Billy Ray Cyrus, Foto: Clay Patrick McBride

"Ich habe dieses Album so gemacht, als wäre es mein letztes", erklärt Billy Ray Cyrus. Wohlgemerkt, "Back to Tennessee" ist alles andere als ein Abgesang.

Immerhin bleibt Cyrus weiterhin ein Country-Protagonist mit unglaublich hoher Medienpräsenz. In dem bald herauskommenden Film "Hannah Montana: The Movie" absolviert er seine neunte Rolle als Filmschauspieler. Er ist Moderator der NBC-Fernsehsendung "Nashville Star" und spielt die Rolle des Vaters und Managers seiner eigenen Tochter Miley in der mit Emmy-Auszeichnungen überhäuften Disney-Channel-Serie "Hannah Montana". Cyrus gehört somit zu den bekanntesten Fernsehgesichtern des Landes. Seine groß angelegten Konzerte sind mitreißende Shows, in denen Country auf Südstaaten-Rock trifft.

Am 7. April 2009 steht in den USA nun die Veröffentlichung seines 11. Albums an. "Back to Tennessee" ist keinesfalls der Schwanengesang eines abgehenden Champions, wie man ihn sich vielleicht vorstellt – ein letztes Album und dann mit einer Schubkarre voller Auszeichnungen und Erinnerungsstücke ab in den wohlverdienten Ruhestand auf einer 200-Hektar-Farm bei Nashville.

Seit er erstmals mit Vokuhila-Frisur und dem Hit "Achy Breaky Heart" (1992 Single des Jahres CMA Awards) bekannt wurde, wurde Cyrus nicht nur mehrfach mit Platin ausgezeichnet – er ist als Künstler gewachsen. Und "Back to Tennessee" ist sein Meisterwerk. Die sorgfältig ausgewählten Songs bilden eine klangliche Ikonografie. Produziert wurde das Album von Cyrus und dem preisgekrönten Produzenten Mark Bright. Das Album lebt von der Biographie des Künstlers und spricht direkt die amerikanische Seele an. Familie, Heimat, Glaube, Hoffnung und pure Lebensfreude gehören zu den immer wiederkehrenden Themen des Künstlers. Dank seiner Entwicklung geht Cyrus sie auf dem Album mit mehr Eloquenz denn je an, immerhin bezeichnet er sich inzwischen selbst als eine Art "Pfingstgemeinden-Südstaaten-Soul-Sänger".

"Ehrlich, die Arbeit an dem Song hat aus mir einen besseren Sänger gemacht und mich auf eine ganz neue Stufe gehoben", sagt Cyrus über das Lied "He's Mine", eine Geschichte voller jugendlicher Ausgelassenheit und Familienstolz. "Casey Beathard, Tim James und Phil O'Donnell haben den Song geschrieben, und Casey, der ein großer, großer Sänger ist, hat das Demo eingesungen. Sein Gesang hat mir so gefallen, dass ich beschloss, mir jede Nuance anzueignen und alles was er gemacht hatte, zu reproduzieren, um seine Emotionen zum Ausdruck zu bringen. So genau hatte ich vorher noch nie eine Gesangs-Demoversion eingeübt, aber Casey zu folgen hat mich auf den richtigen Weg gebracht und mir neue Aspekte meiner eigenen Stimme offenbart, die ich dann auf der ganzen Platte eingesetzt habe."

Billy Ray Cyrus stürzte sich mit großen Ambitionen in die Arbeit.

CD Cover: Billy Ray Cyrus - Back To Tennessee"Das Album sollte echt und emotional werden und genau das wiederspiegeln, was gerade mein Leben und Familienleben bestimmt", sagt er. "Und ich wollte, dass es groß klingt. Über die Mischung von Country und Rock 'n' Roll kann man sagen, was man will – ich liebe sie. So wollte ich es haben, und zwar ohne musikalische Kompromisse. Die Country-Songs sollten ur-countrymäßig klingen und die Rock-Nummern richtig rocken.“

Mission erfüllt.

"Als Billy Ray und ich zum ersten Mal über eine Zusammenarbeit sprachen, hatte er bereits eine Menge großartiger Songs", sagt Bright. "Er war mit seiner Musik glücklich und angriffslustig und ging mit Vollgas ans Werk. Er war ein echter Titan, ein Mega-Star, aber er fühlte eine neue Erwachsenheit als Künstler und war bereit, das auszudrücken."

"Back to Tennessee" begann, als Cyrus das Titelstück schrieb, ein Lied über sein Verlangen, nach Hause zu kommen, den Wirbelsturm von Hollywood zu verlassen, der ihn und Miley im Zuge der "Hannah Montana"-Manie einhüllte, und ein bisschen frische Südstaatenluft zu atmen. Der Plan für die Aufnahme-Sessions nahm Form an, als Bright und Doug Howard, Vizepräsident der A&R-Abteilung von Lyric Street Records, ihn mit dem Studio-Gitarrenvirtuosen Kenny Greenberg zusammenbrachten, um das Stück "Real Gone" aufzunehmen, eine muskelbepackte Ode an Autos, Mädchen und den klassischen amerikanischen Lebensstil.

