CD Cover: Steep Canyon Rangers - Out in the Open

Die Steep Canyon Rangers können auch gute Musik ohen Steve Martin.

Mit "Out In The Open" veröffentlicht die Grammy-dekorierte Bluegrass-Formation Steep Canyon Rangers ihr neuntes Studioalbum und bieten bewährten, mitunter mit Pop flirtenden Bluegrass und Folk. Ein gelungene CD, auch ohne Mitwirkung von Gelegenheits-Gaststar Steve Martin.

Im Jahr 2000 haben die Mitglieder der Steep Canyon Rangers (SCR) auf der Uni von North Carolina zusammengefunden. Schon bald veröffentlichte die Band von der Kritik wohlwollend aufgenommene Alben und spielte auf den wichtigen Genre-Festivals. Dennoch dauerte es bis 2009, bis die Steep Canyon Rangers größere Bekanntheit erlangten: durch die Zusammenarbeit mit Hollywood-Star, Comedian und Banjo-Ass Steve Martin. Der begnadete Tausendsassa fragte SCR, ob sie mit ihm - für einen Benefiz-Auftritt in Los Angeles ¬- gemeinsame Sache machen wollten. Sie wollten. Und es war nicht zu ihrem Nachteil.

Mit Steve Martin kam für die Steep Canyon Rangers der Erfolg

Die Sache mit Martin lief so gut, dass neben verschiedenen Auftritten und Tourneen, auch gemeinsame CD-Veröffentlichungen nicht lange warten ließen. Schon die erste Co-Produktion, das 2011 erschienene Album "Rare Bird Allert", erlangte eine Grammy-Nominierung. Beim nächsten Album verzichteten die Steep Canyon Rangers auf ihren prominenten Gast und es lief prompt noch besser: "Nobody Knows You" (2012) wurde schließlich mit einem Grammy prämiert. Spätestens seit diesem Moment spielt die Band um Sänger, Gitarrist und Songschreiber Woody Platt und Banjo-Ass Graham Sharp in der Champions League der Bluegrass- und Folk-Acts. Es folgten: weitere hoch dekorierte Alben, ausverkaufte Tourneen, Jubelkritiken; rote Teppiche und viel, viel Schulterklopfen.

Doch: Erfolg kann auch satt machen. Deshalb haben sich Steep Canyon Rangers wohl jetzt dazu entschlossen, für das neue Album nicht mehr mit ihren angestammten Produzenten Larry Campbell und Jerry Douglas zusammen zu arbeiten, sondern mit der Americana-Ikone Joe Henry. Ein mutiger Schritt. Denn Henry ist nicht gerade für mainstream-taugliche Format-Klänge bekannt, sondern für sperrige, anspruchsvolle - immer aber hochkarätige Song- und Sound-Kost. Seine erste Maßnahme: Er bestand darauf, das Album live und ohne Overdubs aufzunehmen. Eine mutige Entscheidung, denn diese Recording-Methode verlangt den Musikern absolut alles an Disziplin und Inspiration ab. Erfgebnis: Experiment gelungen!

"Out In The Open": ein gelungenes Live-Recording-Experiment

Tatsächlich klingen die Steep Canyon Rangers auf "Out In The Open" näher an ihren Roots; mehr nach Live-Konzert und - musikalisch und zwischenmenschlich - noch näher zusammen. Stilistisch bietet die CD allerdings wenig Veränderung. Wie schon auf den Vorgänger-Alben präsentiert die Band um Woody Platt schönen, ausgewogenen Bluegrass und Folk. Unaufgeregt, souverän und musikalisch selbstverständlich auf allerhöchstem Niveau. Ähnlich wie Alison Krauss & Union Station bringt die Band - nicht nur im Opener "Farmer And Pharaohs" und in Titel wie "Love Harder" - Old-time-Music, Folk, Bluegrass und moderne Elemente auf einen gemeinsamen Nenner. Ab und an machen sie keine Zugeständnisse an das Heute um konsequent an den Wurzeln der Traditionen zu schürfen. Tracks wie "Shenandoah Valley" lassen deshalb an Roots-Veteranen wie The Stanley Brothers oder Ricky Skaggs denken.

Zum Sound-Outfit der Steep Mountain Rangers gehört auch der Folk. Mal á la Byrds (wie im Titeltrack), mal balladesk und gefühlvoll interpretiert (wie bei "When She Was Mine"). Ob so oder so, die größtenteils von Platt geschriebenen Songs zeichnen alle schön angelegte Melodien und Harmonien aus. Hier und da neigt aber auch der hemdärmelige Folky zum opulenten Pathos: Das rund fünfminütige "Best of Me" ist dafür das beste Beispiel.

Als einzige Cover-Version von "Out in the Open" hat es die Dylan-Komposition "Let Me Die In My Footsteps" in das Song-Dutzend geschafft. Eine gute Wahl. Die gleichermaßen kraftvolle wie emotionale Interpretation kann es jederzeit mit dem Dylan-Original aufnehmen.

Fazit: Auf "Out In The Open" bieten die Steep Canyon Rangers solide Wertarbeit auf höchstem Niveau. Nicht mehr - aber auch nicht weniger.

Label: Ramseur (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 26. Januar 2018
01 Farmers and Pharaohs
02 Let Me out of This Town
03 Out in the Open
04 Can't Get Home
05 Going Midwest
06 When She Was Mine
07 Love Harder
08 Shenandoah Valley
09 Best of Me
10 Roadside Anthems
11 Let Me Die in My Footsteps
12 The Speed We're Traveling

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