No Country for Old Men

No Country for Old Men

"No Country for Old Men" ist ein US-amerikanischer Neo-Western-Krimi aus dem Jahr 2007, der von Joel und Ethan Coen geschrieben, inszeniert, produziert und geschnitten wurde und auf dem gleichnamigen Roman von Cormac McCarthy aus dem Jahr 2005 basiert. Der Film mit Tommy Lee Jones, Javier Bardem und Josh Brolin in den Hauptrollen spielt in der Wüstenlandschaft von West Texas im Jahr 1980. Der Film greift die Themen Schicksal, Gewissen und Umstände auf, die die Coen-Brüder in den Filmen "Blood Simple - Eine mörderische Nacht" (1984), "Arizona Junior" (1987) und "Fargo - Blutiger Schnee" (1996) erforscht hatten.

Weitere Hauptdarsteller sind Kelly Macdonald als Moss' Frau Carla Jean und Woody Harrelson als Carson Wells, ein Kopfgeldjäger, der auf der Suche nach Moss und der Rückgabe der zwei Millionen Dollar ist.

"No Country for Old Men" wurde am 19. Mai 2007 bei den Filmfestspielen von Cannes im Wettbewerb uraufgeführt und wurde ein kommerzieller Erfolg: Mit einem Budget von 25 Millionen Dollar spielte der Film weltweit 171 Millionen Dollar ein. Die Kritiker lobten die Regie und das Drehbuch der Coens sowie die Leistung von Bardem und der Film erhielt 76 Auszeichnungen bei 109 Nominierungen von mehreren Organisationen; er wurde bei den 80. Academy Awards mit vier Preisen ausgezeichnet (darunter für den besten Film), bei den British Academy Film Awards (BAFTAs) mit drei und bei den Golden Globes mit zwei. Das American Film Institute wählte ihn zum AFI-Film des Jahres und das National Board of Review wählte ihn zum besten Film des Jahres 2007. "No Country for Old Men" ist einer von nur vier Westernfilmen, die jemals den Academy Award für den besten Film gewonnen haben (die anderen waren "Pioniere des wilden Westens" im Jahr 1931, "Der mit dem Wolf tanzt" im Jahr 1990 und "Erbarmungslos" im Jahr 1992).

 

Der Neo-Western "No Country for Old Men" wurde mit dem Oscar als bester Film ausgezeichnet

Er tötet gnadenlos und bleibt dabei so gelassen, als würde er sich eine Zigarette anzünden. Bevorzugt benutzt er eine Luftdruckkartusche. Die eignet sich hervorragend, um Türschlösser aus der Fassung und unliebsamen Personen das Gehirn aus dem Schädel zu blasen. Aber der Killer mit dem seltsamen Namen Anton Chigurh (Javier Bardem) hat auch seine Prinzipien: Ist ein Mord nicht zwingend notwendig, beispielsweise an einem Tankstellenbesitzer, der ihm einen Smalltalk aufdrängt, dann lässt er eine Münze über Leben oder Tod entscheiden. Mit seiner Föhnfrisur sieht Chigurh zwar so lächerlich aus wie Schlagerkomiker Dieter Thomas Kuhn. Dennoch läuft es einem bei seinem Anblick eiskalt den Rücken runter. Willkommen in der Welt der Coen-Brüder.

Schroffes Land

Bei ihren letzten Filmen beschlich einen das Gefühl, Joel Coen und Ethan Coen haben ihren Biss verloren. Nach schrägen Meisterwerken wie "Fargo - Blutiger Schnee" (1996) und "The Big Lebowski" (1998) folgte zuletzt Belangloses wie der Ehekrimi "Ein (un)möglicher Härtefall" (2003) und das uninspiriert wirkende Remake von "Ladykillers" (2004). Umso furioser nun ihr Comeback: "No Country for Old Men", nach einem Roman des Pulitzerpreisträgers Cormac McCarthy ("All die schönen Pferde"), ist der bisherige Höhepunkt ihres Schaffens. Gespickt mit allen Zutaten, die man von einem Coen-Film erwartet: sarkastischer Humor, brachiale Gewalt und skurrile Typen, die sich in einem zutiefst amerikanischen, schroffen Umfeld das Leben schwer machen.

