Kevin Costner

Den Kinogängern ist Kevin Costner seit Jahren bekannt, ob er Whitney Houston als "Bodyguard" beschützt, als Jake nach "Silverado" reitet, als Eliot Ness "Untouchable" ist, als Tom Farrell "No Way Out – Kein Weg zurück" findet oder als Lieutenant Dunbar mit dem Wolf tanzt.

Dass er aber schon seit Jahren Gitarre spielt und singt, ist wohl den wenigstens bekannt. Und "Turn It On" sowie "Untold Truths" sindzwar den Country Fans hier bekannt, aber bei Weitem nicht die einzigen Alben, die Costner veröffentlicht hat. Und wenn wir ganz ehrlich sind, sind viele Besucher zu seinen Konzerten gegangen oder haben sich für die kommenden Konzert Tickets besorgt, weil sie Kevin Costner einfach mal nicht auf der Leinwand, sondern in Fleisch und Blut sehen wollen. Umso schöner ist es, dass de Schauspieler auch mit seiner Musik überzeugen kann und noch schöner ist, dass er zu seinem Genre steht: Countrymusic.

Nicht nur, dass er dazu steht, er kämpft auch hierzulande für einen Image-Wechsel, wie sein Auftritt bei „Wetten Dass…?!“ beweist.

CountryMusicNews.de traf den Country-Sänger und Schauspieler und hat ihm einige Fragen gestellt:

CMN: Der Filmstar Kevin Costner ist weltberühmt, als Rockstar Costner kennen ihn nur Insider. Haben Sie Hollywood gegen die Konzertbühnen getauscht?

Kevin Costner: "Ich stecke mitten in zwei großen Filmprojekten. Die Musik ist nur dazugekommen. Und meine Frau hat mich auf die Bühne getrieben – vor acht Jahren schon gedrängt. Über drei Jahre hab’ ich sie ignoriert, aber dann gab ich ihr recht und setzte mich mit Freunden zusammen und wir probierten einige Songs, die ich in der Schublade hatte. Erst völlig planlos, bis uns der Ehrgeiz packte und wir ernsthaft auf Bühnenreife hinarbeiteten."

CMN: Sie wuchsen in einer recht musikalischen Familie auf. Haben Sie deswegen Musiker werden wollen?

Kevin Costner: "Richtig, Mutter und Tante waren hochmusikalisch. Sie spielten Piano und andere Instrumente, sangen jeden Sonntag Solopartien im Kirchenchor. Und das habe ich alles mitgemacht. Darum wollte ich eigentlich auch Musiker werden. Aber meine Eltern waren strikt dagegen. Künstler waren ihnen suspekt, sie meinten, alle Stars sind problematisch!"

CMN: Ihre Musik ist sehr erdverbunden, so amerikanisch. Ein bisschen Rock, etwas Country, manchmal poppig. Ist das der Costner-Sound?

Kevin Costner: "Wir sind noch etwas auf der Suche. aber die Richtung stimmt. Auf der neuen CD ‚Turn it on’ sind wir schon viel rockiger als auf dem Vorgänger ‚Untold Truths’. Meine Songs schreibe ich mal in Drehpausen, doch meist zu Hause. Ich brauche keine Erlebnisse, keine Abenteuer oder andere Inspirationen, um eine Song zu schreiben. Alltäglichkeiten reichen mir als Idee. Und meine Gitarre. Im Tourbus fallen mir aber keine Songs ein, da habe ich mit meinen Musikern ganz einfach nur Spaß."

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CMN: Auf Ihrer neuen Platte singen Sie mit Sara Beck ein wunderschönes Duett. Warum haben sie keine berühmte Sängerin geholt, etwa ihre Filmpartnerin Whitney Houston oder auch Sheryl Crow?

