Big & Rich rocken den Soundtrack zu Footloose

Big And Rich

Wie kann man einen Kultfilm mit einem klassischen Soundtrack neu verfilmen, der selbst nach 27 Jahren noch zeitlos ist? Ist man Paramount Pictures, und handelt es sich bei dem Film um "Footloose", dann lautet die Antwort- sehr vorsichtig. Die Produktion dauerte drei Jahre, mehrmals wechselte die Besetzung, so dass zwischenzeitlich schon davon auszugehen war, der Film würde als eines der "tollen Projekte" enden, die niemals Wirklichkeit werden.

Alle Beteiligten bewiesen jedoch Geduld, und das Ergebnis ist ein Film voller Musik, der auf Altes zurückgreift und Neues präsentiert. Der Pop-/Rock-Soundtrack von 1984 enthielt zahlreiche Radiohits, die auch heute noch gespielt werden. Zu den ursprünglichen "Footloose"-Titeln gehörten "Let's Hear It for the Boy", "Almost Paradise", "Holding Out for a Hero" und natürlich der unverwechselbare Titelhit, die eng mit den Karrieren ihrer Interpreten verknüpft sind. Somit war es für den Erfolg des Remakes natürlich von entscheidender Bedeutung, die Songs geschickt zu besetzen und aufzupeppen und dabei gleichzeitig den Originalen Achtung zu zollen. Und da der neue "Footloose" in den Südstaaten (Georgia) spielt, war der Film die perfekte Gelegenheit, einige Country-Größen vorzustellen.

Grammy-Gewinner und Produzent Randy Spendlove, Präsident von Motion Picture Music, Paramount Pictures, war von Anfang an sehr in "Footloose" involviert. Er ist überzeugt davon, dass der Soundtrack die Karriere einiger bereits etablierter Künstler, Big & Rich, Cee Lo Green, Kenny Wayne Shepherd, Zac Brown von der Zac Brown Band,fördern und gleichzeitig die Bekanntheit neuerer wie Whitney Duncan, Hunter Hayes und Jana Kramer steigern wird. Paramount hat sich mit Atlantic Records in New York und Warner Music in Nashville zusammengetan, um eine gezielte Marketingkampagne mit Schwerpunkt auf Country-Radiosender und Country-Tanzclubs in den gesamten USA zu koordinieren. Mit dem Ergebnis ist Spendlove hoch zufrieden.

"Die Musik bildet die Kulisse für den gesamten Film, und zwar eine ganz besondere Kulisse", sagt er. "Der Film zeigt, wie es ist, im Süden aufzuwachsen, frei sein zu können und das Leben zu genießen. Hier werden Musik und Tanz in einer Story über das Erwachsenwerden gefeiert. Der Marketingansatz ist der Film selbst, und die Musik spielt dabei eine entscheidende Rolle."

Footloose Filmplakat
Film Besprechung

"Bereits ganz zu Beginn der Arbeit an diesem Film", fährt er fort, "wandte ich mich an Anastasia Brown (Leiterin der Niederlassung in Nashville von Format Entertainment) und bat sie, den Kontakt zu einem oder zwei Dutzend aufstrebender junger Künstler herzustellen. Ich fuhr dann nach Nashville und traf mich mit etwa zwanzig jungen Musikern. Die meisten hatten zu diesem Zeitpunkt noch nicht mal einen Plattenvertrag. Ich wollte einfach nicht, dass irgend so ein Typ aus L.A. kommt und jede Menge Meetings abhält, ohne dass schließlich etwas daraus wird. Ich bin richtig stolz darauf, dass es drei der Künstler von diesen ersten Treffen tatsächlich in den Film geschafft haben. Im Film und auf dem Soundtrack sind einige jüngere Künstler neben Stars wie Blake Shelton und Cee Lo Greenzu hören."

Shelton durfte die Kulthymne "Footloose" singen, doch den Kollegen Big & Rich (John Rich und Big Kenny) von Warner Music Nashville wurde die Ehre zuteil, die erste Single des Soundtracks mit dem ersten Video herauszubringen, nämlich "Fake ID". Rich hatte "Fake ID" vor einigen Jahren gemeinsam mit Hitschreiber John Shanks aus L.A. verfasst, in der Hoffnung, der Song würde sich für eines der Projekte von Big & Rich eignen. Richs Demoversion machte Spendlove und "Footloose"-Regisseur Craig Brewer, der selbst ein großer Fan von Big & Rich ist, schon vor Beginn der Filmarbeiten hellhörig. Je öfter sie ihn hörten, desto überzeugter waren sie davon, dass der Song eine Schlüsselrolle im Film spielen sollte.

"Craig fand das Demo mit Johns Stimme ganz toll und meinte, dass sich Beat und Musik perfekt für die große Country-Line-Dance-Szene eignen", erinnert sich John Esposito, Präsident und CEO von Warner Music Nashville. "Doch er glaubte, es wäre noch vorteilhafter, daraus einen Song von Big & Rich zu machen. Also setzten sich John und Kenny zusammen und nahmen den Song mit Gretchen Wilson auf, die die zweite Stimme singt."

"Fake ID" wurde schließlich das musikalische Stichwort für die zentrale Tanzclub-Szene im Film. Das Video von Big & Rich zeigt Szenen, die den Filmsequenzen sehr ähneln. Glücklicherweise ergab es sich, dass "Fake ID", der erste neue Song von Big & Rich seit über drei Jahren, zeitlich perfekt passte und die US-Sommertournee "Xtreme Muzik: The Tour" zusätzlich ankurbelte.

