zwischen Heartland-Rock und 80er-Jahre-Mainstream-Rock bewegt, was sich durch dröhnende Synthieflächen und – leider, leider – durch zu komprimierte, fast plastikhafte Drumsounds bemerkbar macht. Mit "Ever Mine" präsentiert Luke Combs nicht nur eine weitere künstlerische Facette. Er setzt mit dem vom ihm gemeinsam mit Hailey Whitters und Charlie Worsham geschriebenen Track auch ein Highlight von "The Way I Am": ein herrlicher Country-Folk, bei dem ihm Bluegrass-Königin Alison Krauss zur Seite steht. Großartig!
Schwächer fällt dagegen das Ende des Albums aus. Hier verfällt das Produzententeam in eine allzu vertraute Dynamik: leise Strophe, lauter Refrain – die altbekannte Nashville-Formel. Songs wie "Can't Tell Me I'm Wrong" und "Miss You Here" (mit starken Melodien, aber vorhersehbarem Aufbau) wirken deshalb auch etwas belanglos.
Fazit: Mit "The Way I Am" gelingt Luke Combs ein seltener Balanceakt: ein Album, das rau und kantig beginnt, dann in emotionale Tiefen taucht, um am Ende wieder den Bogen zur Stadionbühne zu spannen. Mit 22 Tracks dazu opulent bestückt.











