Charlie Daniels; Foto: Jim SheaCharlie Daniels hat schon zahlreiche Auszeichnungen gewonnen, darunter eine ganze Trophäensammlung voller CMA- Grammy- und Dove-Awards. Auf eine besondere Ehre musste der verdiente Sänger, Songwriter, Musiker und Entertainer jedoch bis vor kurzem noch warten: Am 19. Januar 2008 wurde er Mitglied der Grand Ole Opry.

"Einen fast 60 Jahre alten Traum verwirklicht zu sehen, besonders in diesem Lebensalter, mit 71 Jahren - das ist schon eine verdammt verrückte Sache." sagt Daniels. "Ich kann es mir nicht anders erklären, als dass Gott mir die Wünsche meines Herzens erfüllt hat. Es ist ein Segen."

Die Einführung in den Opry-Club war für Daniels ein guter Start ins Jahr 2008, sein fünfzigstes Jahr als Musiker. In seiner Karriere erschloss sich Daniels so manches Gebiet, von seinen frühen Tagen im Rockgeschäft über seine langjährige Präsenz in den Country-Charts bis hin zu seinen Ausflügen in die Gospel-Music. Er brachte 50 Alben heraus, 17 davon auf seinem eigenen Label Blue Hat Records. Und nachdem er den Verlag 1997 mit Manager David Corlew ins Leben gerufen hatte, wurde Daniels der erste Künstler, der einen exklusiven Vertriebsdeal mit Wal-Mart unterschrieb.

Charlie Daniels auf der Bühne (1975), Foto: Courtesy of CDB, Inc. Seit sieben Jahren wird Blue Hat von Koch Records vermarktet und vertrieben. "Alles, was sie ankündigen, machen sie auch, und wenn sie mit einem Veröffentlichungsplan zu uns kommen, ob es nun zwei oder drei Alben im Jahr sind, egal um was es sich handelt, arbeiten sie wie ein Uhrwerk", sagt Bob Frank, Vorstand von Koch Records. "Charlie hat eine sehr, sehr loyale Fan-Basis, und wir alle genießen die gemeinsame Arbeit. Manchmal vergessen wir sogar, dass wir nicht zur selben Firma gehören, weil wir so eng zusammenarbeiten."

Als Besitzer eines eigenen Labels hat Daniels die Freiheit, seiner Leidenschaft für alle Arten von Musik nachzugehen. Sein Werdegang ist geprägt von Country und Bluegrass, er ist aber auch Koautor des Stücks "It Hurts Me", das damals von Elvis Presley aufgenommen wurde, spielte auf Bob Dylans Alben "Nashville Skyline", "New Morning" und "Self Portrait" und produzierte zwei Alben der Youngbloods, bevor er 1970 die Charlie Daniels Band gründete.

Seine Diskographie überspannt ein weites musikalisches Feld. Sie bewegt sich vom Blues des Albums "Blues Hat" (1997) über den Bluegrass-Gospel des Albums "Songs from the Longleaf Pines" (2005) bis hin zum rockigen Country der zwei 2007er Alben "Live from Iraq" und "Deuces". Auf letzterer CD singt und spielt Daniels zusammen mit Brooks & Dunn, Vince Gill, Brenda Lee, The Del McCoury Band, Dolly Parton, Darius Rucker, Gretchen Wilson und anderen Gastmusikern.

"Charlie ist ein wundervolles Beispiel für einen großen Menschenfreund und Entertainer", sagt Troy Gentry von Montgomery Gentry, die auf "Deuces" zusammen mit Ihrem Partner Eddie Montgomery und Daniels eine neue Version des Stücks "Drinkin' My Baby Goodbye" singt. "Seine Liebe zu seiner Familie und sein Patriotismus sind unermesslich, und Beziehungen sind für ihn auf und jenseits der Bühne gleichermaßen wichtig. All dies zusammen macht einen Mann aus, den ich sehr respektiere und bewundere, jemanden, der für mich sowohl professionell als auch privat ein Vorbild ist. So einen wie ihn gibt es nicht noch einmal."

Charlie Daniels auf der Bühne (1975), Foto: Courtesy of CDB, Inc. Dieses Gefühl teilen viele. "Als Charlie mich anrief und fragte, ob ich auf "Deuces" mitspielen wollte, war ich begeistert, denn ich bin ein Fan von Charlie - nicht nur wegen seiner Musik, auch wegen ihm als Mensch", sagt Brad Paisley, dessen Instrumentaldarbietung zusammen mit Daniels, "Jammin' for Stevie", eine Verbeugung vor dem späten Stevie Ray Vaughan ist. "In mancher Hinsicht versuche ich, mich nach ihm zu richten. Er bestreitet seine Karriere von einem absolut musikalischen Standpunkt aus, er will einfach ständig Musik spielen. Egal, welches Genre oder wie viele Leute im Raum sind - er will einfach spielen. Er ist ein wahrer Künstler und eine lebende Legende."

