Troy Cartwright - Etc. All the Rest

CD Cover: Troy Cartwright - Etc. All the Rest
 

Der Sänger und Songschreiber Troy Cartwright hat sich still und leise zu einer der faszinierendsten neuen Stimmen Nashvilles entwickelt, indem er Geschichten mit texanischen Wurzeln mit der handwerklichen Perfektion eines erfahrenen Songschreibers verbindet.

Troy Cartwright vereint Nostalgie und Geschichten aus dem Herzen Amerikas auf seiner neuen EP "Etc. All the Rest"

Troy Cartwright wuchs in Dallas auf und begann bereits als Teenager, Songs zu schreiben. Später studierte er Songwriting und Musikbusiness am Berklee College of Music, bevor er schließlich nach Nashville zog, um in die kreative Szene der Stadt einzutauchen. In den letzten zehn Jahren hat er sich stetig einen Ruf für nachdenkliche, melodische Country-Songs aufgebaut, Plattenverträge und Anerkennung von Medien wie Warner Music und Rolling Stone erhalten und Verlagsverträge unterzeichnet, die ihn noch vor der Pandemie in die Riege einer neuen Generation von Songschreibern der Music Row aufnahmen.

Während Cartwright sich als Musiker weiterentwickelt, hat er sich parallel dazu eine beeindruckende Karriere als Songschreiber aufgebaut. Zu seinem Repertoire gehören Titel, die von Künstlern wie Cody Johnson, Nickelback, Ryan Hurd und der Josh Abbott Band aufgenommen wurden und er ist Co-Autor von "Killed The Man", der aktuellen Single von Lee Brice.

Etc. All the Rest skizziert Szenen von Reisen, Liebeskummer und nächtlichen Reflexionen

Mit "Etc. All the Rest" liefert Troy Cartwright eine kompakte, aber emotional reichhaltige Sammlung, die sich stark an der Erzählkunst des Heartland Rock orientiert, gefiltert durch modernes Country-Songwriting. Auf fünf Tracks skizziert Cartwright Szenen von Reisen, Liebeskummer und nächtlichen Reflexionen und baut so eine zusammenhängende Erzählung über Verlust und die hartnäckigen Erinnerungen auf, die noch lange nach dem Ende einer Beziehung nachwirken.

Die EP beginnt mit "That's Alright", einer treibenden, straßentauglichen Hymne, die sich wie ein "Kip Moore-lite"-amerikanischer Rock anfühlt, so unmittelbar und mitreißend wie nur möglich. Aufgebaut um eine treibende Rhythmusgruppe und klingende Gitarren, greift der Track auf die klassische Heartland-Rock-DNA zurück, die von Petty, Mellencamp und Seger geprägt wurde. Textlich gibt Cartwright den erzählerischen Ton für das Projekt vor – weggehen, weitermachen und sich weigern, bei dem zu verweilen, was zerbrochen ist. "Ich werde nicht zurückblicken, wenn du es sterben lassen willst, ist das in Ordnung." Die optimistische Energie des Songs verschleiert den Herzschmerz in seinem Kern, was ihn zu einem idealen Opener macht und Cartwrights Fähigkeit unter Beweis stellt, melancholisches Geschichtenerzählen mit stadiontauglichem Schwung in Einklang zu bringen.

Während es im Opener um das Weggehen geht, dreht sich bei "How Missin' You Sounds" alles um das, was danach kommt. Der Song lehnt sich noch stärker an diesen Petty-artigen Gitarren- und Schlagzeug-Drive an und verbindet den Rock des mittleren Amerikas mit zeitgenössischen Country-Pop-Elementen. Der Einfluss von Ryan Hurds melodischem Stil ist besonders deutlich zu spüren, doch die Produktion trägt immer noch Anklänge an den klassischen Sound von Mellencamp und Petty in sich. Cartwrights volle, warme Stimme steht hier im Mittelpunkt, während er die verschiedenen Formen auflistet, in denen sich Abwesenheit im Alltag manifestiert. Nostalgie und Bedauern ziehen sich durch den Track, der sich stetig zu einem triumphalen Gitarrensolo im letzten Abschnitt steigert. Die einprägsamste Zeile des Songs fasst seine emotionale und klangliche Grundstruktur perfekt zusammen: "It sounds like old Tom Petty, I'm one heartbreaker from calling you, babe!"

