Chase Rice entwickelt sich weiter und zeigt Emotionen auf seinem neuen Album "Eldora"
Alben wie "The Album" und insbesondere "I Hate Cowboys & All Dogs Go to Hell" markierten einen Wendepunkt, an dem Chase Rice sich rohen, ungeschminkten Texten und einer reduzierten Produktion zuwandte, die Verletzlichkeit statt Prahlerei in den Vordergrund stellten. Dieser Wandel erweiterte nicht nur sein künstlerisches Spektrum, sondern überzeugte auch Kritiker und Fans, die ihn einst als Produkt der Nashville-Fließbandproduktion abgetan hatten.
Mit seinem neuen Album "Eldora", das durch die ergreifende neue Single "Circa 1943” angekündigt wurde, scheint Chase Rice bereit zu sein, seine Neuerfindung zu festigen und die organische Trilogie seiner Albumveröffentlichungen zu vollenden. Rice gibt sich nicht mehr damit zufrieden, die Rolle eines Genre-Leichtgewichts zu spielen, sondern schafft sich nun einen Platz als Handwerker - als Künstler, der bereit ist, kommerzielle Formeln für Musik zu riskieren, die emotionale Tiefe vermittelt. Wenn die ersten Anzeichen ein Indikator sind, könnte "Eldora" das Projekt sein, das Chase Rices Reise vom Hitmacher zum wahren Geschichtenerzähler vollendet.
"Eldora" basiert nicht mehr stadiontauglichen Hymnen
Schon in den ersten Augenblicken von "Cowboy Goodbye" wird klar, dass dies kein Album ist, das auf stadiontauglichen Hymnen basiert, sondern auf Geständnissen am Kaminfeuer. Begleitet nur von einer Akustikgitarre singt Rice mit müder Fülle über die Opfer eines tourenden Sängers und vergleicht seine Abreisen mit einem Cowboy, der alleine davonreitet. Die Coda - der endgültige Abschied seiner Geliebten - trifft wie ein leiser Dolchstoß und signalisiert, dass dieses Album keine emotionalen Risiken scheut. Es ist Rice in seiner ungeschütztesten Form, ein roter Faden, der einen Großteil von "Eldora" zusammenhält.
Diese Intimität wird durch Vielfalt ergänzt, da Rice durch Kollaborationen und Produktionsentscheidungen den Umfang seines Geschichtenerzählens erweitert. "Tall Grass" mit Kashus Culpepper und Elvie Shance beschäftigt sich mit Fragen der Wahrheit und Freiheit, untermalt von funkigen, schleichenden Gitarren und mantraartigen Wiederholungen: "Glaubst du alles, was du im Fernsehen siehst?", fragen sie an einer Stelle, und die atmosphärische Verzerrung und der entspannte Groove des Tracks erweitern Rices Palette und machen ihn zu einem Southern Rocker mit Biss.
Der Titelsong "Eldora" ist vielleicht das Herzstück des Albums und beschwört mit verträumten Gitarrenklängen und zurückhaltendem Gesang die staubige Romantik der Straße herauf. "Ich habe fast alles, was ich brauche, in diesem vollgepackten Eldorado, und wir sehen uns heute Abend", singt Rice und beschwört damit die lange Fahrt in Richtung Frieden und Zuflucht herauf. Der Song ist bewegend und filmisch, als würden die Zuhörer mit ihm auf dem Beifahrersitz über Bergpässe fahren. Dieses Gefühl von Ort und Raum setzt sich in "Two Tone Steppin'" fort, einem Barroom-Shuffle mit Wyatt McCubbin, der wie ein Dwight-Yoakam-Klassiker vorwärtsprescht. Dieser Track konzentriert sich weniger auf Geschichte und Erzählung, sondern mehr auf Rhythmus, Kadenz und Swing - eine Verschnaufpause auf dem Album, die daran erinnert, dass Rice immer noch einen Raum zum Tanzen bringen kann, wenn er es will.
Die vielleicht überraschendste narrative Wendung findet sich in "Mr Coors", einem cleveren Story-Song, der die Reise eines Einwanderers nach Denver in den 1860er Jahren und die Gründung der Coors-Brauerei nachzeichnet. Mit trauriger Geige und Western-Flair gelingt es Rice, eine Hommage an das Bier in ein nachdenkliches Stück Geschichte zu verwandeln. "Was zum Teufel würden wir heute trinken, wenn er nicht den Weg dafür geebnet hätte? Auf das Wasser der Rocky Mountains!" prostet er und schafft dabei einen Ausgleich zwischen Ehrfurcht und Witz. Aber die Leichtigkeit ist nur von kurzer Dauer, denn als nächstes kommt das emotionale Herzstück des Albums: "Circa 1943".
