Elizabeth Cook - Welder

CD Cover: Elisabeth Cook - Welder

Obacht, werte Countrygemeinde: Diese Lady zündelt gerne. Deshalb ist der Albumtitel "Welder" (Schweißer) auch absolut passend gewählt. Vielleicht aber ist es auch eine augenzwinkernde Referenz an ihren Daddy, der einst im Atlanta Federal Gefängnis einsaß – und dort alle Zeit der Welt hatte, die Kunst des Schweißens zu perfektionieren.

Egal, der Titel passt auf alle Fälle zu einer, nicht machomäßig gemeint, "heißen Frau" wie es Elizabeth Cook ist. Ok, sie ist schon verflixt hübsch. Sehr blond, wangenknochig, schlafzimmerblickend und langbeinig – aber auch hintergründig, verschmitzt und mit genügend Geist und Ironie ausgestattet, um im Country nicht auf "weitere blonde Diva" zu machen. Das gilt auch musikalisch.

Dieser sperrige Ansatz hat der aus Florida stammenden Sängerin in ihrer rund zehnjährigen Karriere schon viele erstklassige Kritiken eingebracht. Aber auch: mäßige Erfolge und Flops. Mehr als Platz 72 in den Countrycharts (für ihr letztes Album "Balls") sprang bisher nicht heraus. Kein Wunder, dass sie für "Welder" mit einem neuen Konzept ankommt: Anstatt die Produktion Country-Purist Rodney Crowell zu überlassen, setzt sie jetzt auf Don Was. Der feierte vor allem in den 90er Jahren mit den Rolling Stones, Bob Dylan, aber auch mit Garth Brooks, Lyle Lovett und Willie Nelson grandiose Erfolge. Ob sein Hit-Riecher immer noch intakt ist? Mal schauen, mal hören ...

Schon nach dem ersten flüchtigen Durchhören kann das zwölf Titel starke Album überzeugen: mit luftigen Songs und Arrangements, eingängigen aber unverbrauchten Melodien, witzigen bis hinterlistigen Texten, einer illustren Gästeschar – darunter Dwight Yoakam, Buddy Miller, Rodney Crowell – und natürlich mit Elizabeth Cooks lässig-lasziven Gesang. Diese, in manchen Tracks, etwas piepsige Stimme trägt und prägt die CD. Und das ohne hörbaren Kraftaufwand. Im Gegenteil. Häufig belässt sie es bei einem Glucksen, Gurren oder Spucken. Sehr respektlos. Auch auch sehr cool.

Vor allem, da die blonde Enddreissigerin auch musikalisch Mut beweist: Mut zur Lücke. Mut zu unkonventionellen Songs und Harmonien. So klingt der leise Folk von "El Camino" angenehm schräg, Balladen wie "Snake In The Bad" verzichten auf jeglichen Zuckerguss und dem zu Herzen gehenden "Heroin Addict Sister" gelingt es, gleichzeitig leise und zerbrechlich und dabei dennoch ungeheuer wuchtig zu klingen.

Selbst wenn Cook mal konventionellere Country-Kost anrührt, wie zum Beispiel bei "Not California", erahnt man ein spöttisches Grinsen: Nehmt nicht alles so Ernst! Habt Spaß! Aber es geht auch in die andere Richtung: Im eindeutigen Jux&Suff-Song "Yes To Booty" hat sie natürlich den einen oder anderen Widerhaken eingebaut, der den Hörer kurz zusammenzucken lässt. Wie meint sie das?

Sehr eindeutig ist sie immerhin in dem härtesten und geradlinigsten Song der CD: "Rock N Roll Man" – ein krachender, träge dahin schaukelnder Blues-Rock-Shuffle, inklusive verzerrter Gitarren und Fiddle. Also: Don Was hats nicht verlernt. Und Elizabeth Cook wird immer besser.

Fazit: Mal leiser, mal lauter Country-Folk-Rock von der hinterlistigen Schönen. Diese Frau hat mehr Aufmerksamkeit verdient!

Label: 31 Tigers (in Deutschland nicht veröffentlicht) VÖ: 11. Mai 2010
01 All the time
02 El camino
03 Not California
04 Heroin addict sister
05 Yes to booty
06 Blackland farmer
07 Girlfriend tonight
08 Rock n roll man
09 Mama's funeral
10 I'm beginning to forget
11 Snake in the bed
12 Follow you like smoke
13 I'll never know
14 Til then

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