Aaron Tippin; Foto: Daniela Müller-Smit

Vor vier Jahren begeisterte das Trio Mark Chesnutt, Joe Diffie und Tracy Lawrence mit der Rockin´ Roadhouse Tour das Publikum an der Country Night in Gstaad. Tracy Lawrence hat mit seinem Album "For The Love" und der Single "Find Out Who Your Friends Are" wieder als Solokünstler zu Höhenflügen in den Charts angesetzt. Er ist auf der Tour inzwischen durch Aaron Tippin ersetzt worden. Ende Juli traf sich das Trio in der neuen Zusammensetzung für einen von wenigen, gemeinsamen Auftritten in diesem Jahr. Ein Augenschein vor gut gefüllter Kulisse im Texas Station Casino in Las Vegas, Nevada.

Vor Konzertbeginn plätschtert in x-ter Wiederholung Waylon Jennings´ Luckenbach, Texas über die Lautsprecher. Wollen die Veranstalter uns musikalisch in ein Honky Tonk nach Texas beamen?

Aaron Tippin - der Patriot
Das hautenge, schwarze T-Shirt "Ready to Rock (In a Country Kind of Way)" und TippinsMuskelspiel wirken, trotz immer noch ansehnlicher Bizeps, ein wenig peinlich. Der Mann wird nächstes Jahr 50 Jahre alt! Trotzdem, mit Comedy und einer guten Songauswahl ("Ready to Rock", "He Believed", "You´ve Got To Stand For Something") stimmt Tippindas Publikum in kürzester Zeit ein. Nicht fehlen darf einer seiner grössten Hits, die Hymne zum 11. September: "Where The Stars And The Stripes And The Eagle Fly". Patriotismus zieht in Nevada trotz landesweit sinkender Anzahl Bush-Anhänger immer noch gut. "Ich war noch nie so stolz darauf, Amerikaner zu sein, wie ich es in diesen Tagen bin", wird vom Publikum laut applaudiert und Tippin setzt mit der Ankündigung seines letzten Songs gleich noch einen oben drauf: "Wenn den Dixie Chicks dies nicht passt, dann können sie ..." zeigt mit einer eindeutigen Geste auf seinen Allerwertesten und setzt zu "Kiss This" an. Ich merke, wie die Grenze meiner durchaus vorhandenen Toleranz gegenüber des amerikanischen Patriotismus arg strapaziert wird. Den abschliessenden, stehenden Ovationen schliesse ich mich nicht an. Und, ich wünsche mir heimlich Tracy Lawrence zurück.

Foto: Daniela Müller-Smit
Mark Chesnutt- Greatest Hits 1990 bis 1997 und eine verpasste Chance

Mark Chesnutt gibt den Zuhörern, was sie hören wollen: Charthits aus der Anfangszeit seiner Karriere, wie "Too Cold at Home", "Brother Jukebox", "I'll Think of Something", "Bubba Shot the Jukebox", "Ol' Country" und"I Just Wanted You To Know". Könnte ich mir ein eigenes Chesnutt-Album zusammenstellen, diese Songs gehörten dazu. Für Entertainment sorgt er mit einem humorvollen Wechsel zu seiner Inspirational Guitar, wie er die weisse, akustische Gitarre mit Bud Lite-Werbung nennt. Gleichzeitig nimmt er einen Schluck aus der Bierflasche mit selbigem Logo. Na denn, Prost! Die Zusammenstellung der Songs, seine wunderbare Stimme. Ich bin begeistert. Doch wann spielt er seine neuen Songs? An diesem Abend überhaupt nicht. Es bleibt die Frage, wie er sein aktuelles Album "Heard It in a Love Song" in der Öffentlichkeit verbreiten will, wenn er die Chance nicht nützt, seine neuen Songs vorzutragen.

Joe Diffie - Good Ol' Country Music
"Hey, wollt ihr wieder mal richtig gute, alte Country Musik hören?" Der Seitenhieb Richtung Schnelllebigkeit und Kommerzialisierung an der Musik Row wird mit grossem Echo bejaht. Auch Joe bedient sich seiner älteren Charthits "Third Rock From The Sun", "Pickup Man", "So Help Me Girl".

Bild: Daniela Müller-Smit
Sein letzter, grösserer Hit, "It´s Always Somethin´", stammt immerhin auch aus dem Jahre 2000. "Ships That Don´t Come In" widmet er den Truppen im Irak. Was wir zu hören bekommen ist Good Ol´ Country Music; und dies im wahrsten Sinne des Wortes ! Eine Zugabe gibt es trotz frenetischem Applaus auch bei Joe Diffie nicht.

Die Show geht im Gegensatz zu früheren Auftritten ohne gemeinsame Duette zu Ende. Schade. Mehr Zusammengehörigkeitsgefühl der Künstler hätte dem Konzept der Rockin´ Roadhouse Tour Rechnung getragen. Aber nach diesem Konzert ist klar, dass von dem alten "Buddy-Gefühl" nichts übrig geblieben ist und es sich nicht um ein gemeinsames Konzert von drei Künstlern, sondern um drei Konzerte einzelner Künstler hintereinander handelt.

So summen die Besucher auch beim Verlassen des Saals den Song "Luckenbach, Texas", der erneut aus den Lautsprechern tönt, und kein im Konzert gesungenes Highlight.

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