CD Cover: Dan Tyminski - Southern Gothic

In "Southern Gothic" öffnet sich Dan Tyminski neuen musikalischen Wegen.

Dan Tyminski gilt eigentlich als Verfechter des Bluegrass. Auf seinen beiden ersten Alben hält sich die Anzahl anderer Musikinstrumente als Gitarre, Banjo, Kontrabass, Fiddle und Schlagzeug in engen Grenzen. Tyminskis erste Werke sind echt, geerdet und verleugnen ihre Wurzeln nicht. Mit "Southern Gothic" geht der Musiker nun neue Wege. Mehr Pop, mehr elektronische Klänge, ohne mit den alten Regeln brechen zu wollen. Doch geht das überhaupt?

Vielleicht war es Tyminskis Zusammenarbeit 2013 mit Avicii, welche ihn dazu veranlasste seiner Arbeit eine neue Richtung zu geben. Das Lied "Hey Brother" wurde zu einem Megahit, seine Stimme weltberühmt. Tyminskis letztes Album ist dagegen bald zehn Jahre alt. Laut Biografie auf der eigenen Webseite versucht der 50-Jährige schon längere Zeit einen neuen Sound zu finden. Mit "Southern Gothic" wäre ihm dies endlich gelungen. Abstreiten kann man diese Behauptung nicht.

Wer den Geist beschwört…

Er hätte den Geist in der Maschine beschwören wollen, heißt es über Dan Tyminski auf seiner Seite. Diese Anspielung auf die Bezeichnung Deus ex machina der antiken Tragödie trifft den Nagel aber wohl eher ungewollt auf den Kopf. Denn im griechischen Theater bedeutet solch ein Erscheinen auch immer ein Konflikt. Meist endete dieser böse, wodurch eben der Begriff Tragödie geprägt wurde.

Und mit "Southern Gothic" verhält es sich ähnlich. Dabei entsteht der Konflikt bei Dan Tyminski im Vergleich mit seinen Vorgängeralben. Während dort noch ehrliche und handgemachte Musik im Vordergrund stand, geben im neuen Album elektronische Klänge den Takt an. Der Mensch tritt seine musikalische Macht an die Maschine ab. Doch wie es Maschinen nun einmal so an sich haben, wirkt das Ganze oftmals seelenlos und generisch.

…muss mit den Konsequenzen leben

Um es vorweg zu sagen: "Southern Gothic" ist kein schlechtes Album. Die meisten Lieder haben schöne Melodien, welche ins Ohr gehen und dort auch kleben bleiben. Manche sind voll rauer Energie ("Southern Gothic", "Hollow Hallelujah", "Haunted Heart"), andere durchströmt der Herzschmerz ("Breathing Fire", "Bloodline"). Leider gibt es aber auch viele Lieder die durchweg beliebig geraten sind. So etwa "Temporary Love", "Good for Your Soul" und "Wanted".

Das alles wäre nur halb so schlimm, wenn die Vorgängeralben "Carry Me Across The Mountain" und "Wheels" nicht so gelungen gewesen wären. Und eben so geradlinig. Keine Kompromisse. Bluegrass pur. Davon ist auf dem neuen Album kaum noch etwas zu hören. Fans des Sängers könnten deswegen von "Southern Gothic" enttäuscht sein.

Southern Gothic punktet mit den Lyrics

Dan Tyminski war an allen Liedern beteiligt. Das merkt man zumindest an den Texten. Diese sind tiefsinnig, scharf und haben eine tolle Bildsprache. Gerade heraus ist hier kaum etwas. Und wenn, dann ist es ehrlich, herzlich und nicht platt. Leider reichen die tollen Texte nicht aus, um das Album in einer Reihe mit den Vorgängern zu nennen.

Fans der ersten Alben sollten deshalb vorher probehören. Es könnte eine Enttäuschung auf sie warten. Auch Fans von Bluegrass werden hier wohl nicht mehr glücklich. Wer allerdings auf poppige Country Music steht und mit eingängigen aber etwas beliebig klingenden Liedern kein Problem hat, kann gerne zuschlagen.

Fazit: Southern Gothic ist kein schlechtes Album. Fans der Vorgänger könnten trotzdem enttäuscht sein.

Label: Mercury Nashville (Universal) VÖ: 17. November 2017
01 Southern Gothic
02 Breathing Fire
03 Gone
04 Temporary Love
05 Perfect Poison
06 Devil Is Downtown
07 Hollow Hallelujah
08 Good For Your Soul
09 Wailing Wall
10 Haunted Heart
11 Bloodline
12 Wanted
13 Numb

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