CD Cover: Jason Isbel and the 400 Unit - The Nashville Sound

Mit The Nashville Sound veröffentlichen Jason Isbell and The 400 Unit eines der umfassendsten Alben der letzten Jahre.

Seit seinem Debüt "Sirens of the Ditch" vor fast genau einer Dekade gestaltete sich die Karriere von Jason Isbell als beharrlicher und verdienter Aufstieg. Aus einem Geheimtipp unter Kennern wurde ein Billboard 200 Künstler, der mit jeder Scheibe einen Schritt weiter gen Top 10 wanderte. Seit seinem Zweitwerk "Jason Isbell and The 400 Unit" aus dem Jahr 2009 teilt sich Jason seinen Platz - der Titel verrät es - im Studio und auf den Bühnen rund um den Globus mit seiner superben Backingband.

Das diese Kooperation ein "Match Made In Heaven" darstellt ist seit den beiden 2016 gewonnen Grammy Awards für "Best American Roots Song" ("24 Frames") und "Best Americana Album" ("Something More Than Free") weit über die Grenzen der Szene bekannt.

Die Zeichen über den RCA Studios in Nashville standen also auf Sturm als die Arbeiten an "The Nashville Sound" unter der Ägide von Produzentenlegende Dave Cobb (Sturgill Simpson, Chris Stapelton) begannen.

"Last of my Kind"

Der Erfolgsdruck den , Dave Cobb und The 400 Unit dort höchstwahrscheinlich verspürten hört man dem zehn Songs umfassenden Album jedoch zu keiner Sekunde an.

Angefangen mit dem reduziert arrangierten und lyrisch sehr persönlichen "Last of my Kind" beginnt eine Audioreise fernab das aktuellen Music Row Sounds.

Der bezeichnende Titel des Openers impliziert eine selten gewordene Attitüde in Nashville, denn obwohl die auf Radioeinsatz getrimmten, 3:30 Minuten langen Standardstücke des Country-Radios gute Laune verbreiten, gelten bei No-Nonsense Songwritern "etwas" andere Prämissen. Hier wird nicht in Singleauskopplungen und Vermarktbarkeit sondern in Alben gedacht!

"The Nashville Sound" besitzt einen derart ausgeklügelten Spannungsbogen, der den Zuhörer unweigerlich fesselt und gekonnt zwischen akustischen, elektrischen, langsamen, schnellen oder einer Symbiose aus all diesen Elementen hin und her springt. Jason Isbell und Dave Cobb sind in dieser Disziplin Meister ihres Fachs und liefern für das Jahr 2017 eine - ohne Übertreibung - Lehrstunde wie handgemachte Musik authentisch, ehrlich und gefühl - oder druckvoll klingen kann.

The Nashville Sound - Der Albumtitel ist Programm

Das auf den ersten Blick etwas bedeutungsschwangere "The Nashville Sound", erklärt sich beim Blick auf die Historie der RCA Studios. In den 60ern entstand in diesen geschichtsträchtigen Räumlichkeiten genau dieser von ungekünzelten Emotionen inspirierte Klang. Um den Geist der legendären Umgebung vollends auf Platte zu transportieren, entstand die komplette LP ohne vorherige Demoaufnahme und wurde live mit kompletter Band im Studio mitgeschnitten.

In einer Welt, die von ProTools dominierten und zusammengestückelten Recordings regiert wird, stellt "The Nashville Sound" eine charmante und herrliche "Old Fashioned" Ausnahme dar, die man einfach lieben muss.

Fazit: Für Freunde ehrlicher auf den Punkt gebrachter Americana Tunes ist "The Nashville Sound" ein Pflichtkauf und sollte Jason Isbell and The 400 Unit auch bei den Grammys 2017 das ein oder andere goldene Grammofon einbringen.

Label: Southeastern (Alive) VÖ: 16. Juni 2017
01 Last of My Kind
02 Cumberland Gap
03 Tupelo
04 White Man's World
05 If We Were Vampires
06 Anxiety
07 Molotov
08 Chaos and Clothes
09 Hope the High Road
10 Something to Love

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