Brachiale Gewalt

Texas, 1980: Hobbyjäger Moss (Josh Brolin) entdeckt bei einem seiner Streifzüge in der Wüste die unappetitlichen Überreste eines schiefgegangenen Drogendeals - diverse, in der Sonne brutzelnde Leichen, aber auch einen Koffer voller Geld und einen Überlebenden, dem Moss allerdings nicht hilft. Er macht sich, im wahrsten Sinne des Wortes, mit der Kohle aus dem Staub. Von Gewissensbissen geplagt kehrt er jedoch noch einmal zurück. Ein schwerer Fehler! Kurz darauf rücken andere Beteiligte an, die sofort das Feuer eröffnen. Moss muss flüchten. Er driftet von Motel zu Motel, um sich in Sicherheit zu bringen. Als es ihm langsam dämmert, worauf er sich eingelassen hat, gibt es kein zurück mehr. Dabei ist Sheriff Bell (Tommy Lee Jones) das geringere Problem. Der steht kurz vor der Rente und hat es mit dem Fall nicht sonderlich eilig. Chigurh dagegen sitzt Moss schnell im Nacken. Wortkarg umschleichen sich die Beiden und hinterlassen eine blutige Spur quer durch Texas, der Bell hinterherzuckelt und das Ausmaß der Gewalt eher verwundert denn schockiert zur Kenntnis nimmt.

Groteske Komik

Bei aller Härte kommt es in dem wunderbar lakonischen Thriller jedoch auch immer wieder zu grotesk komischen Situationen. Etwa als Moss lädiert und nur mit Bademantel und Cowboyboots bekleidet von Mexiko zurück in die USA will. Da lässt ihn der skeptische Grenzer problemlos einreisen, aber erst als er erfährt, dass Moss in Vietnam gedient hat. Es sind Momente wie diese, die für eine gewisse Leichtigkeit sorgen. Trotzdem steht der Neo-Western den Coen'schen Gangsterfilmen "Blood Simple - Eine mörderische Nacht" (1984) und "Miller's Crossing" (1990) viel näher als ihren schwarzen Komödien wie "Fargo - Blutiger Schnee" (1996). Roger Deakins ("Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford", 2007), bevorzugter Kameramann der Coens, findet fesselnde Bilder, die den knochentrockenen Erzählstil des Thrillers, die karge Landschaft von Texas und die schroffen Hauptfiguren kongenial miteinander in Einklang bringen.

No Country

Doch etwas, das einen klassischen Coen-Film ausmacht, fehlt: Bislang spielte die Musik bei den Brüdern stets eine zentrale Rolle. Die eklektischen Soundtracks waren mindestens so ausgefeilt kompiliert wie die von Quentin Tarantino. "O Brother Where Art Thou? - Eine Mississippi Odyssee" (2000) avancierte sogar zum Megaseller und leitete in den USA ein Revival von Bluegrass ein. Doch in "No Country for Old Men" herrscht Stille. Die Stille vor dem Schuss. Keine Note bis zum Abspann - sieht man einmal von einer Mariachi-Band ab, die Moss in Mexiko ein Ständchen bringt, ihren sonnigen Song aber verstört unterbricht, als sie seine blutigen Klamotten wahrnimmt. No "Country" for Bleeding Men.

Fazit: Ein Mann flüchtet in "No Country for Old Men" vor einem wahnsinnigen Killer und einem alternden Cop durch Texas. Die Coen-Brüder waren nie besser als hier. Ihr Westernthriller ist ein sarkastisches Meisterwerk, ein sofortiger Klassiker!

vgw
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