Willie Nelsons altgedienter Produzent Buddy Cannon hat erneut die Regie übernommen und erstklassige Arbeit geleistet indem er eine direkte, intime Atmosphäre schuf, mit luftigen Arrangements und - natürlich - hervorragenden virtuosen Leistungen aller beteiligten Akteure. So wähnt man sich beim Durchhören der CD live im Studio bei den Aufnahmen. Oder man fühlt sich als Gast bei einem kleinen Clubkonzert der beiden Größen.
Die damalige Crème de la Crème der Music-Row erspielte sich mit den Aufnahmen zu Bob Dylans 1966 erschienenem Meilenstein "Blonde on Blonde" größtes Ansehen. Für Dylan war es der erste musikalische Ausflug nach Nashville und nicht der letzte. Schließlich war er von den Fertigkeiten der Nashville Cats derart angetan, dass er immer wieder in die Music City USA zurückkehrte, um großartige Songs wie "Absolutely Sweet Marie" aufzunehmen, den Opener der Doppel-CD.
Die Dylan-Sessions schlugen derart hohe Wellen, dass schon bald die versammelte Folk- und Folk-Rock-Zunft an Nashvilles' Studiotüren klopfte: "Dylan, Cash And The Nashville Cats" präsentiert 26 der gelungensten, bemerkenswertesten und mitunter schönsten Aufnahmen. Neben vertrauten Country-Namen wie Johnny Cash (mit der Dylan-Komposition "It Ain't Me, Babe"), Flatt & Scruggs ("Down In The Flood"), Kris Kristofferson (mit dem 1968 aufgezeichneten Demo von "If You Don't Like Hank Williams") und Jerry Jeff Walker ("Driftin' Way of Life") hält der Sampler auch einige Überraschungen parat. Künstler, die man eher dem Pop und Rock zuordnen würde, wie: Die drei Ex-Beatles George Harrison, Ringo Starr und Paul McCartney and Wings mit ihren schönen, aber höchst unterschiedlichen Titeln "Behind That Locked Door", "Beaucoups of Blues" und "Sally G", der saucoole Blues-Gitarrist Steve Miller mit seiner Band und dem prächtigen "Going to The Country", der noch coolere J.J. Cale mit seinem Klassiker "Crazy Mama" und sogar auch der introvertierte, intellektuelle Leonard Cohen mit "Bird On The Wire".
Natürlich sind es aber vor allem die Blumenkinder, die Hippies und Folkies, die damals in Tennessee Einzug hielten. Allen voran die langmähnigen Byrds ("You Ain't Going Nowhere", "Hickory Wind"), die aus San Francisco stammenden und später als kultiger Geheimtipp gehandelten The Beau Brummels ("Turn Around"), die Beatles-Klone The Monkees ("Some of Shelly’s Blues"), die beiden New Yorker Simon & Garfunkel (mit ihrem Evergreen "The Boxer") und natürlich die Königin der Make-Love-Not-War-Szene, Joan Baez ("The Night They Drove Old Dixie Down"). Ob so oder so: Die Nashville Cats fanden für ihre Kundschaft stets die perfekten Töne.
Zu den raren musikalischen Leckerbissen des liebevoll zusammengestellten Samplers gehören eine Aufnahme des frühen Gordon Lightfoot ("The Way I Feel"), John Hartford mit seiner schmucken Version des Glen Campbells-Klassikers "Gentle On My Mind" und - als finales Aha-Erlebnis - Derek & The Dominos gemeinsam mit Johnny Cash und Carl Perkins und einer Live-Aufnahme des Rock 'n' Rollers "Matchbox". Ein Song, ein Clash der Kulturen. Immerhin waren Derek & The Dominos die Band von Eric Clapton, an der weiteren Gitarre spielte gelegentlich ein gewisser Duane Allman. Dazu noch Country-Ikone Johnny Cash und Rock 'n' Roll-Legende Carl Perkins - das ist nicht mehr zu toppen!
Fazit: Ein launiger, hochwertiger, 36 Songs umfassender Nachhilfeunterricht in Sachen Country - und eine gelungene Würdigung der Stars hinter den Kulissen.










