Lady A - Need You Now

CD Cover: Lady Antebellum - Need You Now

Innerhalb von zwei Jahren sind Hillary Scott, Dave Haywood und Charles Kelley, besser bekannt als Lady A, vom Nobody zum Superstar avanciert. Doch, das geht. Zumindest dann, wenn die Chemie passt, wenn Talent und professionelle Einstellung da sind und – wie in ihrem Falle – noch ein paar gute Kontakte im Spiel sind. Immerhin ist Charles Kelley der Bruder von Popmusiker Josh Kelley und die Mutter der süßen Hillary Scott ist keine geringere als Linda Davis, der mondäne Country-Star der 90er Jahre. Mit so einem Stammbaum gesegnet, ist auch ein Senkrechtstart á la Lady A drin – inklusive Hitsingles, Nummer Eins-Alben und sogar Grammy Award.

Vermutlich hätten die drei adretten Newcomer aber auch ohne familiäre Connections rasant Karriere gemacht. Dafür spricht allemal ihr zweites Album "Need You Now". Der Grund: das Trio hat innerhalb ihrer kurzen Vita bereits so etwas wie einen eigenen Sound für sich entdeckt – ein harmonisch ausgewogener Cocktail aus mehrstimmigem Gesang, eingängigen Melodien und Arrangements zwischen Country, Rock und Pop. Ein Mix aus Tiefgang und Leichtigkeit, aus Liebe und Liebesleid. Das ist nicht gerade neu, dafür aber kompetent und charmant umgesetzt.

Man nehme nur den Opener und Titelsong: An eine großartige Strophe schmiegt sich ein noch großartigerer Refrain; ein perlendes Klavier und eine wehmütige Slidegitarre bilden das musikalische Fundament für Hillary Scott und Dave Haywood, die sich hier als Leadstimmen abwechseln. Klar ist das höchstens so Country wie Fleetwood Mac jemals waren – aber es ist immerhin auch nahezu so starker Pop wie zu Mac’s "Rumours"-Zeiten. Und das will schon was heißen.

Mit dem anschließenden "Our Kind Of Love" können sie dieses vorgegebene Song-Niveau sogar halten. Ein Song, der erneut entfernt an Fleetwood Mac erinnert. Im sehnsüchtigen Refrain aber noch mehr an Bryndle, eine völlig zu Unrecht in Vergessenheit geratene Formation, zu der immerhin Meister-Musiker wie Andrew Gold (Linda Ronstadt) und Karla Bonoff gehörten.

Dieses aus Westcoast-Pop und Country-Folk angerührte Fahrwasser verlassen die drei im Verlauf ihres zwölf Songs umfassenden CD-Törns nur noch selten. Wenn, dann vor allem bei Balladen – wie dem schwerblütigem Klavierstück "Hello World", der im Dreivierteltakt gehaltenen Ode "If I Knew Then" und dem ziemlich opulenten "Ready To Love Again".

Um deutsche Musikkonsumenten ja nicht mit zu viel Country-Feeling zu erschrecken, gibt es neben der US- eine internationale Version der CD. Die fällt – oh Wunder! – rockiger und poppiger aus, als die amerikanische Variante. So verzichtete man für den deutschen Markt beispielsweise auf den Song "Something ‘Bout A Woman" – was ein herber Verlust ist. Denn der halbwegs traditionelle Country-Pop-Song gehört zweifellos zu den Highlights der CD. Wett machen sollen dies "Lookin‘ For A Good Time" und "I Run To You" – zwei Songs, die sich nicht auf dem amerikanischen Tonträger finden, sondern noch vom Debutalbum "Lady A" stammen. Die mit ihrem recht unbekümmerten, frischen Pop-Rock zwar kein Countrygefühl aufkommen lassen, für deutsche Ohren aber perfekt geeignet sein sollten. Wer genau hinhört, kann bei dem sehr flotten, rockigen "Lookin‘ For A Good Time" im Hintergrund trotzdem eine zaghafte Fiddle ausmachen. Ganz schön mutig von den Produzenten ... Oder sie wurde beim Entcountryfizieren einfach überhört. 

Fazit: Starke Stimmen, schöne Harmonien, edler Pop – das Trio schwingt sich auf in die Superstar-Liga. Auch wenn Country nur noch eine untergeordnete Rolle dabei spielt, ist die CD trotzdem sehr empfehlenswert.

vgw
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