Kevin Costner: "Es wäre nun wirklich kein Problem gewesen einen Hitstar für mein Duett ‚Let me be the one’ zu gewinnen. Aber ich bin da sehr eigen. Ich wollte es mit der Frau meines Gitarristen, mit Sara Beck, singen, weil ich von ihrer Performance, ihrer unglaublich eindrucksvollen Stimme überzeugt bin. Zugegeben, es ist nicht besonders klug, auf einen Star als Duettpartner zu verzichten. Aber ich stehe hinter solchen Entscheidungen, auch wenn man mir nachsagt, ich sei dumm, weil ich viele gute Schlagzeilen verspiele."

CMN: Es gibt Spötter, die vermuten bei Ihnen eine Midlife-Crisis und dass Sie deshalb ins Rampenlicht drängen, weil auch das Filmgeschäft nicht mehr so rentabel ist.

Kevin Costner: "Nein, so ist das garantiert nicht! Ich mache nur Dinge, die ich liebe. Und mittlerweile macht mir die Musik einen solchen Spaß, dass sie immer mehr in den Vordergrund rückt. Und man soll nicht denken, dass im Filmgeschäft kein Geld gemacht wird. Der Streifen ‚Open Range’ spielte im Kino 60 Millionen ein, also kein Blockbuster. Aber als DVD brachte er 180 Millionen Dollar. Ich wollte eigentlich auch nie eine Schallplatte machen, aber die Leute fragten nach den Konzerten immer nach den Songs. So sind in Europa inzwischen zwei Platten von mir auf dem Markt. In Amerika hab’ ich gar keine Plattenfirma."

CMN: Sie haben eine große Familie und machen Karriere als Hollywood-Star und als Musiker. Wie schaffen Sie das?

Kevin Costner: "Ehrlich, ganz einfach ist das nicht. Es hat auch schon Probleme gegeben, denn ich habe ja auch eine Scheidung hinter mir. Aber zu meinen Kindern habe ich ein optimales Verhältnis – oft auch aus der Ferne. Zwei meiner Kids sind auch Musiker. Und da ich nicht in Hollywood lebe, sondern auf einer Ranch in Aspen (Colorado), kann ich auch Familienvater sein, ohne das Gefühl, etwas publikumswirksames in der Showelt zu versäumen. Hollywood predigt: ‚Ist dein Film ein Renner, dann nutze es und mach’ was draus’. Da bin ich nun ganz anders. Mag sein, dass es für meine Karriere nicht klug ist, dem täglichen Rummel zu entgehen. Aber bei meiner Familie fühle ich mich wohler als auf einem roten Teppich."

CMN: Und wie sieht das Familienleben zwischen Filmdreh und Musik-Tournee aus?

Kevin Costner: "Für mich typisch: in der Freizeit keinen Stundenplan, keine festgeschriebenen Zeiten und Aktivitäten. Derzeit sind meine beiden Jungs, Cayden Wyatt und Hayos Logan, der Mittelpunkt meines Universums. Ich wechsle Windeln und schaue mir zum hundertsten Mal den Kinderfilm ‚Bee Movie – das Honigkomplott’ an. Als begabter Heimwerker habe ich auf der Ranch immer was zu tun. Im neuen Jahr habe ich eine steile Straße auf meinem Grundstück begradigt, weil sie für Kinder zu gefährlich war. Das ist ja das Schöne in meinem normalen Leben: Familie und Filme und Musik, alles zu seiner Zeit."

CMN: Und wann ist Hollywood wieder an der Reihe in Ihrem Leben?

Kevin Costner: "Einen neuen Film drehe ich noch in diesem Jahr. Er spielt im Zweiten Weltkrieg, ich führe Regie und bin auf der Suche nach einem deutschen Schauspieler. Und das muss ein sehr guter sein. Auf meiner Tournee durch Deutschland werde ich einige treffen und mir ein Bild machen. Auf meinem Schreibtisch liegen darüberhinaus vier fertige Drehbücher, die alle filmreif sind. Aber jetzt wird erst einmal Musik gemacht. Ich freue mich auf Europa und ganz besonders auf ein musikliebendes Publikum."

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