CD Cover: Mary Gauthier - Rifles & Rosary Beads

Mit "Rifles & Rosary Beads" erschafft Mary Gauthier ein einzigartiges Album.

Laut dem US-Department for Veterans Affairs (dem US-amerikanischen Kriegsveteranenministerium) nehmen sich in den USA täglich 20 Veteranen das Leben. Eine erschreckende Zahl. Das dachte sich auch Mary Gauthier und versucht nun mit ihrem neuen Album “Rifles & Rosary Beads“ auf dieses Problem aufmerksam zu machen. Zusammen mit Kriegsveteranen erschuf sie so elf sehr persönliche Lieder.

Es gibt Alben, die kann man nicht einfach in Gut oder Schlecht einteilen. Sie stehen über solch einfachen Kategorisierungen. Zu jenen Alben gehört "Rifles & Rosary Beads". Abseits der Musik entstand hier ein tiefgreifendes und trauriges Album, in dem Kriegsveteranen von ihren Gefühlen und Empfindungen erzählen. Sei es auf dem Schlachtfeld oder in der Heimat, welche oft zu einem ganz anderen Schlachtfeld wird. Das alles wird von Mary Gauthier respektvoll und emotional verarbeitet.

Rifles & Rosary Beads gibt Veteranen eine Stimme

Die Auseinandersetzung (ganz gleich in welchem Genre) mit Krieg ist immer eine Gratwanderung. Wird nicht vorsichtig mit dem Thema umgegangen, kann schnell ein zu patriotisches Werk entstehen. Im schlimmsten Fall wird daraus platte Propaganda. Diese Sorge muss man bei "Rifles & Rosary Beads" nicht haben. Hier geht es tatsächlich rein um die ganz persönlichen Empfindungen der Soldaten, fast ohne Patriotismus und Pathos.

Zwar rutscht manches Lied, wie etwa "Soldering On" oder "Bullet Holes in the Sky" in so manch einer Zeile leicht ab, etwa wenn darüber gesungen wird, wie stolz man vor der amerikanischen Flagge salutiert oder dass man für sein Land gerne in den Krieg gezogen ist. Immer findet der entsprechende Titel aber wieder zurück auf die persönliche Ebene der Menschen und entlarvt solche Sätze als Gedanken der Einzelnen und nicht als gemeingültig.

Mary Gauthier ist sicherlich nicht für jedermann

Abseits und auch wegen der wirklich zu Herzen gehenden Geschichten, die Mary Gauthier in ihren Liedern erzählt, ist "Rifles & Rosary Beads" ein zweischneidiges Schwert. Leicht und beschwingt ist hier wirklich nichts. Die meisten Lieder werden nur von einer Akustikgitarre, Geige oder Mundharmonika begleitet. Gauthiers Stimme tut ihr Übriges, um die Klänge den Texten anzupassen. Ihre Stimme besitzt bestenfalls Melancholie, schlimmstenfalls tiefste Düsternis.

Und wenn Gauthier in "Morphine 1-2" über Morphiumsucht singt, damit das Leben nach dem Krieg erträglich wird oder in "Brothers" über die (erzwungene) Verbundenheit der Soldaten, dann macht das keinen Spaß. Diese Lieder gehen nicht nur zu Herzen, sie gehen auch an die Nieren. Muss man das alles ertragen? Sicherlich nicht. Doch "Rifles & Rosary Beads" ist eben mehr, als ein einfaches Album. Es ist in erster Linie eine wichtige Auseinandersetzung mit den Schrecken des Krieges und mit den Menschen, die mit diesen traumatischen Erlebnissen allein gelassen werden.

Fazit: Wertvoll und traurig. "Rifles & Rosary Beads" von Mary Gauthier entzieht sich einfachen Bewertungen. Nichts für jedermann.

Label: In The Black / Thirty Tigers (Alive) VÖ: 26. Januar 2018
01 Soldiering On
02 Got Your Six
03 The War After the War
04 Still on the Ride
05 Bullet Holes in the Sky
06 Brothers
07 Rifles & Rosary Beads
08 Morphine 1-2
09 It's Her Love
10 Iraq
11 Stronger Together

Anmelden