"Elvis - Das Musical" feiert in Berlin Wiederaufführungspremiere
Die Superlativen von "Elvis - Das Musical" passen zum Estrel Hotel, denn es ist das größte und umsatzstärkste Hotel Deutschlands und mit seiner Showbühne erinnert es ganz bewusst an die gigantischen Paläste in Las Vegas, nur ohne Spielautomaten. Wir waren zur Premiere am 15. August 2025 vor Ort.
Grahame Patrick gibt alles und rockt richtig ab
Mit 33 Grad gehört der Premierentag in Berlin zu einem der heißesten Tage des Sommers. Zum Glück ist der Konzertsaal klimatisiert. Nur so macht es schließlich Sinn, dass er wieder eingeheizt wird - nämlich von Elvis Presley alias Grahame Patrick. Doch bevor er richtig loslegt, wird es melancholisch. Elvis starb am 16. August 1977 mit nur 42 Jahren in Memphis, Tennessee.
Die große Leinwand hinter der Bühne zeigt Bilder und Originalaufnahmen von 1977 über den Tod des Kings, der weltweit betrauert wird. Grahame Patrick betritt im weißen Jumpsuit mit Pailletten besetzt die Arena und singt "My Way" - so wie es der echte Elvis 1973 bei seinem Konzert in Honolulu tat. Ein würdiger Auftakt für einen Showman, der auch 48 Jahre nach seinem Tod unvergesslich bleibt. Danach wird Elvis Presley so gefeiert wie ihn seine Fans blieben. Mit Rock'n'Roll.
Grahame Patrick lässt dann auch nicht lange auf sich warten, um zu dem Song "Hound Dog" seinen Hüftschwung vorzuführen. Das Publikum ist begeistert, gerät so langsam in Ekstase. Immer wieder laufen auf der Leinwand Szenen vom echten Elvis Presley, wie er seine Songs auf der Bühne und in Filmen dargeboten hat. Grahame Patrick trägt oft die gleichen Kostüme, hat die gleichen Moves einstudiert und singt nicht selten lippensynchron - nur das nicht Elvis Originalstimme, sondern seine eigene Stimme zu hören ist. Das ist perfekt choreografiert, frühe Originalaufnahmen und das aktuelle Bühnenprogramm verschmelzen fast miteinander. Ja, man vergisst nahezu, wer da oben wirklich steht.
"Elvis - Das Musical" - Eine Reise in die Vergangenheit
Grahame Patrick gibt alles, wird von sieben Musikern, zwei Tänzerinnen, vier Backgroundsängern und einem Erzähler in der Gestalt des Colonel Parker begleitet, um sein mehr als zweistündiges Bühnenprogramm zu absolvieren. Die wichtigsten Stationen aus Elvis Leben werden dabei chronologisch abgehandelt, ohne wirklich tief zu gehen. Dennoch bekommt man ein Gefühl dafür, was diesen Mann getrieben haben. Somit wechseln auch musikalisch wilde Rock'n'Roll-Nummern mit sensiblen Balladen. Etwa wenn zu "Love Me Tender" die Love-Story zwischen Elvis Presley und Priscilla Beaulieu Presley noch einmal mit Originalaufnahmen aufgerollt wird.
Ein großer Punkt ist auch der Gospel, der Presley schon in seiner Kindheit geprägt hat. "He Touched Me" singt Patrick dazu, während drei Kirchenfenster auf der Leinwand erleuchten. In einem Radiointerview sagt Elvis, er hätte seine Stimme, die ihn so berühmt gemacht hat, Gott zu verdanken.
Wir erfahren in "Elvis - Das Musical" auch, wie er überhaupt entdeckt wurde. Als 18-Jähriger verdient er sich sein Geld als LKW-Fahrer und Kinokarten-Verkäufer. Für vier Dollar nimmt er eine Platte für seine Mutter als Geschenk bei der Sun Records Company auf. Der Song heißt "My Happiness", und auch Patrick singt ihn nur mit Gitarre - eine sehr empfindsame Solo-Nummer.
Von "My Happiness" bis "Suspicious Minds"
Nach der Pause geht es in eine neue Epoche für Elvis. Er wird als Filmstar aufgebaut, ist aber unzufrieden mit den immer gleichen Drehbüchern. Schöne Settings, hübsche Girls und dazu einige Songs - so entstehen Filme wie "Love Me Tender (1956, deutscher Titel: "Pulverdampf und heiße Lieder"), "Jailhouse Rock" (1957, "Rythmus hinter Gittern") oder Viva Las Vegas" (1964, "Tolle Nächte in Las Vegas"), zu denen es dann auch titelgleiche Songs gibt, die auch Patrick zum Besten gibt.
1969 beendet der King seine Filmkarriere, ein Jahr nach der Ermordung des Bürgerrechtlers und Predigers Martin Luther King, Jr., der Elvis zutiefst erschüttert hat. Wir erfahren, dass er seinen Schmerz mit dem Song "If I Can Dream" verarbeitet, auch dieser wird von Patrick wieder sehr einfühlsam interpretiert.
Das letzte und schwerste Kapital in Elvis Leben lässt das Musical aus. Sein tragisches Ende ist bekannt und mit der Trauer über seinen frühen Tod begann die Show. Jetzt muss der Elvis auftrumpfen, wie man ihn liebt und wie er sicherlich selbst in Erinnerung behalten werden möchtest. So schmettert Grahame Patrick einige seine größten Songs von "Kiss Me My Darling Darling" bis zu "Can't Help Falling in Love". Dann stellt er dem Publikum voller Stolz den älteren weißhaarigen Mann vor, der die ganze Zeit schon mit drei anderen Herren im Background mitsingt: Ed Enoch! Der 82-Jährige und sein The Stamps Quartet begleiteten tatsächlich schon den echten Elvis bis zu seinem Tod in mehr als 1.000 Konzerten. Da spürt man viel Ehrfurcht.
Am Ende ist der Saal wahrlich so eingeheizt, dass jeder ins Schwitzen gekommen ist. Seine Fans wollen Patrick nicht gehen lassen, es gibt vier Zugaben mit Elvis-Songs, die das Event erst vollständig machen.
Ein Besuch des Musicals ist also lohnenswert. Nicht zuletzt, weil jede Wiederaufführung mit viel Liebe fürs Detail neu ausgefeilt wird und damit für die eine oder andere Überraschung gut ist.









