Taylor Swift - 1989

CD Cover: Taylor Swift - 1989

Der musikalische Wandel war schon länger nur noch eine Frage der Zeit. Jetzt hat Taylor Swift den Abschied vom Country, der sich unüberhörbar schon auf ihrem letzten Erfolgs-Album "Red", andeutete, konsequent durchgezogen und mit "1989" ein reines Pop-Album veröffentlicht.

Im Laufe ihrer bisherigen Karriere hat die siebenfache Grammy®-Preisträgerin weltweit über 30 Millionen Alben verkauft, doch will mit Album No. 5 noch mehr erreichen - und hat den mutigen Schritt gewagt, ihren Sound komplett neu zu erfinden. Hilfe erhielt die dabei unter anderem von den Hit-Produzenten Max Martin und Johan Schuster (aka Shellback).

Doch nicht nur der Klang ist bei Swift anno 2014 ein anderer, auch die Inhalte der 13 Songs lassen auf eine veränderte, gereifte Swift schließen. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Mädel die Gedanken an den süßen Typ in der Highschool noch in ihr Tagebuch schrieb oder mit ihren Freundinnen einen Rachefeldzug gegen ihren Ex plante - jetzt versprüht Swift ein enormes Selbstbewusstsein und viel Energie.

Zur Aufbruchstimmung passt ihr Umzug von den Südstaaten in die Metropole New York, den Swift zum Beginn in "Welcome to New York" besingt. Dance-Beats sowie Keyboard-Arrangements haben Fiddle oder Banjo komplett verdrängt - Taylor ist definitiv im Pop angekommen. Und das so überzeugend, als habe sie nie etwas anderes gemacht. Doch "Welcome to New York" ist kein 08/15-Pop, sondern eben Pop mit dem neuen Taylor-Faktor. Während der zweijährigen Produktionsphase hat die Sängerin viel Pop aus den späten Achtzigern gehört und so modern der Opener für Country-Fans klingen mag - die tiefen und durchdringenden Keyboards erinnern tatsächlich an bekannte Momente; beispielsweise an die New-Wave-Band New Order. Die verwendeten Sounds klatschender Hände sind in den aktuellen Pop-Hitlisten dazu ebenfalls eher eine Rarität. Retro oder nicht - der Track funktioniert bestens und ist nicht nur ein potentieller Hit, sondern für manchen sicher gar die neue Hymne der Millionenstadt.

"Style" fungiert ebenfalls nicht als Kopie eines momentanen Chart-Hits. Neben groovigen Beats und Synthesizer-Klängen, die an Titelthemen amerikanischer Actionserien aus den Achtzigern erinnern, sind hier sogar Gitarrenklänge und ein Hauch eines Pianos zu vernehmen. Ein weiterer garantierter Hit für Swift.

Gute Chancen, zur einer Hymne der Fans zu werden, bringt "Bad Blood" mit. Zum einen bekommen die Hörer hier wuppernde Bassläufe präsentiert, die bei manchem Auto die Heckscheibe über der Bassbox vor einen echten Belastungstest stellen wird. Dazu eignet sich der in einem Cheerleader-Style vorgetragene Refrain gut zum Mitsingen. Die Nummer handelt von Streitigkeiten mit einer anderen prominenten Sängerin. Ob es dabei um Kathy Perry geht wird nicht klar. Dafür liefert Swift hier wohl die beste Gesangsleistung des Albums ab. Unter dem Strich ein knackiges Pop-Geschoss, das für Country-Traditionalisten allerdings nicht so leicht zu verdauen sein wird.

Ein Beziehungssong der anderen Art ist das melodramatische "Out of The Woods", bei dem die Sängerin aus persönlicher Erfahrung von den täglichen Herausforderungen und der Zerbrechlichkeit von Liebes-Verhältnissen singt. Während das Songwriting symbolischer denn je ausfällt, erinnert der Klang im Hintergrund an den Soundtrack zum Film "Der König der Löwen". Obwohl es hier um das Ende einer Beziehung geht, klingt Swift nicht emotional berührt wie bei früheren Titeln, sondern so, als würde sie mittlerweile auch solche Situationen souverän meistern.

"This Love" ist die einzige Ballade unter den 13 Tracks der regulären Edition der CD. (Die Deluxe-Edition enthält mit "You Are In Love" noch eine weitere.) Statt sich selbst wie früher am Piano zu begleiten, singt sich Swift durch einen dichten Wald an harmonischen Klangbögen. Das ist nicht mehr so romantisch und treuherzig wie früher, dürfte aber die Herzen der weiblichen Swifties trotzdem höher schlagen lassen.

Enorme Anziehungskraft für diese Zielgruppe wird "I Know Places" entwickeln. Der Song, der von den Problemen handelt, eine Beziehung unter den Augen der Medienwelt zu führen (They are the Hunters, we are the Foxes - Sie sind die Jäger, wir die Füchse), verfügt über einen fast schon magischen Pop-Refrain. Bei den Strophen tendiert Swift dann eher in Richtung Sprachgesang, dazu passt dann wiederum der Dupstep-Sound.

Die der Standard-Edition von "1989" beinhaltet 13 Songs. Auf der Deluxe-Edition bekommen die Fans drei Bonus-Tracks. Dazu gehören mit "Wonderland" und "New Romantics" zwei weitere UpTempo-Stücke. Drei kurze Audiomitschnitte aus Taylors Songwriting-Phase runden diese Version ab.

Fazit: Erst Country, dann Country mit Pop und jetzt Synthie Pop - Taylor Swift ist auf der Suche nach Veränderungen fündig geworden. Jetzt steht sie für einen nahezu zeitlosen Pop und schafft es, auch hier eine gute Figur abzugeben. Eine CD, die nicht nur Teenager, sondern - nicht zuletzt dank mancher Reminiszenz an frühere Zeiten und Sounds - auch reifere Pop-Konsumenten ansprechen dürfte.

Label: Big Machine (Universal) VÖ: 27. Oktober 2014

  • Titelliste der Deluxe-Version

01 Welcome To New York 11 This Love
02 Blank Space 12 I Know Places
03 Style 13 Clean
04 Out of the Woods 14 Wonderland
05 All You Had to Do Was Stay 15 You Are In Love
06 Shake It Off 16 New Romantics
07 I Wish You Would 17 I Know Places (Voice Memo)
08 Bad Blood 18 I Wish You Would (Voice Memo)
09 Wildest Dreams 19 Blank Space (Voice Memo)
10 How You Get The Girl


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