Billy Ray Cyrus, Foto: Clay Patrick McBrideDer Song, ursprünglich von Sheryl Crow für den Disney/Pixar-Animationsfilm "Cars" geschrieben und gesungen, erklingt nun in turbo-aufgemotzter Form. Greenberg ist auch im Video zu sehen. Er begleitete Cyrus auf mehreren Auftritten und auch letztes Jahr im Juni auf dem CMA Music Festival in Nashville, wo Cyrus' schweißgebadetes, gitarrenlastiges Programm am letzten Abend auf dem LP Field ein absolutes Highlight war.

"Als Billy Kenny auf 'Real Gone' spielen hörte, hat er sich Hals über Kopf in ihn verliebt", sagt Bright, seit kurzem Geschäftsführer des christlichen Plattenlabels Word Entertainment. "Ich wusste, dass das passieren würde. Sie passen perfekt zusammen, denn Billy Ray hat eine laute, kraftvolle Stimme, die auf einem Gitarrenfundament super zur Geltung kommt. Beide sind sehr gute Musiker. Immer, wenn ich auf einem Album einen wirklich individualistischen Gitarrenpart brauche, hole ich Kenny. Und er hat wirklich verstanden, was Billy ausdrücken wollte."

Auf "Back to Tennessee" sind die unterschiedlichsten Beiträge des Virtuosen der Sechssaitigen zu hören - angefangen mit dem Berg aus näselnden und anschwellenden Gitarren im Hintergrund auf "As Country as Can Be" bis hin zu "Thrillbilly", auf dem das helle einleitende Banjo schnell von einer Gitarrenwand aus Marshall-Verstärkern eingeholt wird.

"Als wir das Stück aufnahmen, suchten wir im Prinzip nach einem Sound, den wir 'Bluegrass trifft auf Led Zeppelin' nannten", erklärt Cyrus. "Ich finde, genau das ist uns gelungen."

Greenberg stimmt zu.

"Als Mark und Billy Ray mich für die Arbeit an "Back to Tennessee" dazuholten, hatten wir sofort ein super Verhältnis", sagt der als CMA Musiker des Jahres nominierte Gitarrist, "denn Billy Ray sagte zu mir 'Ich liebe laute Gitarren und AC/DC, aber ich liebe auch Country-Musik'. Da wusste ich, dass wir auf der gleichen Wellenlänge waren. Außerdem ist Billy Ray der positivste Mensch, mit dem ich jemals in einem Raum zusammen war. Jedes Mal, wenn ich zur Gitarre griff, spürte ich, dass Billy Ray mich anfeuerte. Das gibt einem echte Bewegungsfreiheit, man kann Fehler machen, vielleicht auf die Nase fallen und dann gleich wieder aufstehen, um etwas zu spielen, das perfekt passt – oder noch besser. Es herrscht Freiheit, und das ist nicht nur im Studio so, sondern auch auf der Bühne.“

Bei der Arbeit an den Arrangements für "Back to Tennessee" wurde häufig der klassische Rock als Referenz herangezogen. So diente etwa die Spencer Davis Group als Vorbild für das R&B-beeinflusste "Love Is a Lesson", und George Harrison von den Beatles für die süß säuselnde Slide-Gitarre des Titelstücks. Auch Fans der Kinks und der Rolling Stones werden sich auf so manchem anderen Albumstück wiederfinden.

Billy Ray Cyrus, Foto: Clay Patrick McBride"Das Einbauen symbolhafter Sounds und Riffs war für mich ein Hilfsmittel, um ein echtes Bild über das Heranwachsen als Amerikaner zu erzeugen", erklärt Cyrus. "Wie ich im Song 'As Country As Country Can Be' wörtlich sage, bin ich mit George Jones und Tammy Wynette aufgewachsen, aber eben auch mit Rock 'n' Roll. Das alles gehört zu dem, was meine musikalischen Vorlieben und Träume geprägt hat, als ich noch ein Junge war, im Herzen der Appalachen, in Flatwoods, Kentucky."
Und tatsächlich zeugen dieses Anheben, dieser Akzent in seiner Stimme, diese Sehnsucht nach der weiten Welt vom Leben in der Kleinstadt, das allem, was Cyrus tut, eine Country-Note gibt – auch wenn eine Spur von Pink Floyd in die Textur von "He's Mine" eingewoben sein mag.

"Ich weiß, es klingt nicht sehr bescheiden, aber ich denke, ich bin als Künstler gereift", sagt Cyrus. "Ich schreibe Songs über das, wofür ich lebe oder das, was ich erlebt habe. Ich singe kräftiger, mit besseren Melodien und mit gefühlvollerer Phrasierung als jemals zuvor. Ich bin im Grunde genommen einfach ich selbst. Und die Sache mit mir ist die: Egal, wie die Musik auch klingt - alles was ich mache, wird immer Country sein, denn ich bin Country aus tiefster Seele."

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