Das Album "Nashville" von Peter Maffay & Johannes Oerding - so muss ein Duett-Album klingen
Dass Harley-Fan Peter Maffay ein Faible für Country hat, ist nicht gerade neu. Neu aber ist, dass er jetzt gemeinsam mit seinem Kumpel Johannes Oerding, der locker auch sein Sohn sein könnte, ein Album im Country-Mekka aufgenommen hat: "Nashville" bietet elf, in den legendären Bluebird Studios aufgenommene Tracks, die das Genre zwar nicht gerade neu definieren, aber durchaus beweisen, dass Country und Americana auch bestens in deutscher Sprache funktionieren. Ein gelungenes Experiment. Ein Album, das jede Menge Hörspaß verspricht.
Perfektes Match: Peter Maffay & Johannes Oerding
Dass sich die beiden Musik-Recken gemeinsam auf den Weg nach Nashville gemacht haben, ist ja schon erstaunlich. Dass die beiden – Maffay ist 77, Oerding 44 – aber gesanglich und atmosphärisch so gut harmonieren, ist noch weitaus überraschender. Hier hat man zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, es mit Interpreten aus zwei verschiedenen Generationen zu tun zu haben. Im Gegenteil. Maffay und Oerding spielen sich die musikalischen Bälle zu, sie unterstützen und ergänzen sich. Nie hat man das Gefühl, dass bei den Sessions persönliche Eitelkeiten im Spiel gewesen wären, nie drängt sich einer zu sehr ins akustische Rampenlicht. So, genau so funktionieren Duett-Alben.
Wenn es mit dem Opener, der ruhigen, ganz im Folk angesiedelten Ballade "Weiter" losgeht, spürt man sofort die stimmige Chemie der beiden Sänger. Man glaubt: Maffay wird durch Oerding um 15 Jahre jünger, Oerding durch Maffay um 15 Jahre reifer. Perfektes Match! So können sie Tracks wie die flotte, mit gefälligen Pop-Zutaten versehene Americana-Nummer "Ein Leben lang ist nicht lang", den akustisch gehaltenen Country-Folk "Nach Hause" oder den düsteren, mit einer klaren politischen Message versehenen Country-Rocker "Sisyphos" mit Glaubwürdigkeit und Authentizität aufladen.
Auch wenn das Album "Nashville" heißt und auch wenn es in einem der geschichtsträchtigsten Studios der Tennessee-Metropole aufgenommen wurde, ist es kein typisches Country-Album. Man könnte sagen: zum Glück. Denn hätten sich die beiden tatsächlich den musikalischen Spielregeln des Genres unterworfen, hätte das auch etwas peinlich werden können. Es hätte etwas von Camouflage, von so-tun-als-ob, oder - für den einen oder anderen - von kultureller Aneignung. So aber streuen die beiden mit leichter Hand so manche Insignie der Stilrichtung ein: mal erstrahlt eine Resonator-Gitarre, mal sorgt eine fröhliche Fiddle für Roots-Vibes, mal sind es rustikale Honky-Tonk-Grooves.
"Nashville" - der Name ist Programm
Natürlich sorgen auch die (guten) deutschen Texte dafür, dass sich die beiden ihre künstlerische Identität bewahren. Im Gegensatz zu manchem deutschen Country-Acts packen sie aber auch mal heiße Eisen an (wie im erwähnten "Sisyphos") oder sie geben sich, wie in dem schönen Country-Folk-Track "Herz wieder bricht" verletzlich - oder über beide Ohren verliebt, wie in dem berührenden Lovesong "Schön, dass es dich gibt".
Zu den weiteren Highlights des Albums gehören das flotte, Gute-Laune machende "Kneipen-Skiffle" und das lässige, im trägen Midtempo gehaltene "Ganz schön perfekt". Der Titel ist thematisch im Hohen Norden Deutschlands angesiedelt: Ein Tag in Hamburg an der Elbe; es geht um das Geschrei der Möwen und um das Fernweh, das aufkommt, wenn die großen Pötte an einem vorbeiziehen. Man hätte es nicht für möglich gehalten, wie gut dieser Stoff mit kernigen Country-Rock-Klängen harmoniert.
Fazit: Peter Maffay und Johannes Oerding trennen 33 Lebensjahre - dennoch harmonieren die beiden auf "Nashville" perfekt: ein starkes, deutschsprachiges Country-Rock- und Americana-Album.










