Kip Moore - Damn Love

CD Cover: Kip Moore - Damn Love

Auf seinem Album "Damn Love" serviert Kip Moore 13 persönliche Songs aus dem Grenzbereich zwischen Mainstream-Rock, Pop und Country

Kip Moore, Jahrgang 1980 und aus Georgia stammend, kann man nicht gerade als Kind von Traurigkeit bezeichnen. Das machen schon so manche seiner Songs wie "Somethin' 'Bout a Truck" und "Beer Money" deutlich. Trucks, Bier und - klar - Frauen. Den Sänger aber auf diese klischeehaften Country-Schlüsselreize zu reduzieren, ist ein Fehler. Das zeigte sich spätestens bei seinem letzten, 2020 erschienenen Album "Wild World", bei dem er tiefgründigen Gedanken nachging und persönliche Schicksalsschläge verarbeitete. Schlecht fuhr er dabei nicht. Immerhin sprang ein fünfter Rang für die CD in den Country-Charts heraus. In der Pop-Bestenliste, und die ist für den kommerziellen Erfolg immer noch die Messlatte, landete das Werk lediglich auf dem bescheidenen 36. Platz.

"Damn Love": Kip Moores Rückkehr nach drei Jahren

Das dürfte Kip Moore, den früheren Ausnahmesportler, nachdenklich gemacht haben. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Denn für sein neues, mittlerweile fünftes Album "Damn Love" hat er sich neben seinem langjährigen Co-Autoren Dan Couch auch mit Jaren Johnston von The Cadillac Three zusammengetan. Wer deshalb jetzt herzhafte Country-Southern-Rock-Klänge erwartet, liegt aber gründlich falsch. Denn es sind die nachdenklichen, zurückhaltenden Töne, die "Damn Love" dominieren. Songs, die nicht selten eine verhalten-düstere Stimmung auszeichnet, eine Atmosphäre, die etwas erwarten lässt. Einen Sturm, ein Gewitter. Zumindest irgendeine Entladung.

Nicht immer tritt diese eruptive Erlösung ein. Meist bleibt es sogar bei dieser unbestimmten Erwartungshaltung, die Moore und seine Co-Autoren und Musiker dann doch nicht einlösen. Im Falle von "The Guitar Slinger", das er gemeinsam mit Dan Couch schrieb, kommt es dann gegen Ende des Songs doch noch zu dem erwarteten Ausbruch - in Form eines, logo!, rabiaten Gitarrensolos. Bis es soweit ist, gehen rund fünf Minuten ins Land. Fünf Minuten eines langsamen, sehr behutsam arrangierten Songs mit halligen Gitarren-Sounds und einem sehr luftig gewebten Arrangement.

Weitaus zugänglicher, man könnte auch sagen: mehrheitsfähiger, steigt Moore in das Album ein. Der Opener und Titeltrack "Damn Love" zeigt, das kann man nicht anders sagen, einen veränderten Kip Moore. Nicht nur optisch. Sein neues Styling - sehr kurze Haare, getrimmter Bart - spiegelt sich auch in seiner Musik, die heute mehr in Richtung Mainstream-Rock geht. Wer auf Bon Jovi und die härteren Songs von Bryan Adams steht, dürfte auch an Kip Moore Anno 2023 Gefallen finden.

Natürlich aber hat er seine Country-Roots nicht gekappt. Das zeigt sich bereits im zweiten Track, "Kinda Bar", das er erneut gemeinsam mit Couch schrieb und das eine gefühlvolle, schon fast zärtliche Hommage an eine liebgewonnen Gastro-Einrichtung ist. Nicht die einzige Liebeserklärung an eine Kneipe: auch der letzte Track "Mickey's Bar" berichtet davon, mit welchen skurrilen Typen man es in seiner Stammkneipe so zu tun hat. Ein simpel gehaltener Track mit einfacher Melodie und einem Text, der so ganz aus dem Leben berichtet.

Hält einige musikalische Überraschungen bereit: "Damn Love"

Kip Moore macht das mit einer Stimme, die nicht mehr ganz so messerscharf rau, in der aber immer noch "Reibeisen" die einzig treffende Umschreibung ist. Eine Stimme, die er auf "Damn Love" bei einigen Song in einen konträren Kontext stellt. Beispielsweise bei "Peace & Love", das er zusammen mit Jaren Johnston schrieb. Ein Songtitel, der eigentlich Flower-Power und Wandergitarren erwarten lässt - der aber mit Synthesizer-Sounds und mit Kompressor-Effekten behandelte Drums sehr nach den 80er-Jahren klingt. Und damit, sorry, der Vergleich muss sein, irgendwie sogar an die nicht minder rau singende Bonnie Tyler erinnert.

Es ist leider nicht die einzige klangliche Fehlstellung der CD. Auch bei "Silver and Gold" klingt das Arrangement mitunter etwas blechern und - das macht es nicht besser - scheint hier der Sänger von der ersten Strophe bis zum Schluss irgendwie auf der Suche nach der passenden Melodie zu sein. Diese zwei Tracks bilden den Tiefpunkt des Albums. Sie bleiben, zum Glück, die Ausnahmen einer insgesamt zufriedenstellenden CD. Für die Highlights sorgen die gefühlvolle Country-Ballade "Sometimes She Stays", die Huldigung des Tour-Lebens "Another Night in Knoxville" und die Verneigung vor der Einfachheit - "Mr. Simple" (mit Co-Autor Jaren Johnston).

Wenn Moore aber in "Some Things" davon erzählt, wie er im Autoradio "King George" hört und von "friday night Honky Tonks" schwärmt, darf man sich schon fragen: warum macht er nicht etwas mehr Country und weniger Mainstream-Rock?

Fazit: Nach dreijähriger CD-Pause meldet sich Kip Moore mit "Damn Love" zurück: mit neuem Styling und mehr im Mainstream-Rock angesiedelten Songs. Nicht ganz der große Wurf.

Label: MCA Nashville (Universal) VÖ: 28. April 2023
Disk 1
01 Damn Love
02 Kinda Bar
03 Neon Blue
04 The Guitar Slinger
05 Heart on Fire
06 Another Night in Knoxville
07 Silver and Gold
08 Peace & Love
09 Sometimes She Stays
10 Some Things
11 One Heartbeat (mit Ashley McBryde)
12 Mr. Simple
13 Micky's Bar
vgw
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