Rich erinnert sich, wie gespannt er war, als er und Big Kenny sich zu der Tournee entschlossen hatten. "Wir fragten uns, ob wir noch Fans haben würden. Ob überhaupt jemand kommen würde. Aber alle Shows waren entweder ausverkauft oder fast ausverkauft. Es ist wirklich ein tolles Gefühl, wenn einem die Luft wegbleibt, weil man so viel auf der Bühne rumspringt, und man dann mit schweißdurchtränkten Klamotten in den Bus steigt, während die Ohren klingeln, weil das Publikum so laut war und man so unter Strom steht."

Als der Original-"Footloose" 1984 in die Kinos kam, war der Sänger erst zehn Jahre alt, aber wie viele andere gibt er zu, ein glühender Fan des Films zu sein. "Das ist ganz klar ein 'Busfilm'", sagt er. "Einer der Filme, die man immer im Bus hat, damit man ihn jederzeit sehen kann." Er findet auch, dass die neue Version absolut mit dem legendären Vorgänger mithalten kann. "Wenn man einen Klassiker verbessern kann- falls das überhaupt möglich ist -, dann ist das hier passiert. Das wird die Leute wirklich umhauen."

Stand ein Filmhit auf Richs ständig länger werdenden Liste mit erklärten Lebenszielen? (Und hat er sich schon Gedanken über seine Rede bei der Oscar-Verleihung gemacht?) "Nein- und nochmals nein!" behauptet Rich lachend. "Aber ich liebe Filme. Ich hatte noch nie einen Song in einem Film, daher ist es schon aufregend, wenn man sich hinsetzt und zuschaut und dann auf einmal der eigene Song kommt, und alle Freunde stoßen einen an und sagen 'Da ist er! Da ist er!', und man hört seine Stimme im Hintergrund. Es ist zwar nicht zu vergleichen mit 'Hey, ich wäre gerne Mitglied der Grand Ole Opry', aber toll ist es schon. Man hat es Gefühl, ein kleiner Teil der Popkultur zu sein, das ist wirklich cool."

Footloose Soundtrack
CD Besprechung

Rich genießt seine künstlerische Freiheit und die Möglichkeit, ungehemmt auf neuen Wegen zu experimentieren. So verhindert er seiner Meinung nach Langeweile und die Gefahr eines Burnouts. Außerdem verteidigt er sein kreatives Multitasking auf der Stelle und beharrt darauf, er habe kein Problem damit, bei seinen Projekten die richtigen Prioritäten zu setzen. "Ich wollte nie Plattenproduzent oder TV-Star oder so etwas werden", erläutert er. "Aber die ganzen unterschiedlichen Dinge, die ich tue- Songs schreiben, aufnehmen, auftreten, produzieren, andere Künstler entdecken und fördern -, gehören für mich zusammen, weil das alles Country ist. Ich werde ständig gefragt: 'Wie schaffst du das alles gleichzeitig?'. Aber ich mache es gar nicht gleichzeitig, es ist eher ein Kreislauf. Wie bei einer Waschmaschine, die von selbst weiß, wie sie in Balance bleibt. Wenn ich mal zu viel von einer Sache tue, habe ich das Gefühl, nicht mehr in Balance zu sein."

Was können die Personen, die am neuen "Footloose"-Film beteiligt waren, nun anderen Künstlern und Songwritern raten, die ihren musikalischen Horizont in Richtung Film erweitern möchten? Sie alle sagen, es gebe keine festen, unumstößlichen Regeln, keinen garantierten Weg zum Erfolg. Sie behaupten, es käme auf das Timing an, darauf, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein und sich selbst musikalisch treu zu bleiben.

"Als Big & Rich vor sieben Jahren ihre Karriere starteten, haben sie vom ersten Augenblick an die Karten neu gemischt", so Esposito. "Sie brachten eine Aufbruchsstimmung in die Branche. Beide hatten bereits Soloalben gemacht, aber die beiden Stimmen zusammen sind etwas ganz Besonderes, und in Bezug auf Abwechslung und Unterhaltungswert ist eine Show von Big & Rich einfach unvergleichlich. Das sieht man auch in dem Video zu "Fake ID". Ich finde, sie runden unser Country-Format mit einem gewissen Etwas ab, das niemand sonst hat oder leisten könnte."

"John Rich ist sehr wählerisch bei den Projekten, an denen er sich beteiligen will, aber wenn er dann mitmacht, gibt er immer 110 Prozent", stellt Peter Strickland, Senior VP für Markenmanagement und Vertrieb bei Warner Music Nashville, fest. "Er gehört zu den kreativsten Künstlern, die ich je erlebt habe, und arbeitet rund um die Uhr. Er ist wirklich außerordentlich vielseitig."

Rich geht noch einen Schritt weiter. "Allen, die das hier lesen, möchte ich sagen: Seht zu, dass ihr immer eine Stufe nach der anderen beherrscht. Wenn ihr zur nächsten Stufe gelangt, lasst nicht locker. Ich habe mir nie gesagt: 'Irgendwann werde ich im Fernsehen und in Filmen und im Radio auftreten und auf Tour gehen und produzieren und Hits schreiben und einen Verlag leiten'. Das hätte ich mir nie im Leben vorstellen können. Jetzt ist das Realität, aber ich glaube, das liegt daran, weil immer eins nach dem anderen passiert ist und ich immer bereit war, ein Scheitern als Teil der Entwicklung hinzunehmen. Wenn ich irgendwo gescheitert bin, habe ich mich in mein stilles Kämmerlein zurückgezogen und überlegt, wie ich es beim nächsten Mal besser machen könnte."

Nach einer kurzen Pausen fügt er hinzu: "Was auch geschieht, man darf nie aus den Augen verlieren, wieso man etwas tut. Für mich hat alles seinen Ursprung im Musikmachen. So gigantisch sich meine Karriere entwickelt hat- ohne Gitarre, Mikro und Honky-Tonk-Schuppen wäre es nie so weit gekommen."

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