"Circa 1943" ist das herzstück auf "Eldora"
"Circa 1943" ist der Tiefschlag von "Eldora", einer Kriegsballade über Liebe und Verlust, die aus dem großen amerikanischen Songbook stammen könnte. Inspiriert von den Namen seiner Großeltern, aber nicht von ihrer Geschichte, erzählt Chase Rice die Geschichte eines Soldaten und einer Krankenschwester, die durch Schicksal, Herzschmerz und Vermächtnis miteinander verbunden sind. Der Soldat wird getötet, bevor er erfährt, dass er ein Kind hinterlässt; die Krankenschwester findet schließlich ihren Weg nach Superior, Montana, und trägt dabei gleichermaßen Trauer und Hoffnung in sich. Musikalisch passt sich der Song seiner erzählerischen Kraft an - mit dunklen Western-Gitarrenklängen, Fiddle-Akzenten und Rices bisher leidenschaftlichster Gesangsdarbietung. Es ist ein Song, der nachhallt und der bestätigt, dass Rice neues künstlerisches Terrain betreten hat.
Selbst in den Liebesliedern des Albums widersteht Rice Klischees. "Country and Western" mit Madeline Edwards ist ein bluesgetränktes, sinnliches Duett, das auf geflüsterten Vocals und rauchiger Gitarre aufgebaut ist. "Du zeigst mir Texas und ich zeige dir Wyoming", neckt Rice, bevor sich der Refrain zu seinem lustvollen Refrain entfaltet: "Du zeigst mir Country und ich zeige dir Western." Der Track brodelt und steigert sich zu einem gespenstischen Höhepunkt, untermalt vom Ruf einer Waldschnepfe. Ähnlich ist "Namin’ Horses” von Lagerfeuer-Stimmung durchtränkt, eine wehmütige Ballade über den Aufbau eines Lebens und eines Zuhauses. Rice malt mit sanften Strichen - Veranden, Hunde, Sonnenuntergänge - und liefert dabei eine der zärtlichsten Liebeserklärungen des Albums.
Im Gegensatz dazu hellt "Cottonmouth" die Stimmung wieder auf, ähnlich wie zuvor "Two Tone Steppin'". Eine fröhliche, selbstironische Geschichte über jugendliche Unschuld und erste Erfahrungen mit Gras. Es ist ein Augenzwinkern inmitten eines ansonsten schwergewichtigen Albums, ein Beweis dafür, dass Rice weiß, wie man Schatten und Licht in Einklang bringt.
Die neue Welt von Chase Rice
Der nachdenkliche Ton kehrt in "Good Side of Gettin’ Older" zurück, wo gezupfte Gitarren und Banjo Rices Erkenntnis des Erwachsenwerdens untermalen: "Das Leben hat mich dazu gebracht, andere Songs zu schreiben.” Es ist ebenso sehr eine Absichtserklärung wie ein Songtext, der Klang eines Künstlers, der die Reife annimmt und dabei seine Freude bewahrt. "One Drink Long" trägt diesen zeitlosen Geist noch weiter, seine akustische Melodie aus den 1960er Jahren und die weiblichen Harmonien erzählen eine Geschichte von nächtlicher Verbundenheit mit Vintage-Charme. Es ist die Art von Track, die schon vor Jahrzehnten hätte existieren können, sich aber in Rices neuer Welt vollkommen zu Hause fühlt. Ein sehr moderner Booty-Call-Song, ausgeführt mit zeitlosem Elan.
Der abschließende Titel "Sunsettin" rundet das Album ab und kehrt zu der Intimität des Lagerfeuers zurück, mit der es begonnen hat. Akustische Gitarrenklänge, traurige Geigenklänge und Rices unverfälschter Gesang bilden den Rahmen für eine Meditation über Einsamkeit und Sehnsucht: "Mein Herz ist eine leere Kammer", gesteht er und sucht am Ende des Tages nach Liebe und Sinn. Während das Geigensolo anschwillt und das Schlagzeug einsetzt, verklingt das Album nicht mit einem Knall, sondern mit einem Seufzer, wie Glut, die im Dunkeln glüht. Es ist ein passender Abschluss für ein Album, das Ehrlichkeit vor Glanz und Reflexion vor Prahlerei bevorzugt.
Fazit: Mit "Eldora" hat Chase Rice seine Neuerfindung als Künstler gefestigt und eine Album-Trilogie vollendet, die niemanden daran zweifeln lassen sollte, wozu er als Künstler und Songschreiber fähig ist.









