Luke Combs - Gettin' Old

CD Cover: Luke Combs - Gettin' Old
 

Das vierte Studio-Album von Luke Combs, "Gettin' Old", mit der Nummer 1 Single "Going, Going, Gone"

Haha, ein guter Witz. Mit seinen jugendlichen 33 Jahren hat Luke Combs scheinbar schon so etwas wie eine Midlife-Crisis. Jedenfalls glaubt der Superstar aus Charlotte, North Carolina, dass er gerade dabei ist, alt zu werden. Entsprechend ist sein viertes Album schlicht mit "Gettin' Old" betitelt.

Nun ja, etwas älter und gereifter dürfte Luke Combs seit seinem letzten, 2022 erschienenen Album "Growin' Up" geworden sein. Immerhin ist er mittlerweile verheiratet (mit seiner langjährigen Verlobten). Andererseits ist der Titel natürlich eine logische Fortsetzung des "Heranwachsens" der Vorgänger-LP. Egal. Ob so oder so. Über eines muss man wohl aber nicht grübeln: Er wird mit "Gettin' Old" die nächste Nummer eins in den amerikanischen Country-Charts. Und vermutlich springt erneut auch eine Top-Platzierung in den wirtschaftlich noch attraktiveren Pop-Charts heraus.

Junger Superstar - "Gettin' Old"

Seine ersten drei Alben legten die Messlatte natürlich hoch. Höher geht’s kaum: Drei Mal Platz eins in den Country-Charts, einmal Platz eins, einmal Platz zwei und einmal Platz vier in den Pop-Charts. Ein perfekter Crossover-Künstler also. Ein Abräumer, der auch in Europa zunehmend Fans findet. Nach "Gettin' Old" werden es auch hierzulande sicher wieder einige mehr sein, die Gefallen an dem gleichzeitig sehr handfest-rockigen und traditionsbewusst-sensiblen Sound sowie an der charismatischen Stimme des bärtigen Sängers finden. Er verkörpert wie kaum ein anderer heutiger Nashville-Act den Status Quo des Genres - absolut authentisch, künstlerisch überzeugend und dazu ohne offensichtliche Eitelkeiten oder Allüren.

Offenbar ist Luke Combs auch ein fleißiger Musikarbeiter. Schließlich ist seit dem Erscheinen seines letzten Longplayers noch kein Jahr vergangen. Und "Gettin' Old" ist mit 18 Songs mehr als üppig bestückt. Der Mann weiß also, was er seinen Fans schuldig ist. Die andere Erklärung ist genauso schlüssig wie sympathisch: er macht das, was er macht, einfach gerne. Er liebt es, zu singen, Stories zu erzählen. Deshalb hat er auch bei fast allen neuen Tracks seine Songwriter-Hände mit im Spiel. What you hear, is what you get - bei ihm trifft die altbekannte Phrase voll zu.

Da ist es auch kein Wunder, dass er seine Leidenschaft auch in Songs thematisiert. In der Mitte der Songlist von "Gettin' Old" eingebettet, finden sich die Titel "A Song Was Born" und das darauffolgende "My Song Will Never Die". Ein Song entsteht. Ein Song für die Ewigkeit. Das ist blumig und auch pathetisch. Aber vor allem ist es schön und berührend. Es offenbart die sensible Seite eines Künstlers. Während ihm bei "A Song Was Born" Casey Beathard, Dan und Reid Isbell als Co-Autoren zur Seite standen, gehört "My Song Will Never Die" zu den drei Tracks, bei denen Luke Combs keine Songwriter-Credits hat. Den Track haben Jonathan Singleton, Travis Meadows und - man höre und staune - Eric Church dem Sänger auf den wuchtigen Leib geschrieben.

Luke Combs: die nächste Nummer eins in den Charts?

Eine weitere Fremdkomposition knüpft daran an: "Where The Wild Things Are" heißt der nette, entspannt unaufgeregte Titel im gemütlichen Midtempo-Bereich. Verfasst haben den Song, der im Refrain eine satte Schippe drauflegt, Randy Montana und Dave Turnbull. Bei dem dritten Song aus fremder Feder handelt es sich um eine Cover-Version eines alten Hits: "Fast Car" von Tracy Chapman. Wie er gerade auf diesen Song gekommen ist, würde man gerne wissen. Denn so richtig gehen diese beiden - Chapman und Combs - nicht zusammen. Auch musikalisch läuft das zwischen Stimme und Melodie nicht so richtig rund.

Dieser Song-Irrläufer ist aber leicht zu verschmerzen. Dafür sorgen schon seine eigenen Tracks. Titel wie das beherzt rockende "Still" oder "You Found Yours", die emotional aufgeladene Bar-Ballade "The Beer, The Band, The Barstool", das ganz im Stile des optimistisch-sehnsüchtigen 90er-Jahre-Country angelegte "See Me Now" oder der angenehm ruhig gehaltene Folk-Song "Tattoo on a Sunburn".

Für den Ausklang des über einstündigen Albums sorgt die schwerblütige Ballade "The Part". Combs zieht hier, begleitet von Klavierakkorden und Power-Drums, noch einmal alle Register - und kann begeistern. Ja, er hat als Sänger nochmals zugelegt. Er klingt tatsächlich etwas reifer. Von "alt" ist er aber noch meilenweit entfernt.

Fazit: Nicht alt, aber ganz schön reif: Auf "Gettin' Old" bietet Superstar Luke Combs in 18 Songs wieder Vollbedienung für seine Fans. Sicherer Tipp: die nächste Nummer eins.

vgw
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