Auf "How Great Thou Art" beteiligt sich Daniels an einer weiteren interessanten Zusammenarbeit: "Gospel Favorites Live from the Grand Ole Opry". Auf "I'll Fly Away", dem Eröffnungsstück dieser aktuellen Sammlung, singt er ein mitreißendes Duett mit Mac Powell, dem Frontmann der christlichen Band Third Day. "Country- und Gospel-Music gehen Hand in Hand, das war schon immer so", erklärt Daniels. "Ich glaube nicht, dass das irgendetwas Neues ist. Es ist eine alte Idee, die zu neuem Leben erweckt wurde, und ich hoffe, der Trend hält weiter an, denn ich liebe die alten Songs."

Für seine nächste Aufnahme wird Daniels auf ein Album zurückkommen, das er mit seiner Band bereits vor der Produktion von "Deuces" begonnen hatte. "Ich wollte etwas machen, das sich ein wenig abseits der ausgetretenen Pfade bewegt", sagt er. "Ich habe es nicht eilig, denn voraussichtlich werden wir dieses Jahr kein Album mehr veröffentlichen. Es ist ein Album, das unsere verschiedenen Persönlichkeiten und das musikalische Können der einzelnen Bandmitglieder widerspiegelt."

Neben der Musik investiert Daniels viel Zeit in wohltätige Aktionen, darunter sein jährliches Weihnachtskonzert für Kinder in Nashville und Auftritte vor Truppen in mehr als 20 US-Militärstandorten auf der ganzen Welt. Zwar reserviert er stets den ersten Teil des Jahres für den gemeinsamen Colorado-Urlaub mit seiner Frau Hazel, seine zahlreichen Aktivitäten füllen jedoch fast den gesamten restlichen Jahreskalender, und das ist genau, was er will. Allerdings gibt Daniels zu, er hätte sich nie vorstellen können, wie weit ihn seine Musik bringen würde.

Charlie Daniels, Foto: Cheryl M. Stewart"Die Leute fragen mich, was ich wohl gemacht hätte, wenn ich kein Musiker geworden wäre", sagt er. "Nun, ich bin kein Mensch, der sich die Frage "was wäre wenn´ stellt. Es war ein langer Weg und ein guter Weg und ein harter Weg. Ich konnte in den vielen Jahren, seit ich dies mache, vieles lernen, was ich nirgendwo sonst hätte lernen können."

Welchen Rat kann Daniels jungen Künstlern, die seinem Beispiel zu folgen hoffen, mit auf den Weg geben? "Manchmal tendieren wir dazu, in diesem Business stecken zu bleiben", sinniert er. "Das einzige, woran du immer denken musst, sind die Leute, die im Publikum sitzen. Ob es nun zwei oder 10.000 sind - es sind die Leute, die sich zu dem machen, was du bist. Sie lassen deinen Traum wahr werden. Du solltest nie wortlos an einem Fan vorbeigehen. Falls du deinen Flug nicht verpassen willst oder so, lächle und sage "Es tut mir leid. Ich habe leider keine Zeit, stehen zu bleiben". Aber in den meisten Fällen kannst du dir die Zeit nehmen. Sei nett zu den Fans. Sei nett zu den Leuten. Behandle die Leute so, wie du von ihnen behandelt werden willst."

"Also kümmere dich um das Heute. Kümmere dich um das Morgen, wenn es so weit ist, und schau nicht zurück", fährt er fort. "Sieh immer nach vorne. Verharmlose niemals eine Situation. Wenn du eine Bühne oder ein Aufnahmestudio betrittst, wenn du ein Interview gibst oder sonst etwas tust, das mit deinem Beruf zu tun hat, darfst du nicht vergessen, dass dies der Moment ist, den du gerade lebst. Dies ist der Augenblick, und ich muss alles geben, was ich habe. Ich muss in der Lage sein, mich in diesem Spiel zu behaupten. Also muss ich in diesem Moment mein Bestes geben, und was später passiert, steht jetzt nicht zur Debatte. Stecke alles was du hast in diesen besonderen Moment. Geh die Sache Moment für Moment an, Tag für Tag. Die Zukunft wird sich schon von selbst richten, wenn du dich um den heutigen Tag kümmerst. Wenn du dich heute nicht kümmerst, hast du morgen den Schlamassel."

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