ACM 50 Years

Am kommenden Sonntag, den 19. April 2015, ist es so weit: Zum mittlerweile 50. Mal wird die Academy of Country Music (ACM) ihre prestigeträchtigen Awards verleihen. Ein unglaubliches Jubiläum für die Show, die als erste ihrer Art der Country Music eine völlig neue Form der öffentlichen Wahrnehmung bescherte.

Alles nahm seinen Anfang im Jahr 1964, als die Academy (damals noch unter dem Namen Country and Western Music Academy) in Los Angeles, Kalifornien, von einer Gruppe von Künstlern und anderen Größen des Musikgeschäfts gegründet wurde. Ziel war es, all jenen Musikern eine Plattform zu geben, die nicht in Nashville ansässig waren, sondern an der Westküste. Merle Haggard und Buck Owens waren unter den prominenten Namen derer, die es sich am Pazifik gemütlich gemacht hatten. Sicherlich kann man die Gründung der ACM auch als Reaktion auf die Formierung der Country Music Association (CMA) interpretieren, die bereits 1958 in Nashville ins Leben gerufen worden war und die dortigen Stars unterstützte.

Als nun die ACM 1965 auf die Idee kam, Auszeichnungen an erfolgreiche und aufstrebende Künstler zu verleihen, hatte die Zeremonie mit dem heutigen Spektakel noch nicht viel gemein. Die Preise wurden im Rahmen eines Dinners ausgehändigt, und auch eine Fernsehübertragung gab es erst einmal nicht. Doch im Laufe der Jahre wurde die Show immer aufwändiger, und schon 1966 führte Bonanza-Star Lorne Green als Moderator durchs Programm. 1972 flackerte das Event dann erstmals über die amerikanischen Fernsehschirme, dieses Mal mit Dick Clark als Alleinunterhalter.

Auch die CMA fand schnell Gefallen an dem Konzept einer Award-Show, und setzte es von 1967 an in die Tat um. Somit gab es gleich zwei Mal im Jahr ein Spektakel, das sich ausschließlich um die Country Music drehte. Anfänglich setzten jedoch sowohl die ACM als auch die CMA größtenteils auf ihre Lokalmatadoren. Owens, Haggard und Co. dominierten die ACMs, während Nashville-Größen wie Johnny Cash, Loretta Lynn, Glen Campbell oder Tammy Wynette bei den CMAs abräumten. Doch diese Art der Differenzierung hatte nicht lange Bestand, und schon bald würdigten beide Veranstaltungen alle Künstler gleichermaßen, ungeachtet geographischer Grenzen.

Obwohl die ACMs und die CMAs immer ähnlicher wurden, stießen sie beide auf fast schon überwältigende Resonanz - und das bis heute. Friedliche Koexistenz könnte man also das nennen, was die beiden Preisverleihungen da nun bereits über mehrere Jahrzehnte betreiben, wobei jede ihre Daseinsberechtigung unzählige Male unter Beweis gestellt hat. Für die ACMs, die nun ihr halbes Jahrhundert feiern dürfen, lohnt sich ob des Anlasses natürlich ein kurzer historischer Rückblick. Waren die Anfänge, wie bereits erwähnt, eher bescheiden, entwickelte sich die Show immer mehr zu purem Entertainment. Bis in die späten 90er Jahre hinein gaben sich die ganz großen Namen des Genres als Moderatoren die Klinke in die Hand, bevor Reba McEntire für eine gefühlte Ewigkeit das Zepter übernahm. Mittlerweile hat der quirlige Rotschopf Blake Shelton und Luke Bryan den Vortritt gelassen, die beim 50. Geburtstag der Show zum dritten Mal gemeinsam durch den Abend führen werden.

Doch noch viel wichtiger als das Rahmenprogramm sind natürlich die Künstler selbst. Und da gab und gibt es so einige, die gleich mehrere Exemplare der kultigen Trophäe im Cowboyhut-Design mit nach Hause nehmen durften. Brooks & Dunn sind die alleinigen Rekordhalter mit 27 (!) Auszeichnungen. George Strait und Garth Brooks haben es auf stolze 21 gebracht, und Alabama haben 20 Stück in ihrer Vitrine stehen. Hut ab! Doch manchmal ist es gar nicht die Anzahl an Auszeichnungen, sondern der Titel als solcher, der hervorsticht. Und so setzte Loretta Lynn sicherlich einen Meilenstein, als sie 1976 als erste Frau zum Entertainer of the Year gekührt wurde. Ähnlich legendär ging es auch 2014 zu, als Strait zum Abschluss seiner Bühnenkarriere standesgemäß noch einmal (nach 1989) den Königstitel erhielt.

Man könnte die Liste der großen Preisträger noch ewig fortführen, und auch unter den Performances gab es so viel Hochkarätiges zu sehen, dass es schwer ist, einzelne Highlights herauszupicken. In jüngster Vergangenheit blieb 2013 sicherlich der Auftritt epischen Ausmaßes hängen, den Garth Brooks und George Strait gemeinsam zu Ehren Dick Clarks hinlegten. Da dürften jedem Country-Fan wohlige Schauer den Rücken runter gelaufen sein.

Doch selbst eine so renommierte Veranstaltung wie die ACMs kam im Laufe der Jahre nicht um den einen oder anderen Eklat herum. Unvergessen ist da sicherlich Alan Jacksons Auftritt aus dem Jahre 1994, als er seinen Hit "Gone Country" performen sollte - mit Playback! Für einen Vollblutmusiker wie Jackson natürlich ein Affront, und seinem Frust verlieh er auf ganz besondere Art und Weise Ausdruck. Er befahl seinem Schlagzeuger kurzerhand, ohne Stöcke zu spielen. So sieht man auf alten Aufnahmen, wie der Drummer wild mit den Händen in der Luft rumfuchtelt, ohne auch nur einmal die Felle zu berühren. Komisch nur, dass man das Schlagzeug trotzdem hört. Peinlich für die ACM, und ein moralischer Sieg für den 18-maligen Award-Gewinner.

Ein ähnlich kurioser Zwischenfall ist für die Feierlichkeiten zum halben Jahrhundert sicherlich nicht zu erwarten. Vielmehr dürften die Veranstalter alles daran setzen, das bisher da gewesene noch zu toppen. Als Location wurde erstmalig das AT&T Stadium in Dallas, Texas, auserkoren. Mehr als 55.000 Fans werden anwesend sein, und somit die 50. Academy of Country Music Awards zur größten Award-Show aller Zeiten machen. Das Drumherum stimmt also, und die Liste der auftretenden Künstler gibt noch mehr Anlass zur Vorfreude. George Strait gibt sich noch einmal die Ehre, Garth Brooks ist dabei, genauso wie Reba, Jason Aldean, Luke Bryan, Blake Shelton, Miranda Lambert, Keith Urban, Eric Church, und noch einige mehr. Mehr geht kaum, und ein Abend mit spitzenmäßiger Unterhaltung scheint garantiert. Schade nur, dass Fans diesseits des Atlantiks (mal wieder) außen vor bleiben.

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