Firelight: Country-Sound aus Malta

Firelight

Das war schon was. Mit Startnummer 22 betraten am 10. Mai 2014 beim Eurovision Song Contest fünf junge, sympathische Herren und eine nicht weniger junge und sympathische Dame die Bühne der gigantischen B&W-Halle in Kopenhagen: Firelight aus Malta. Dramatischer Auftakt. Eine Kriegsszene aus dem ersten Weltkrieg flimmert über die Leinwand. Irgendetwas mit Feldpost, Granaten, Herz und Schmerz. Das Leben in seiner ganzen Wucht. Melodie und Instrumentierung setzen bei dem Titel "Coming Home" harmonische Kontrapunkte: positiv, man könnte sagen lebensfroh, dazu Klänge, die nach Folk duften aber auch ein unbeschwertes mediterranes Gefühl vermitteln. Alle sechs Akteure spielen und singen, als ob, nun ja, als ob es um ihre Leben ginge: mit vollem Einsatz.

"Stimmt schon", sagt Sänger, Gitarrist und Songschreiber Richard Micallef im Interview mit CountryMusicNews.de, "Musik ist unser Leben."

Die ganze Band ist angereist. Von der Hitze der zwischen Italien und Afrika liegenden kleinen Mittelmeer-Insel in die weitaus kühleren deutschen Gefilde. Es hilft ja nicht, es muss sein. Ohne Promotion und PR-Termine wird Firelight - trotz des großen Song-Contest-Auftritts - nur eine regionale Größe bleiben und irgendwann doch wieder in Vergessenheit geraten. Doch darauf sind die Träume und Pläne von Richard, seinem Zwillingsbruder Wayne & Co. nicht geeicht. Zumal auch ihre Musik alles andere als regionales Format besitzt. "Wir sind mit den Rolling Stones, mit Pink Floyd und vor allem den Beatles groß geworden", sagt Richard, der smarte Frontmann, im lupenreinen Englisch, "diese Songs begleiten meine Geschwister und mich, seit wir denken können." Die Mutter ist Engländerin, sie wuchsen dreisprachig auf. Das hilft. Vor allem, weil es den Micallefs neben den Pilzköpfen aus Liverpool auch der etwas kantige Country-Bär aus Kingsland, Arkansas angetan hat: Johnny Cash. Wohl auch deshalb hat sich Richard vor Jahren in den Appalachian Mountain Dulcimer verliebt - ein viersaitiges, eigenwillig anmutendes Instrument, das vor allem im traditionellen Bluegrass und Country zum Einsatz kommt. "Kein anderes Instrument klingt so schön", schwärmt Richard, "und es ist gar nicht so schwer zu spielen." Zum Beweis schlägt er ein paar Akkorde und Melodien an und entlockt dem Instrument ein paar herrliche Country-gefärbte Töne.

"Country Music hat etwas Gefühlvolles. Die Stories sind glaubwürdig und die Musik bleibt im Ohr", sagt Wayne, der mit seinem Vornamen ohnehin auf Country und Western gepolt sein muss, und bei Firelight Gitarre und Keyboards spielt. Wayne ist in der Band auch derjenige, der am Mischpult schraubt und dreht, der die Mikrofone so hinstellt, dass die Übertragung ohne Feedback funktioniert und der im Studio für den Gesamtsound der Band verantwortlich ist. Jedes der sechs Bandmitglieder hat seinen Part, seine Aufgabe - die auch über das pure Musikmachen hinausreichen kann. Das ist schlau und professionell. Denn eine Band ist ein Unternehmen in das sich jede und jeder einbringen muss. Wie in einer Firma, ist auch bei einer Band das Betriebsklima wichtig für den Erfolg. Bei Firelight sollte das kein Problem sein. Denn neben Richard und Wayne mischen noch weitere Musiker/innen aus dem Hause Micallef mit: der "kleine Bruder", wie Wayne mit großbrüderlichem Grinsen über Gitarrist Daniel sagt. Und Sängerin Michelle Mifsud, die große Schwester der drei. "Sie ist der Boss", sagt Richard über Michelle, "die Mutter der Band." Sie quittiert es mit einem fröhlichen Lachen und meint, dass sie zwar nicht die Mutter der Kompanie, aber vielleicht ab und zu die Stimme der Vernunft dieser außergewöhnlichen Familienband sei.

Mit rationaler Vernunft war es beim Song Contest-Finale allerdings nicht mehr so weit her. Zu groß, zu gigantisch und zu aufregend ist so eine Show. Für Richard war es indes keine neue Erfahrung. Er hat schon vor ein paar Jahren als Solo-Interpret beim Song Contest teilgenommen - und dabei ist er auf den Geschmack gekommen: "Es ist einfach eine fantastische Erfahrung", sagt er, blickt in die Runde seiner fünf Bandkollegen, alle nicken sie zustimmend, "der Aufwand ist so enorm und das Adrenalin pulsiert nur noch so in deinen Adern. Es ist fast wie im Rausch." So um die 120 Millionen Fernsehzuschauer verfolgen jedes Jahr das weltweit größte Wettsingen. Eine Menge, die man sich nicht vor Augen führen sollte, wenn man dabei ist, die Song-Contest-Bühne zu betreten. "Da würde man ja durchdrehen", meint Michelle, "das muss man für den Moment einfach ausblenden und versuchen, eine so gute Performance wie möglich hinzulegen. Ich denke, das ist uns ganz gut gelungen."

Kann man so sagen. Das Feedback auf die Show war durchwegs positiv. Vor allem aus Deutschland. Es hat nicht lange gedauert, da waren Firelight fest mit deutschen Unternehmen verbandelt: Plattenfirma, Management, Promotion-Firma - alle in Deutschland ansässig. Da ist es auch kein Wunder, dass Firelight mit ihrem Debüt-Album "Backdrop of Life" zunächst den deutschen Markt erobern wollen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind Firelight für alle Anfragen offen. Sogar wenn es um einen Auftritt beim Münchner Oktoberfest geht. Bassist Tony Polidano: "Klar, das haben wir gemacht. Das war lustig. Wir haben für den kleinen Showcase extra einen Oktoberfest-Hit eingeübt: "Fürstenfeld" von STS." Da Firelight bei allen Terminen ihre Instrumente dabei haben, stimmen sie den Bierzelt-Gassenhauer gleich mal während des Interviews an - und begeistern sofort mit ihrer überwältigenden Musikalität und Spielfreude. Es wird deutlich: Auch wenn Richard, Michelle, Wayne & Co. gerne über ihre Band, ihre Musik, über ihre Pläne und Ziele sprechen - glückselig sind die sechs erst, wenn man sie Musik machen lässt. Mit dieser ansteckenden Begeisterung darf man den sechs aus Malta noch einiges zutrauen.

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