Kathy Mattea - Coal

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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Die zweifache Grammy-Gewinnerin und Umweltaktivistin Kathy Mattea verließ ihre Heimat bei Charleston, West Virginia, zwar im zarten Alter von 19 Jahren, um ihren Erfolg in Nashville zu suchen. Emotional ist die Sängerin und Songwriterin jedoch noch immer stark mit dieser Gegend verwachsen. Geprägt von einer Kindheit in einem von Kohleabbau dominierten Landstrich - beide Großväter waren Minenarbeiter und die Mutter arbeitete als Sekretärin bei der UMWA (United Mine Workers of America) - nahm Mattea nun ein Konzeptalbum voller ergreifender Songs rund um das Thema "Kohle" auf. Die Platte mit dem simplen Titel "Coal" ist eine Sammlung von Geschichten über Minenarbeiter und deren Familien und die Bedeutung, die der Kohlebergbau für die Appalachen hatte und immer noch hat - erzählt in elf Interpretationen großer traditioneller Songwriter wie Billy Edd Wheeler und Hazel Dickens. Doch die Stücke auf dem Album sind mehr als nur Songs über den fossilen Brennstoff. Mattea zollt hiermit auch einen Tribut an ihre Heimat und die Leute, die dort leben. Folgerichtig ist "Coal" auch ihren beiden Großvätern gewidmet ...

Die Idee zu dem Album kam der Interpretin von Hits wie "18 Wheels and a Dozen Roses" und "Where've You Been", die bereits vor 25 Jahren ihren ersten Plattenvertrag unterschrieb, während der Sago Minenkatastrophe im Jahr 2006. Bei einem Minenunglück kamen zwölf Kohlearbeiter aus West Virginia ums Leben. Durch dieses Ereignis fühlte sich die Umweltschützerin, die mit Vorträgen zum Klimawandel und anderen Aktionen auf Umweltprobleme aufmerksam macht, in ihre Kindheit zurück versetzt, als bei dem Farmington Minenunglück 1968 in der Nähe von Fairmont 78 Kohlearbeiter starben. Schon seit Jahren hatte sie Pläne für ein solches Album im Hinterkopf - nun fühlte sie die richtige Zeit gekommen, sie in die Tat umzusetzen. Mit Produzent Marty Stuart nahm sie schließlich einige ihrer bereits seit langem gesammelten Songs auf und veröffentlicht die von hochkarätigen Musikern und Gästen wie Patty Loveless, Stuart Duncan und Byron House, u.a. unterstützte Sammlung nun auf ihrem Label Captain Potato Records. Das Ergebnis ist ein raues, anrührendes Konzeptalbum voller traditioneller, die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts umspannender Songs.

Schon der Opener erzählt von einer längst vergangenen Zeit - ein mitreißender Bluegrass-Song mit Geigen und Banjos direkt aus der Seele der Appalachen, der vor allem durch Matteas tiefe und intensive Stimme beeindruckt. Das getragene und von Marty Stuart Mandoline durchzogene "Black Diamond Mines", wie das Vorgängerstück geschrieben von Jean Ritchie, ist eine bittere Erinnerung an die harte Arbeit der Kohlearbeiter und den bescheidenen Lohn, den sie dafür bekommen. Das wunderschöne "Red-Winged Blackbird" von Singer/Songwriter Billy Edd Wheeler hat fast Folk-Charakter. Matteas grandiose Stimme wirkt hier weicher und femininer als in den meisten anderen Stücken des Albums. Die gezupfte Gitarre sowie eine Violine unterstreichen die melancholische Stimmung des Songs, die durch den Kummer in Matteas Stimme bestens zum Ausdruck kommt. Auch in Si Kahns Klagelied "Lawrence Jones" ist dieser unterschwellige Schmerz spürbar, der in starkem Gegensatz zu dem leichtfüßigen Rhythmus des hoffnungsvollen Gospel-Songs "Green Rolling Hills" von Bruce "Utah" Phillips, Hazel Dickens und Alice Gerrard steht. Schön ist auch der Gesang von Tim und Molly O´Brien. Auch in Billy Edd Wheelers "Coal Tattoo" widerspricht der schnelle Bluegrass-Rhythmus der ernsten Aussage des Songs.

Nach dem kurzen, keltisch angehauchten Instrumental-Stück "Sally in the Garden", vorgetragen von Stuart Duncan am Banjo, wartet Mattea mit einem gefühlvollen, aber resignierten Song über die Ausweglosigkeit der Schicksale von Minenarbeitern und das Fehlen von Alternativen auf: "You´ll Never Leave Harlan Alive" von Darrel Scott. Merle Travis Song "Dark as a Dungeon" ist ein Klassiker, der bereits von zahlreichen Sängern von Harry Belafonte bis Pete Seeger interpretiert wurde. Matteas sanfte, aber dennoch intensive Stimme macht ihre Version aber allemal zu etwas ganz Besonderem. Das wiederum von Billy Edd Wheeler geschriebene "Coming of the Roads" ist ein wunderschöner, herzerweichend trauriger Song über diejenigen, die zurück bleiben und mit ansehen müssen, wie "ihre" Berge durch den Kohleabbau zerstört werden. Der akustische Folk des Songs wird eindrucksvoll unterstrichen durch eine gezupfte Akustik-Gitarre und eine Violine. Das Album schließt mit dem unvergesslichen "Black Lung", einem Song über die Krankheit, an der zahllose Minenarbeiter leiden und sterben. Matteas klagenderA-Capella-Gesang, interpretiert mit kraftvoller Gänsehaut-Stimme, wird umrahmt von ebenso melancholischer Instrumentation. Ein Song, der garantiert im Gedächtnis bleibt - wie das ganze Album!

Fazit: Ein hinreißend schönes Konzeptalbum, ganz klar getragen von Kathy Matteas ausdrucksstarker und kraftvoller Stimme. Eine Sammlung überwiegend emotional geladener Songs voller Melancholie und Schmerz, ohne dabei kitschig oder gar pathetisch zu wirken. Ein gelungenes und würdiges Tribut an die Minenarbeiter und ihre Geschichten!

Label: Captain Potato (rough trade) VÖ: 23. Januar 2009

  • Titelliste

  • Links

01 L&N Don't Stop Here Anymore 07 Sally in the Garden
02 Blue Diamond Mines 08 You'll Never Leave Harlan Alive
03 Red-Winged Blackbird 09 Dark as a Dungeon
04 Lawrence Jones 10 Coming of the Roads
05 Green Rolling Hills 11 Black Lung/Coal
06 Coal Tattoo
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vgw
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