Travis Tritt - Set in Stone

CD Cover: Travis Tritt - Set in Stone

Nach über einem Jahrzehnt meldet sich Travis Tritt mit einem neuen Studio-Album zurück. "Set in Stone" zeigt Tritt in Top-Form

Okay, zwischendurch gab es schon das eine oder andere Lebenszeichen vom Helden des 90er-Jahre-Country. Doch: Er machte sich rar. 2007 veröffentlichte er das Album "The Storm", mit teils bluesigen, teils im balladesken Pop angesiedelten Songs. Sechs Jahre später veröffentlichte er das Album erneut, dieses Mal unter dem Titel "The Calm After". Und 2016 spendierte er seinen Getreuen den Mitschnitt: "A Man and His Guitar: Live From The Franklin Theatre", auf dem er seine größten Hits plus Cover-Versionen vortrug. Gute Sache, das allemal. Aber nicht genug für seine Fans.

"Set in Stone" - das überfällige Comeback von Travis Tritt

Die dürften die Rückkehr des raukehligen Sängers, der sich in den 90ern das Attribut "Bruce Springsteen der Country Music" ersang, herbeigesehnt haben. Vermutlich aber haben sie sich auch die Frage gestellt, wie es denn so sein wird, das Comeback ihres Lieblings? Wird sich Travis Tritt wieder mehr auf traditionellen Country konzentrieren (seine Leidenschaft #1)? Oder wird er den Southern-Rocker, ganz im Sinne von Lynyrd Skynyrd oder Molly Hatchet geben (Leidenschaft #2)? Vielleicht aber steht das Album aber auch unter den zwölf Takten des Blues-Sterns (Leidenschaft #3)? Oder er macht Bluegrass oder Gospel (Leidenschaften #4 und #5)? Erstaunlicherweise versteht es der 58-jährige aus Marietta, Georgia, alle diese unterschiedlichen Genres gleichermaßen vorzüglich zu bedienen - was für ihn nur künstlerische Qual der Wahl bedeuten kann. Oder etwa nicht?

"Nein, nein", sagte er kürzlich einem TV-Sender in Georgia, "ich habe auf "Set in Stone" einfach alles zusammengebracht. Es ist ein Travis Tritt-Album - und da gehören alle diese Einflüsse dazu." In dem Interview bekannte Tritt außerdem, dass er in den letzten Jahren den Fokus auf das Touren gelegt habe - dass ihm aber sein Manager ins Gewissen geredet habe: "Er hat gesagt, dass ich niemanden mehr etwas beweisen muss. Dass ich aber mit einem neuen Album erstens neue Fans dazu gewinnen könne und dass sich zweitens meine alten Fans seit langem neues Material wünschten. Das hat mich zum Nachdenken gebracht."

Ein Denkprozess, der ihn schließlich zum derzeit hippsten Produzenten an der Music Row führte. Zu Dave Cobb. Der Mann, der Chris Stapleton zum Top-Star gemacht hat, scheint auf den ersten Blick nicht unbedingt zu dem hemdsärmeligen Country- und Blues-Rocker zu passen. Schließlich ist der Dave-Cobb-Sound eher von transparenten Roots-Tönen geprägt. Andererseits: genau das macht vielleicht den Reiz dieser Zusammenarbeit aus. Tja, liebe Leserinnen und Leser. So falsch kann man liegen! Schon im Opener "Stand Your Ground" widerlegt Tritt mit seinem Produzenten alle Kaffeesatzlesereien. Von wegen akustisch! Von wegen Roots-Klänge!

Der drei Minuten, 42 Sekunden lange Song, den Tritt gemeinsam mit Wayne B. Durrett III. und Channing Wilson geschrieben hat, legt los wie ein 1000-PS-Dragster: harter, kraftvoller Southern Rock, mit fulminantem Gitarren-Solo, Gospel-Chor und treibendem Beat. Starke Leistung! Wie aber Tritt im Interview sagte, bildet dieser Sound nur eine Facette seiner künstlerischen Persönlichkeit ab. Eine weitere lässt sich bereits im nachfolgenden, von Tritt gemeinsam mit Brent Cobb und Adam Hood geschriebenen Titeltrack bewundern. Hier zeigt der wuchtige Sänger, dass er auch im Country-Balladenfach eine feste Größe ist. Ein sehr traditioneller Song, mit Pedal Steel, akustischen Gitarren und ein für Pathos sorgender Chor.

Travis Tritt: im Geiste von Merle und George

So abwechslungsreich geht's weiter: Mit "Ghost Town Nation" dreht er die Potis wieder auf zehn, ach was, auf elf, um testosterongeladenen Country- und Southern-Rock zu servieren. Er macht dabei klar, dass er in diesem Fach immer noch die vielleicht stärkste Stimme ist. Nach so viel Power braucht nicht nur der Sänger Erholung, auch der Hörer freut sich über ruhigere Klänge - über den köstlichen Retro-Country-Song "Smoke in a Bar" (der Titel sagt alles) und die ebenfalls mit Roots-Klängen ausgeschmückte Ballade "Leave This World". Im letzteren Track, den Tritt gemeinsam mit Ashley Monroe meisterhaft geschrieben hat, erinnert er in seiner hemmungslosen Melancholie glatt an einen tieftraurigen George Jones. Mehr Emotionen geht kaum! Ein Highlight der CD!

Nach dieser Verschnaufpause ist der Mann wieder fit für eine flottere Gangart, für den rasanten Country-Rock von "They Don't Make Em Like That No More". Ein starker Song. Aber glatt noch stärker fällt der nächste Track aus: Die knochentrockene, im gemächlichen Dreivierteltakt angelegte, gemeinsam mit Adam Hood geschriebene Ballade "Better o Dead". Hier lässt Travis Tritt an Waylon Jennings zu dessen besten Zeiten denken. Mit dem düsteren Southern Rock von "Southern Man" und dem unspektakulär hübschen, aber wohl umso ehrlicheren Retro-Countrysong "Ain't Who I Was" klingt Tritts Rückmeldung ausgezeichnet aus.

Fazit: Dave Cobb war für das Comeback von Travis Tritt der richtige Mann: "Set in Stone" zeigt den 90er-Jahre-Star von verschiedenen musikalischen Seiten und stets in Top-Form!

Label: Big Noise (hier nicht veröffentlicht) VÖ: 7. Mai 2021
01 Stand Your Ground
02 Set in Stone
03 Ghost Town Nation
04 Smoke in a Bar
05 Leave This World
06 They Don't Make 'Em Like That No More
07 Better Off Dead
08 Southern Man
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