Der Ex-Beatle Ringo Starr melden sich mit seinem zweiten Coutry-Album "Long Long Road" zurück
Etwas mehr als ein Jahr später setzt "Long Long Road" Starrs Country-Comeback – oder genauer gesagt: sein von Country geprägtes Comeback – fort. Es überrascht nicht, dass Burnett zusammen mit vielen der gleichen handverlesenen Begleitmusiker und Gäste (Molly Tuttle und Billy Strings) ebenfalls mitwirkt. Starrs 22. Album bietet zehn frische Darbietungen, von denen die meisten von Burnett geschrieben oder mitkomponiert wurden (Ringo Starr ist bei drei Titeln als Mitautor genannt) sowie eine Handvoll Profis
Mit mittlerweile 85 Jahren klingt Ringo Starr genau so, wie er vor einem halben Jahrhundert "Don't Pass Me By", "This Boy", "Octopus's Garden" und eine Handvoll anderer Beatles-Songs sang. Wie schon auf der vorherigen Sammlung "Look Up" verbindet Burnett Country, Folk, Pop und Americana zu einem geschmeidigen, wenn auch weitgehend im Retro-Stil gehaltenen Album, das Ringos umgänglichen, lockeren Gesang und seine freundliche, optimistische, mit dem Peace-Zeichen grüßende Lebenseinstellung in den Mittelpunkt stellt.
Ringo Starr ehrt Carl Perkins
Der Eröffnungssong "Returning Without Tears", ein Duett mit Molly Tuttle, ist von keltischen Klängen durchzogen. Auch der Geist von Carl Perkins, einem besonderen Liebling von Ringo Starr (er nahm bekanntlich zwei Perkins-Covers mit seiner alten Band auf), taucht auf. T Bone Burnett, stets der Musikwissenschaftler, hat "I Don't See Me in Your Eyes Anymore" ausgegraben, einen Oldie aus dem Repertoire des Sängers und Gitarristen des Sun-Labels. Der Song passt perfekt zu Starrs zurückhaltender Stimme und seiner großartigen Begleitband, in der Colin Lindens Gitarre mit Hall besonders hervorsticht. Die im Stil der 60er Jahre gehaltene "Doo-bopp-bopp-shoodoo"-Begleitung von Daniel Tashian untermalt die melancholischen Texte mit einem stilvollen, erhabenen Bar-Twang.
Doch einige der besten Stücke enthalten nur einen Hauch von Country. Das gilt für "You and I (Wave of Love)", wo Molly Tuttle den Gesangspart übernimmt und Ringo Starr in sanften Harmonien begleitet. Burnetts langjähriger Weggefährte David Mansfield sorgt mit dezenten Streichern für ein Juwel, das so mühelos dahinschwebt wie flauschige Frühlingswolken am klaren blauen Himmel. Burnetts verspieltes, von Bluegrass geprägtes "Why" erinnert an den Pop/Country der Everly Brothers und besticht durch raffiniertes Akustikgitarrenspiel von Molly Tuttle und Billy Strings.
Starrs Stimme passt wunderbar zum melancholischen, bluesigen Folk von "She's Gone". Er singt "I'll have to live without her / There's nothing left to say" mit einem Anflug von Bedauern, doch auch mit dem Gefühl, dass es das Beste ist, weiterzumachen, nachdem seine Partnerin ihn aufgrund von Umständen rund um eine verpasste Verbindung verlassen hat.
"Choose Love" weist psychedelische Anklänge im Stil der Beatles auf und nimmt in seinem Text zudem Bezug auf den Titel "The Long and Winding Road". Flötenartige Keyboard-Triller flattern dahin und die Pedal-Steel-Gitarre veredelt dieses Folk-Rock-Juwel, das einzigartigste und zugleich ausgefallenste Stück des Albums.
Die weiteren Songs auf "Dandelion"
Americana-Star Sarah Jarosz unterstützt Tuttle im Hintergrundgesang des peppigen "It's Been Too Long", das trotz vier überlagerter Gitarren und Farfisa ein uriges, luftiges Gefühl bewahrt. Man kommt nicht umhin, die Eröffnungsharmonien des Titelsongs, als von den Beach Boys beeinflusst zu bezeichnen. Als letzter Song der Platte rät Ringo Starr dem Zuhörer, die Veränderungen des Lebens mit besonnenem Kopf zu meistern, und fügt in der Mitte einen Sprechgesang-Part hinzu.
Der bescheidene, lockere, mühelose Groove spiegelt sich in den kürzeren Songlängen wider. Da vier der Titel auf "Long Long Road" die Drei-Minuten-Marke nicht überschreiten und nur einer die Vier-Minuten-Marke erreicht, verstehen T Bone Burnett und Ringo Starr die Essenz der Kürze, ohne dabei jedoch jemals auf Kosten der Eile zu gehen. Sie bilden ein beeindruckendes, perfekt aufeinander abgestimmtes Team. Wenn diese beiden herausragenden Titel ein Indiz sind, sollte Ringo Starr – nun ja, mit ein wenig Hilfe von seinen Freunden – diesen organischen und natürlichen Weg weitergehen.
Fazit: Der Stimme von Ringo Starr fehlt immer noch der richtige Twang, aber die Gäste und T Bone Burnett aus "Long Long Road" ein hörenswertes Album. Der x-Beatle kann und sollte diesen Weg weitergehen.












