CD Cover: Rhiannon Giddens - Freedom Highway

Auf "Freedom Highway" beleuchtet Rhiannon Giddens mit ihrer Mischung aus Blues, Soul, keltischen Klängen, Gospel und Folk die Geschichte der Afroamerikanischer - von den Zeiten der Sklaverei bis heute.

Rhiannon Giddens ist eine musikalische Grenzgängerin. Die schwarze Mutter der 40-Jährigen liebte klassische Musik, ihr weißer Vater war Rockmusiker. Die Tochter hingegen zog es zu anderen Genres. Nach einem Studium als klassische Opernsängerin schloss sie sich zunächst einer keltischen Band an; im Jahr 2005 war Rhiannon Giddens Mitgründerin der mit einem Grammy dekorierten Americana-Act Carolina Chocolate Drops. Mit ihrem zweiten Soloalbum vereint die aus North Carolina stammende Künstlerin auf "Freedom Highway" nun ihre musikalischen Einflüsse: Bluegrass trifft auf Soul, keltische Klänge mischen sich mit Gospel und Folk.

Freedom Highway: Zwölf Songs afroamerikanischer Geschichte

Nachdem Rhiannon Giddens bei ihrem letzten Album "Tomorrow Is My Turn" meist auf Covernummern setzte, stammen neun der zwölf Songs aus ihrem gemeinsam mit Dirk Powell produzierten Album aus eigener Feder.

Reich an historischen Anspielungen, steht dabei die afroamerikanische Geschichte im Mittelpunkt: So spannt Giddens einen Bogen von rechtlosen Sklaven über die Opfer der Bürgerrechtsbewegung bis hin zu erschossenen Jugendlichen im Hier und Jetzt.

Den Anfang macht "At The Purchaser's Option", ein unheimlicher, mit Banjo und Mandoline unterlegter Track über das Schicksal einer weiblichen Sklavin - umso schauriger in Kombination mit der Verkaufsanzeige, die gegenüber der Lyrics im Booklet abgedruckt ist.

Ebenso ergreifend, dezent in keltische Klänge, Banjo und Fiddle gehüllt, präsentiert Rhiannon Giddens in "Julie" den Dialog zwischen einer Sklavin und ihrer Mistress während des amerikanischen Bürgerkrieges. Während die Hausherrin von Liebe und Freundschaft spricht, wird klar, dass sie zugleich die Kinder des Dienstmädchens verkauft hatte.

Themen aus den Zeiten der Sklaverei spiegelt Rhiannon Giddens mit Songs aus und über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Mit dem von Richard Farina geschriebenen "Birmingham Sunday", einem Gospel unterlegten Track, erinnert Rhiannon Giddens beispielsweise an die Opfer des rassistisch motivierten Bombenanschlags in Alabama im Jahr 1963.

Mit dem souligen "Better Get It Right The First Time" schlägt sie mit einem synkopierter Bläsersatz und einem Rapper die Brücke in die heutige Zeit. Der Track ist ihre #BlackLivesMatter-Hymne und zeugt ebenso von Hoffnung und Widerstandsfähigkeit wie der Titeltrack des Albums.

Rhiannon Giddens: Weniger ist mehr

Spätestens bei "Better Get It Right The First Time" wird jedoch Rhiannon Giddens Dilemma auf "Freedom Highway" klar: Die talentierte Sängerin und Songwriterin will beizeiten zuviel. Während ihre politische Message das Werk durchzieht, nimmt sie mit ihr glockenklaren, teils um eine Spur mit zu viel eitlem Opern-Timbre versehener Gesang den Songs ihre Erdigkeit, ihre Wucht. Weniger ist eben manchmal mehr.

Das Giddens das Gefühl, die Storylines ihrer Songs durchaus in das Zentrum stellen kann, zeigt sich ebenso beim bluesigen "Hey Bébé", bei dem Giddens Stimme neben einer Trompete glänzt, wie gemeinsam mit Lalenja Harrington und Leyla McCalla bei der Ballade "Baby Boy". Und erst recht, wenn sie - ganz im Sinne der legendären Joan Baez - bei "The Angels Laid Him Away" oder "We Could Fly" ihre geschulte Stimme nur von einer Gitarre begleiten lässt.

Fazit: Eine Reise durch die afroamerikanische Geschichte - von Sklaven über die Bürgerrechtsbewegung bis heute. Rhiannon Giddens ist mit "Freedom Highway" ein bewegendes Album gelungen, dass beizeiten von etwas mehr Zurückhaltung profitiert hätte.

Label: Nonesuch (Warner) VÖ: 24. Februar 2017
01 At the Purchaser's Option
02 The Angels Laid Him Away
03 Julie
04 Birmingham Sunday
05 Better Get It Right the First Time
06 We Could Fly
07 Hey Bébé
08 Come Love Come
09 The Love We Almost Had
10 Baby Boy
11 Following the North Star
12 Freedom Highway


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