Lang lebe die Königin: Kitty Wells wird gefeiert

Kitty Wells bei der Eröffnung der Country Music Hall of Fame and Museum Ausstellung

Kitty Wells sitzt entspannt, beinahe königlich in einem Hinterzimmer der Bücherei in der Hall of Fame und dem Museum für Country-Musik und blickt in der Stille auf ihr Leben zurück.

Die in Nashville Geborene hatte in jüngster Zeit dank einer Ausstellung im Museum viel Gelegenheit, sich zu erinnern. "Kitty Wells: Queen of Country Music, Presented by Great American Country Television Network", diese bis zum 14. Juni 2009 geöffnete Ausstellung stellt den Beitrag ihres Lebens zur Musikgeschichte mit der Ausstellung von Auszeichnungen, Chart-Reproduktionen, alten Fernsehbildern und Bühnenkleidung, einschließlich des rosafarbenen Kleides, das sie 1976 zu den CMA Awards im Grand Ole Opry House trug, als sie in die Hall of Fame aufgenommen wurde, in einen größeren Rahmen.

"Die Dinge liefen wohl ziemlich gut für uns", erinnert sie sich.

Diese Zeile allein zeigt, dass Wells die Queen des Unterstatement wie der Country-Musik ist. "Na ja", setzt sie lächelnd hinzu, "die Angeberei überlasse ich Anderen. Das ist nicht meine Art, mich auf diese Weise wichtig zu machen".

Natürlich würde niemand Wells dafür kritisieren, wenn sie sich ein wenig um Eigenwerbung kümmerte. Bevor Loretta Lynn ihrem Ehemann die Leviten las, bevor Tammy Wynette ihre orchestrierte Ansage herausgeschmettert hatte, bevor Dolly Parton ihr akustisches Süppchen aus Zerbrechlichkeit und Glamour angerührt hatte, hatte Wells bereits eine 14 Jahre andauernde Serie von Top-10-Hits hingelegt, die mit dazu beitrug, dass Frauen als Country-Musikerinnen Erfolg haben können.

Wells war nicht die erste Frau, die in dieser Musik ihre Spuren hinterließ. Patsy Montana verkaufte eine Million Kopien ihres Klassikers "I Want to Be a Cowboy's Sweetheart", der im Jahr 1935 veröffentlicht wurde. Lulu Belle Wiseman wurde als eine Hälfte des Bühnen-Paars Lulu Belle and Scotty für The National Barn Dance bejubelt, das von Chicago aus auf WLS-Radio gesendet wurde.

Aber keine Frau schaffte eine Nr. 1 Hit-Single in den Billboard Hot Country Song Charts, bevor sich Wells diese Auszeichnung im Jahr 1952 mit "It Wasn't God Who Made Honky Tonk Angels" erwarb.

"Ohne die Vorarbeit von Kitty Wells", resümiert Barbara Mandrell in einem berühmten Zitat, das in der Ausstellung Queen of Country Music dokumentiert ist, "hätte es keine Dolly Parton oder Tammy Wynette gegeben, und es gäbe sicher keine Barbara Mandrell".

Kitty Wells Bei der Aufnahme in die Country Music Hall of Fame; Foto: CMADie Größe dessen, was Wells erreicht hat, wird deutlicher, wenn man sie im Kontext ihrer Zeit betrachtet. Frauen erhielten das Wahlrecht im Jahr 1920, gerade einmal 32 Jahre vor dem Beginn ihrer Karriere, und in ihrer kommerziell erfolgreichsten Zeit in den fünfziger Jahren pflegte die Gesellschaft immer noch eine strikte Rollentrennung nach Geschlecht. Männer gingen arbeiten, um mit dem Monatslohn die Familie zu ernähren; Frauen hüteten das Haus und umsorgten die Kinder. Die Frauenbewegung sollte sich erst noch entwickeln, jedoch waren die Frustrationen, die ihr auf den Weg verhalfen, bereits am kochen.

"Kitty hat immer für die Frauen gesprochen", findet Patty Loveless, die viele Coverversionen von Country-Songs aus den Fünfzigern und Sechzigern auf ihrem letzten Album Sleepless Nights veröffentlicht hat. "Ich glaube, dass sie in dieser Zeit eine Stimme für alle Frauen war".

Viele Frauen waren erst kurz zuvor, während des Zweiten Weltkriegs, berufstätig geworden, als die Männer einberufen wurden und die Fabriken plötzlich Personal zur Erfüllung des militärischen Bedarfs benötigten. Und als die Soldaten nach Hause zurück kamen, fanden es viele dieser Frauen schwer, sich wieder in die Rolle der Hausfrau einzufinden.

"Nach dem Zweiten Weltkrieg begannen die Dinge, sich zu verändern", wird die verstorbene Minnie Pearl in der Ausstellung Queen of Country Music zitiert. "Die Frauen hatten ihre Lebensweise allmählich satt".

