Vincent Neil Emerson - Blue Stars

CD Cover: Vincent Neil Emerson - Blue Stars
 

Sänger, Songschreiber, Texaner mit indianischen Wurzeln, absoluter Kenner der "Geschiedenen-Vater-Küche" – und zwar in einem Maße, dass er mittlerweile seine eigene Kochshow hat – all das sind Eigenschaften, auf die Vincent Neil Emerson stolz ist. Doch all diese Eigenschaften treten in den Hintergrund, wenn er sich mit Stimme und Reimen in einer der mühelosesten und entwaffnenden Darbietungen der Country Music austobt, die wie eine angenehme Brise an einem Frühlingsnachmittag über einen hinwegstreicht, während man auf der Veranda faulenzt.

Auf "Blue Stars" kehrt Vincent Neil Emerson zu alter Stärke zurück

Diskussionen über Vincent Neil Emersons neues Album "Blue Stars" sollten damit beginnen, ob es als Meilenstein seiner Karriere zu betrachten ist. Nach seinen letzten beiden Alben, die zwar immer noch von wirklich guter Qualität waren, aber vielleicht etwas an Schwung gegenüber seinem Debüt "Fried Chicken and Evil Women" (2019) verloren hatten, sorgte Emerson dafür, dass die Leidenschaft auf diesem reichhaltigen, vielfältigen und dennoch zusammenhängenden und vollständigen Album über zwölf durchgängige Tracks hinweg wirklich aufrechterhalten bleibt.

Vincent Neil Emerson gibt auf seinem neuen Album "Blue Stars" alles

Bei den ersten drei Songs von "Blue Stars" geht es darum, jene entspannte Stimmung zu schaffen, die Emerson so mühelos gelingt. Es ist Musik, die hilft, die trüben Seiten des Lebens wegzuschmelzen – und genau darin ist der Country-Sänger am besten. Die nächsten Songs "Blue Star" und "Dark Horse" sind eher autobiografisch und erzählerisch, eignen sich aber dennoch ideal, um eine angenehme Stimmung zu schaffen. Man wäre schon zufrieden, wenn sich der Rest des Albums so entfalten würde. Das ist es, was man von Vincent Neil Emerson erwartet.

Die zweite Hälfte von "Blue Stars" besticht jedoch durch eine gewisse Tiefe und Charakterstudien, die dem Album zusätzliche Glaubwürdigkeit verleihen und reichlich Stoff zum Nachdenken bieten, ohne dabei jemals anspruchsvoll zu wirken. Vincent Neil Emerson lässt gerne seine indigene Seite in seine Musik einfließen. Dies kommt am deutlichsten im letzten Song des Albums, "Rising of the Sage", zum Ausdruck, wo die indianische Flöte wirklich dazu beiträgt, die Kulisse heraufzubeschwören, ist aber auch im Herzschlag und in der Perspektive des Songs "Rich Man" zu hören.

"Angeline" mag zwar nach einer Frau benannt sein, doch der Song ist eine Geschichte über das Lebensende eines alten Mannes, die man sich dank der Art und Weise, wie Emerson die Geschichte der Figur zum Leben erweckt, leicht vorstellen kann. Obwohl er an vorletzter Stelle der Trackliste steht, ist "Chippin' at the Stone" nicht zu übersehen und könnte der beste Song des Albums sein. Erneut hat Emerson alle Songs für das Album selbst geschrieben.

Im Pantheon der Musikunterhalter ist Vincent Neil Emerson eher ein Wanderer als ein Superstar

In der Vergangenheit hat Vincent Neil Emerson mit namhaften Produzenten wie Shooter Jennings bei "The Golden Crystal Kingdom" (2023) und seinem texanischen Landsmann Rodney Crowell bei dessen selbstbetiteltem Album (2021) zusammengearbeitet. Der Produzent Patrick Lyons, der vor allem für seine Zusammenarbeit mit Colter Wall bekannt ist, mag im Vergleich zu diesen beiden als weniger auffällige Wahl gelten. Er gehört nicht zu den Produzenten, deren Name in Pressemitteilungen noch vor dem des Künstlers steht. Doch auch Lyons erweist sich als ideale Wahl.

"Blue Stars" bringt das Beste aus Vincent Neil Emerson und seinen Songs zum Vorschein und wirkt keineswegs in seiner Bandbreite eingeschränkt. Zwar weist die Musik durchaus einige Western-Anklänge auf, doch was auch immer ein Song erfordert, das bekommt er: vom geschickten Einsatz von Bläsern in "Louisiana Wind", der eine Verbindung zu Emersons Titeltrack "Blue Stars" herstellt, über die verzerrte Gitarre in "See My Pony Run" bis hin zum Rhythmuswechsel in "Chippin' at the Stone", der die Emotionen des Songs wirklich zum Vorschein bringt.

Fazit: Vincent Neil Emerson erkundet auf "Blue Stars" alltägliche und universelle Themen und veredelt sie dann mit seiner lockeren Art, was zu beruhigender, aber lebhafter Musik führt, die einen die Facetten des Lebens umso mehr schätzen lässt.

vgw
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