"Whiskey Ginger" sorgt für eine entspannte, aber emotionsgeladene Atmosphäre. Der Midtempo-Groove bewegt sich gekonnt zwischen Country-Pop und Midwest-Rock, wobei Cartwright erneut Anklänge an Ryan Hurd vermittelt – insbesondere an dessen eher rocklastige Stücke. Der Song vermittelt ein Gefühl von Nachdenklichkeit in einer Kneipe und stiller Eifersucht, während Cartwright sich vorstellt, wie seine ehemalige Geliebte mit jemand anderem weitermacht. "Ich frage mich, wessen Herz du gerade brichst … Er wird dir um den Finger gewickelt sein." Angetrieben von hämmernden Drums und einer soliden Rhythmusgruppe ist der Track eingängig, stimmungsvoll und auf leise Weise hymnisch. Cartwrights Gesang trägt einen Großteil der emotionalen Last und verwandelt das, was ein einfacher Trennungssong sein könnte, in ein Porträt der Einsamkeit in Bewegung – eine weitere Nacht, ein weiterer Drink, eine weitere Erinnerung, die sich weigert zu verblassen.

Der emotionale Mittelpunkt der EP liegt in "You've Got a Way", wo Cartwright zu einem reduzierten Arrangement wechselt, das dem Songwriting den Vortritt lässt – in einem Titel, dessen Name ein verspieltes Wortspiel enthält. Geschmackvolle E-Gitarrenlinien verflechten sich mit klagender Pedal-Steel-Gitarre und schaffen so einen kargen, atmosphärischen Hintergrund für einen Song über emotionale Verletzlichkeit und die anhaltende Anziehungskraft von jemandem, von dem man weiß, dass man ihn vergessen sollte. "Du hast eine Art, es einfach erscheinen zu lassen, mich in deinen Bann zu ziehen, als würdest du mich nie verlassen." Der Text fängt die Essenz des Songs ein: die verwirrende Kraft von jemandem, der Liebe mühelos erscheinen ließ – und die Verzweiflung, wenn diese Illusion zerbricht.

Troy Cartwright erweist sich als begabter Texter als auch als ausdrucksstarker Musiker

Der Titeltrack beschließt die EP mit ihrem filmischsten und eindringlichsten Moment. Ausgehend von einem nächtlichen Telefonanruf aus einem Hotel in Palm Springs spielt sich "Etc. All the Rest" wie ein Miniaturfilm ab. Cartwright liefert die Zeile, die dem Song seinen Namen gibt, fast beiläufig: Er ruft nur an, um zu sagen: "Ich liebe dich, etc. all the rest." Die Mehrdeutigkeit des Satzes ist kraftvoll – halb Geständnis, halb emotionale Kurzform. Das Arrangement bleibt elegant und atmosphärisch und erinnert erneut an die tiefere, introspektivere Seite von Ryan Hurds Songwriting. Im Verlauf der Geschichte wird klar, dass der Anruf vielleicht zu spät kommt. Im letzten Drittel des Songs offenbart Cartwright, dass sie bereits gegangen ist, und lässt ihn in der Schwebe zwischen Erinnerung und Akzeptanz zurück. Der Track beschließt die EP mit einer nachdenklichen Note und schließt den emotionalen Bogen vom trotzigen Abschied bis zur stillen Erkenntnis.

In den fünf Songs auf "Etc. All the Rest" erweist sich Troy Cartwright sowohl als begabter Texter als auch als ausdrucksstarker Musiker. Die EP entfaltet sich wie ein Reisetagebuch, geschrieben im Licht von Neon-Motels – fünf Momentaufnahmen von Liebeskummer, Autobahnen und den Geistern vergangener Beziehungen, die noch lange nach dem Abschied nachklingen. Am auffälligsten ist, wie sehr sich das Projekt eher dem Heartland-Rock als dem Mainstream-Polierglanz Nashvilles zuwendet. Von Broadway im traditionellen Music-Row-Sinne ist hier kaum etwas zu spüren; stattdessen schöpft Cartwright aus den weiten emotionalen Weiten des Middle-America-Rock und verbindet diese Einflüsse mit dem melodischen Gespür moderner Künstler wie Kip Moore und Ryan Hurd.

Fazit: Vor allem aber wirkt "Etc. All the Rest" wie ein Blick durch ein Schaufenster auf einen aufstrebenden Songschreiber – und eine fesselnde Neuvorstellung von Troy Cartwright als eigenständigem Künstler.

vgw
Anmelden