Lebensmüde, hoffnungsvoll, angeschlagen, aber nicht gebrochen: Wade Bowens neues Album "The Version of Me You Get"
Nach seinem letzten Album "Flyin'" im Jahr 2024 war Wade Bowen unaufhörlich auf Tournee. Er absolviert mit seiner Band an die 200 Auftritte im Jahr und produziert einen Song nach dem anderen. Ein Mann ohne Ruhe und doch auch melancholisch tief im Innern.
Schon die Singleauskopplung des Albums, "Turpentine", geschrieben und produziert von seinen langjährigen Partner Sean McConnell, lässt die Stimmung Wade Bowens erahnen. "Als Sean McConnell und ich versuchten, dieses Album zu konzipieren, stießen wir auf 'Turpentine'. Er hatte den Song vor einigen Jahren geschrieben und wie jeder großartige Produzent wusste er, dass er genau zu dem passte, was ich damals durchmachte. Außerdem liebe ich traurige Lieder und Country Music, daher war es natürlich die perfekte Wahl", so der Sänger. Doch Liebeskummer lässt sich nicht wegtrinken und ebenso wenig die Tatsache, dass Wade Bowen es auf dem Album dann vielleicht ein wenig mit trauriger Stimmung übertreibt.
Auch "The Garden" beschreibt, wie eine Beziehung wächst und eben auch eingehen kann, wenn man sie nicht pflegt.
Schicksalsschläge im Leben von Wade Bowen
Das bisher auch vorab veröffentlichte "People Like Us" wirkt weniger düster und belehrend. Doch mit der weinerlichen Klavierballade "The Version of Me You Get" greift er dafür wieder in den tiefsten Tränentopf.
Für manche Gestimmtheit in Wade Bowens Leben gibt es durchaus eine Erklärung. Zum Song "Rain" sagte er in einem Interview, dass er diesen zu der Zeit vor einigen Jahren geschrieben habe, als er mit Folgen einer Stimmbandoperation zu kämpfen gehabt habe, die ihn damals auch dazu gezwungen habe, seine Karriere vorübergehend zu unterbrechen. Ungefähr zu jener Zeit hat er auch seinen Neffen, der zu seiner Crew gehört hat, aufgrund von Suizid verloren. Damals habe er sich gefühlt, als ob alles für ihn zusammenbreche. Schließlich habe er gespürt, dass er das alles in einem Lied verarbeiten müsse. Nicht nur, um es selbst zu verarbeiten, sondern auch, um anderen zu helfen, die ähnliches durchmachen. Mit "Rain" gibt der Songscheiber somit einen intimen Einblick in eines der schwierigsten Kapitel seines Lebens.
Es ist Wade Bowen definitiv Respekt zu zollen, dass er seine Werte, seine Gefühle und auch seine tiefsten Trauerphasen mit uns teilt. Dennoch muss man sagen - dieses Album macht keinen Spaß. Noch in diesem Jahr wird er zusammen mit Koe Wetzel in den USA weiter auf Tournee gehen. Es ist davon auszugehen, dass er auf den Festivals und Konzerten eher wieder zu seinem Standard-Programm mit Country und Red Dirt Music zurückkommen wird, die wir von ihm gewohnt sind. Hoffentlich finden wir diese dann auch auf dem nächsten Album von Wade Bowen wieder.
Fazit: Nach über zwei Jahrzehnten hat der Texaner stets das Beste in der Weiterentwicklung der modernen Country Music geliefert. Da darf Wade Bowen sich jetzt auch mal für ein Album wehmutsvoll ausruhen.