Zufälligerweise war Wells erstmalig mit einem Song erfolgreich, der davon handelte, "The Wild Side of Life", das "wilde Leben" satt zu haben. Diese Single wurde von Hank Thompson aufgenommen und blieb 15 Wochen an der Spitze der Charts - mit einem Text, der eine Frau dafür beschimpfte, sich für einen ordentlichen Schluck aus der Pulle und "the glamour of the gay night life", den Zauber des unbeschwerten Nachtlebens entschieden zu haben. Angelockt von der Aussicht auf 125 $ Aufnahmehonorar ließ Wells sich darauf ein, "It Wasn't God Who Made Honky Tonk Angels" aufzunehmen, dessen Text Thompsons Hit widerlegte und die Schuld den herumflirtenden Männern in die Schuhe schob.

Der Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Single im Jahr 1952 durch Decca Records war ebenso perfekt wie Wells' Interpretation des Inhalts. Ihre Performance war stark und aufmüpfig, ernsthaft, aber nicht streng, voller Schmerz, aber nicht niedergeschlagen. Der Song machte es sich sechs Wochen an der Spitze der Charts bequem (ebenso lang wie Faith Hills "Breathe" und Carrie Underwoods "Jesus, Take the Wheel" in diesem Jahrzehnt an der Spitze lagen) und ermöglichte Wells, eine Reihe von Singles herauszubringen, deren Themen zerbrochene Familien waren, einschließlich dem nach der Trennung angesiedelten "I Can't Stop Loving You", dem resignierten "Release Me", dem aussichtslosen "You Don't Hear" und dem Nachsinnen nach der Scheidung mit "Will Your Lawyer Talk to God" und "Mommy for a Day".

Kitty Wells; Foto Dennis CarneyTrotz der Disharmonie des bearbeiteten Themas genoss Wells ein Familienleben, das durch anhaltende Liebe und Stabilität gekennzeichnet war. 1937 heiratete sie achtzehnjährig den Kollegen und Sänger Johnnie Wright, und das Paar blieb über sieben Jahrzehnte zusammen. Wright war Teil eines Erfolgsduos mit dem Namen Johnnie and Jack; als sie mit ihrer Band auf Tour waren und in Radiosendern spielten, um Werbung für ihre Shows auf verschiedenen Märkten zu machen, sang Wells ein paar Solo-Melodien. Als ihr Manager entschied sich Wright schließlich, seine Frau zum Star der Show zu machen - trotz der Warnung von Roy Acuff, der glaubte, dieser Schachzug führte zum finanziellen Aus.

Wells erinnert sich, dass Acuff, der King of Country Music, "sich irgendwie damit abfand, als Johnnie ihm zeigte, dass es eben doch geht, eine Frau zum Star der Show zu machen. Ich glaube nicht dass sie" - die Leute die sich damals die Shows ansahen - "sich wirklich viel darum kümmerten, wer der Star der Show war. Wir waren ja sowieso immer alle zusammen auf der Bühne".

Ihre Beziehung wie ihr Aufstieg zum Star nahmen eine Zeit vorweg, in der alte Weisheiten neu überdacht oder sogar auf den Kopf gestellt wurden, so wie die Binsenweisheit, dass hinter jedem erfolgreichen Mann eine Frau steht. In ihrem Fall war Wright immer zur Stelle, um die Karriere von Wells zu unterstützten, die - davon ist sie überzeugt - ohne seine Hilfe nicht möglich gewesen wäre.

"Er hat meine Karriere immer unterstützt", stellt sie fest. "Er hat mich wirklich mehr gefördert als Johnnie and Jack."

Diese Unterstützung brachte Wells eine einzigartige Karriere ein, die insgesamt 23 Top-10-Singles und 35 Top-10-Alben umfasst.

Seit ihrer Aufnahme in die Country Music Hall of Fame im Jahr 1976 wurden gelegentlich auch andere Künstlerinnen, darunter Hill, Reba McEntire und Shania Twain als Queen of Country Music bezeichnet. Hierdurch fühlt sich Wells nicht geringer geschätzt, obwohl sie einräumt, dass ihre unmittelbare Präsenz im Lauf der Zeit etwas nachgelassen hat.

"Einige der jüngeren Künstler sind vielleicht mit meinem Gesang oder meinen Songs nicht so vertraut", sagt sie.

Jedoch ist allein die Tatsache, dass eine Künstlerin diese Auszeichnung erhalten kann, ein Zeugnis des Erbes von Wells, die es überhaupt erst möglich machte, dass in der Country-Musik eine Künstlerin zur Königin gekrönt wird. Und diejenigen, die mit der Geschichte vertraut sind, wissen, wer die wahre Königin ist und immer sein wird.

Loveless erinnert sich an einen gemeinsamen Auftritt mit Wells und Lynn im Programm zur Wiedereröffnung des Ryman Auditoriums im Jahr 1994. In dieser Nacht sangen die drei Künstlerinnen, die für drei Generationen von Frauen in der Country-Musik stehen und deren Karrieren fünf Jahrzehnte umfassen, gemeinsam "Making Believe", das Wells 1955 aufgenommen hatte. Loveless berichtet, dass es mehr als Musik war, was sie verband.

"Es ist ein gemeinsamer Strang", betont sie. "Und Kitty hält ihn zusammen".

Anmelden