Ann Doka - Red Lines

CD Cover: Ann Doka - Red Lines
 
 

Ann Doka hat sich in der deutschen Country-Szene mit den Jahren einen Namen gemacht. Kompromisslos ging sie ihren Weg und setzt mit "Red Lines" nun einen weiteren Meilenstein, der dabei nicht aus dem Rahmen fällt, sondern die Beständigkeit der Songschreiberin untermauert.

Die 2026er Veröffentlichung "Red Lines" ist das vierte Studio-Album von Ann Doka

Seit sie im Jugendalter mit Country Music in Berührung kam, habe diese sie nicht mehr losgelassen, so Ann Doka. Jetzt veröffentlicht die mittlerweile in Bremen lebende Künstlerin bereits ihr viertes Studioalbum und gibt darin viel Persönliches aus ihrem Leben preis. Dabei hat sie sich erneut für die bewährte Zusammenarbeit mit ihrem in Kalifornien ansässigen Produzenten Jonathan Rice entschieden.

Ihre erste Gitarre hielt sie mit sechs Jahren in der Hand und erinnert sich, wie sie später in ihrer Jugend in Hessen begeistert den amerikanischen Sender AFN gehört habe. Es war die Zeit der Boy Groups und auch sie sei entflammter Fan von All-4-One gewesen. Irgendwann sei ihr dort die Version von "I Swear" von John Michael Montgomery untergekommen und sie habe es nicht glauben können - das sollte ein Country Song sein? Tatsächlich. Wenngleich ihre erste eigene Band später erst mal eine Punkband war, blieb ihre Begeisterung für Künstlerinnen und Künstler dieser Zeit, wie Garth Brooks, Phil Vassar oder Jo Dee Messina.

Auch heute werde Ann Doka noch immer von aktuellen Stars, wie Lainey Wilson, vor allem derzeit jedoch von Sons of Legion inspiriert, ihre eigene Richtung hat sie für "Red Lines" bewusst jedoch im Pop-Country angesetzt.

Die rote Linie nicht überschreiten

Früher oder später kommen wir alle an den Punkt im Leben, an welchem wir lernen, Grenzen zu setzen, um uns vor Überlastung zu schützen, wo wir vom Gegenüber Respekt einfordern und nicht mehr jedes Verhalten tolerieren. Hiervon möchte uns Ann Doka in ihrem Album erzählen. Sie baut eigene Erfahrungen in ihre Lieder ein, sagt von sich, auch sie habe gespürt, mutiger geworden und nicht mehr so gefällig zu sein.

Auch, wenn sie es vermeide, politische Aussagen offensichtlich zu treffen, möchte sie doch, wie sie angibt, gewisse Dinge nicht mehr hinnehmen und manches nicht ignorieren, sondern "nicht schreiend", jedoch vermittelnd einschreiten. Eben die "rote Linie" ziehen und nicht mehr mitgehen. Auch, wenn es einem manchmal in dieser Welt auch eher so zumute ist, dass man sich lieber verkriechen möchte, bis alles wieder in Ordnung ist. Darüber habe sie ihren Song "Under Covers" geschrieben.

Auch die Studiomusiker spielten ihren Part für "Red Lines" in San Francisco ein. Jennifer Mayer, die US-amerikanische Textdichterin und Freundin von Ann Doka allerdings, lebt glücklicherweise inzwischen in Deutschland, was es den beiden ermöglichte, an den Texten vor Ort gemeinsam zu arbeiten. Beispielsweise an "Hunters Moon". Dieser symbolisiert den Vollmond, bei dem ursprünglich der Jäger im hellen Mondlicht seine Beute erlegen konnte. Im Song geht es jedoch um den Jagdmodus an sich (eines Mannes), um jemanden, der in seiner Unbeständigkeit und dem Getriebensein lebt.

Dass man ein gebrochenes Herz jedoch auch heilen kann, erzählen Ann Doka und Jennifer Mayer im "Wabi Sabi Heart". Die alte buddhistische Lehre, Dinge in ihrer Unvollkommenheit und Vergänglichkeit zu akzeptieren oder auch zu reparieren, wie die Tasse, deren Risse man mit Gold kittet.

Ihren Sinn für Gerechtigkeit habe Ann Doka von ihrem Vater, erzählt sie. Er habe ihr beigebracht, ihre eigenen Stärken zu nutzen, um ihre Persönlichkeit zu kräftigen. Sich nicht über andere Menschen stellen. "Dancing with Lions" handelt davon, auf gleicher Ebene mit anderen zu sein, Akzeptanz zu üben.

Where The Cold Winds Blow

Wer die überaus erfolgreiche TV-Serie "Nashville" gesehen und deren Soundtrack noch im Ohr hat, der mag bei einem Song auf "Red Lines" vielleicht einen Flashback erleben. Nicht, weil er diesen dort schon gehört hat, sondern weil er vom Stil einfach komplett dorthin passen würde. Auch das Thema von "Where The Cold Winds Blow" trifft den ewigen Konflikt zwischen zwei Freundinnen exakt, wobei diesen wohl auch jeder in seinem Leben schon durchgemacht hat. Wenn eine Freundschaft in emotionale Kälte umschlägt, ein Prozess der Distanz einsetzt und man meint, das Gegenüber werde einem fremd.

Wir müssen es benennen - bei allen Country-Einflüssen in Ann Dokas Musik, bleibt die Suche danach auf dem aktuellen Album tatsächlich eher mühevoll. Wer Pop-Country mag, wird auf diesem exzellent produzierten Werk dafür mit Sicherheit nicht enttäuscht und sind wir ehrlich, wie oft findet man solche Werke hierzulande? Ein Song auf "Red Lines" sticht dann beim Durchhören doch noch ins Auge, oder besser ins Ohr. "On Paper" ist so ein herrlicher Retro-Song, der direkt die Fortsetzung von Shania Twains "Any Man of Mine" sein könnte, der vor über 30 Jahren die Charts stürmte. Doch während man damals den Kerl noch im Griff hatte, muss sich die Frau im Lied mit der heutigen Kennenlernkultur auseinandersetzen und sie plagt die Sorge, dass er eben "auf Papier" beziehungsweise online einen so tollen Eindruck gemacht hatte, der sich im wahren Leben dann als Enttäuschung herausgestellt hat.

Fazit: Ann Doka steht dazu, keinen Nashville-Country zu machen, sondern bei "Red Lines" den Pop-Einfluss überwiegen zu lassen. Dennoch ist ihre Musik echt und in jedem Fall authentisches Storytelling.

1 Arid Land
2 Dancing with Lions
3 Under Covers
4 Hunter's Moon
5 A Break
6 Muse
7 On Paper
8 Let Them
9 Where the Cold Winds Blow
10 Wabi Sabi Heart
11 New Land
vgw
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