Elvis Presley - From Elvis in Nashville

CD Cover: EElvis Presley - From Elvis in Nashville
 

1970 hielt der König Hof in Music City USA: "From Elvis in Nashville". Auf vier CDs oder zwei Vinyls sind nun - endlich - die mystischen Marathon-Sessions von Elvis und den "Nashville Cats" vollständig dokumentiert. Klasse Produkt-Design, rare Fotos und ein liebevoll gestaltetes Booklet im Großformat runden das King-Paket ab. Ein Schmuckstück!

Das 2020er Box-Set "From Elvis in Nashville" mit 4 Alben von Elvis Presley

Ende der 1960er Jahre war Elvis Presley immer noch der King. Der König des Rock 'n' Roll. Er war millionenschwer, weltweit auf den Titelseiten der Illustrierten; er hatte über 30 Hollywood-Filme abgedreht und er hat so ziemlich jeden Rekord in der Unterhaltungsindustrie gebrochen. Doch: Er war auch satt. Vielleicht auch gelangweilt. Jedenfalls stellte das Jahr 1969 eine Art Zäsur im leider nur kurzen Leben des Elvis Aaron Presley dar: Mit "Ein himmlischer Schwindel" stand er zum letzten Mal für einen mittelprächtigen Spielfilm vor der Kamera - und musikalisch war er: weitgehend orientierungslos. Das sagte vor ein paar Jahren jedenfalls Session-Gitarrist Reggie Young im Gespräch mit CountryMusicNews.de. "Er hat uns die Songs vorgespielt, die er für sein neues Album aufnehmen wollte", erinnert sich der im letzten Jahr verstorbene Session-Star, "doch wir waren nicht beeindruckt. Das ließen wir ihn spüren."

Erst Memphis, dann "From Elvis in Nashville"

So ging der König noch einmal in medias res. Er wollte es wissen. Er machte sich an neue Songs und hörte dabei auf den Rat von Reggie & Co. Der Rest ist: ein schönes Kapitel Musikgeschichte - sein Comeback-Album "From Elvis In Memphis". Hoch motiviert nach diesen Aufnahmen in seiner Heimatstadt zog es Elvis ein Jahr später in das nur etwas über 200 Meilen entfernte Nashville, um es nun mit der dortigen Crème de la Crème der Studiomusiker zu jammen - und um an den Erfolg von "From Elvis In Memphis" anzuknüpfen. Was ihm perfekt gelang…

Fünf Tage lang hat sich Elvis mit den legendären "Nashville Cats" im nicht minder legendären RCA Studio B eingemietet. Die fünftägigen Aufnahmen begannen stets am frühen Abend und endeten nie vor Morgengrauen. Einen Auszug dieser Sessions kam bereits unter dem Titel "Elvis - The Nashville Marathon" unter das Fan-Volk, beinhaltete aber nicht mal ein Drittel der damals eingespielten Takes. Diese Lücke schließt jetzt, endlich, endlich, "From Elvis in Nashville": Vier Alben, 74 aufgenommene Tracks. Nach Adam Riese machen das pro Aufnahmetag (besser gesagt: Aufnahmenacht) rund 15 Takes. Tja, die Herren waren gewohnt effizient zu arbeiten.

Aber garantiert nicht schlampig. Weit davon entfernt. Das 50 Jahre alte Tondokument macht klar, mit welchen musikalischen Nashville-Kalibern sich King Elvis das RCA Studio teilte. James Burton, Norbert Putnam, Chip Young, Eddie Hinton, David Briggs und die weiteren Musiker der "Nashville Cats" waren nicht nur eine perfekt geölte Session-Maschine. Sie hatten auch alles, was man sich von einem Mietmusiker - was anderes ist ein Session-Musiker nicht - nur wünschen kann: Einfühlungsvermögen, Virtuosität, Geschmack. Kein Wunder, dass Elvis inmitten dieser hochprozentigen Musiker-Riege zur Höchstform auflief. Vielleicht zum letzten Mal in seiner Karriere. An diesen fünf Junitagen in Nashville war er aber noch einmal mutig, inspiriert, leidenschaftlich und musikalisch neugierig. Das CD-Quartett macht erneut klar, dass er der King of Rock 'n' Roll war. Und dazu: ein Country-Sänger von Gottes-Gnaden…

"From Elvis in Nashville": der letzte Höhenflug des King of Rock 'n' Roll

Mit einer knapp zweiminütigen "Opening Jam" zu "Mystery Train" spielen sich die Nashville Cats auf CD-Nummer eins erst einmal warm. Schon bei diesem Instrumental wird deutlich, was diese Begleitmusiker draufhaben; wie sie sich gegenseitig die Bälle zuspielen, wie sie harmonische Fäden aufnehmen und weiterspinnen, wie sie wortlos kommunizieren. Es ist ein kurzes, aber intensives Lehrstück in Sachen Groove, Rhythmik, Dynamik und Band-Ökonomie. Besser geht’s nicht.

Als dann in der nachfolgenden Gänsehaut-Ballade "Twenty Days And Twenty Nights" Elvis einsteigt, ist alles gesagt. Mehr noch: Nach ein paar Takten fragt man sich, warum man überhaupt noch etwas anderes hören soll? Wo doch diese Musik, diese Musiker und dieser Sänger alles haben, was den Zauber der Noten und Harmonien ausmacht. Und man freut sich auf die weiteren 72 Takes, auf die Rehearsals, Alternative-Takes und bislang unveröffentlichte Aufnahmen dieses historischen Gipfeltreffens.

Elvis & Co schritten bei ihrem musikalischen Marathon ein gewaltiges Terrain ab: Rock 'n' Roll, Balladen, Soul, Blues und - in Form der Simon & Garfunkel-Hymne "Bridge Over Troubeld Water" - sanften Folk-Pop. In gut einer Handvoll Songs machte der König des Rock 'n' Roll aber auch deutlich, dass in ihm auch ein begnadeter Country-Interpret steckte.

Beispielsweise in der Ernest Tubb-Komposition "Tomorrow Never Comes", im Lester Flatt/Earl Scruggs-Song "A Hundred Years From Now", in dem mit Hillbilly-Touch ausgestatteten "It Ain't No Big Thing" oder mit der Eddie Rabbitt-Komposition "Patch It Up". Für das Highlight aus der Country-Ecke sorgt aber ein anderer, ein berührender und dazu zeitlos-schöner Song: "Funny How Times Slips Away" von Willie Nelson. Diesem Song-Motto kann man sich nur anschließen und, wer mag, kann ein bisschen in Wehmut schwelgen - zumindest bis zum anschließenden "I Washed My Hands In Muddy Waters", dem nächsten Rock 'n' Roll-Kracher.

Fazit: Endlich gibt es das komplette Dokument der fünftägigen Elvis-Marathon-Sessions aus dem Jahr 1970: "From Elvis in Nashville" - 74 Takes plus tolle Ausstattung und Booklet. Vor allem aber zeigen die Aufnahmen den King of Rock 'n' Roll auf seinem letzten Höhenflug.

vgw
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